Montag, 17.2.2014 – WiTzels Tagblatt

„Da ist natürlich wieder mal ne Frau dran schuld…“ – Ton ab fürs Hazy Osterwald Sextett zum guten Start in die Arbeitswoche:

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Bild des Tages – diesmal aus Berlin Lankwitz, WiTzels Lied- & Lesebühne live am letzten Sonnabend, 15.2.2014:

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Von links nach rechts, obere Reihe: Heideschulmeister Otto Witzel (Komponist und Texter des Liedes „Nur du, deutsche Maid“, gesungen u.a. von Jan Kiepura), die besungene deutsche Maid;  untere Reihe: Herbert Witzel (Enkel des o.a. Heideschulmeisters), Marilyn Monroe, Angela und Mario Schulz (Film-Kultur-Café Lankwitz), Vater Christian Rädisch und sein Sohn Samuel (Gitarren und Gesänge). Fotograf: Lothar Schneeberger.

 

Spruch des Tages:

Alles Leben ist Tanz.

BABA RAM DASS.

Kalendergeschichte:

Ernst Reuters Volkswagen

Berlin-Zehlendorf, Bülowstraße 33.

https://i2.wp.com/www.gedenktafeln-in-berlin.de/fileadmin/inhalte/materialien/10_Zehlendorf/b%C3%BClowstr_33_mat_1.jpg
[Bildquelle: wikimedia.]
Wir Berliner haben ihn verehrt und geliebt wie kaum einen anderen Regierenden Bürgermeister.

Reuter.
Ernst Reuter (SPD), Regierender Bürgermeiste r Berlins von 1948 bis zu seinem Tode 1953.

Noch heute ist er der Maßstab für seine Nachfolger im Amt des Stadtoberhauptes. Oft hört man Einheimische sagen: „Unter Ernst Reuter wär das nicht passiert…“

Wowereit
Der heutige Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). [Bildquelle: wikimedia.]
Als Witwe Hanna Reuter noch lebte im Haus Bülowstraße 33, wurde bei ihr eingebrochen und aus dem Wohnzimmer eine Orientbrücke gestohlen. Eine Zeitung schrieb, daß Reuter an dieser Brücke als Erinnerung an seine Jahre in der Türkei ganz besonders gehangen habe. Drei Tage nach dieser Veröffentlichung erhielt Frau Reuter die Brücke zurück, sie war von Unbekannten der Kriminalpolizei zugespielt worden. Sogar die Unterwelt hatte Hochachtung vor diesem Großen der Berliner Geschichte.

In der Garage des Hauses stand ein Volkswagen, Baujahr 1953. Reuter hatte ihn kurz vor seinem Tode gekauft. Frau Hanna erzählte:

Er war stolz auf diesen ersten eigenen Privatwagen seines Lebens. ‚Mit dem fahren wir nach Rom‘, hatte er zu mir gesagt. Griechenland und den Nahen Osten hatte er schon bereist, aber in Rom waren wir noch nie gewesen.

Anfang Juni 1953 starteten wir, doch wir kamen nur bis Oberitalien, da riefen ihn die Ereignisse in Ostberlin und der Zone, der Volksaufstand am 17. Juni, zurück. Rom zu erleben, das schaffte er nicht mehr.

Ernst Reuter hat Berlin durch das Blockadejahr gesteuert – Flughafen Tegel wurde in 90 (neunzig!) Tagen fertig – und die anschließende Zeit schlimmster Arbeitslosigkeit bis an die Schwelle des Wiederaufstiegs.

Reuter-Grab
Waldfriedhof Zehlendorf.
[Bildquelle: wikimedia.]
Fortsetzungsgeschichte:

COVER-Mata_Hari 2. Folge

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Mata Hari tanzt im Musée Guimet (1905; Fotograf unbekannt).

18-TANZ_08_Museé_Guimet.

Mata Hari tanzt im Musée Guimet (1905; der unbekannte Fotograf hat dieses Bild vermutlich retuschiert).

O-Ton eines Zeitgenossen: „Ich sah sie nicht im Musée Guimet, sondern ein paar Tage später bei einem Fest des chilenischen Gesandten, besucht von höchsten Kreisen der Diplomatie samt ihren Damen. Dort legte Mata Hari eine Pantomime aufs Parkett, die uns von einem ehrwürdigen weißhaarigen Greis als klassische indische Bajaderen-Folklore angekündigt wurde, damit auch ja die allerletzten Lümmel und Lustmolche mitbekamen, hier ging es nicht um den erotischen Genuss an möglichst viel entblößtem Weiberfleisch, sondern um höhere Weihen und typisch asiatische Spiritualität.

‚Wir begrüßen eine Jungfrau, rein wie Damayanti, schön wie Urwasi und keusch wie Sakuntala aus dem Kloster. Diese Jungfrau heißt Mata Hari. Sie wird Ihnen die Sage von der schwarzen Perle nahebringen, eine Sage, die älter ist als das Buch Hiob.’ Dabei blickte er um sich, als sei diese Darbietung ein so kostbares Geschenk wie fünf Richtige im Lotto. An richtigen Sex wagte ja nun erst mal niemand mehr zu denken.

Alsdann bog ein schmächtiges weibliches Wesen um die Ecke, mit dunklen Augen und feurigen Gesichtszügen. Der Rock, den sie trug, ließ ziemlich viel braune Haut sehen, während sie mit langsamen Bewegungen die Rhythmik ihres Tanzes einleitete und Szenen eines wahrlich sagenhaften Dramas heraufbeschwor.

Prinzessin Anuba, die sie darstellte, weiß um eine kostbare schwarze Perle, in einer Muschel verborgen auf dem Meeresgrund, eine Perle, so herrlich schimmernd wie die Perle am Dolchgriff des Königs Mescheb.

Nun hegt sie nur noch einen einzigen Wunsch im Herzen, nämlich den Fischer Amry zu verführen, auf dass er ihretwegen hinabtaucht, um diese Kostbarkeit heraufzuholen.

Zutiefst erschrocken über diesen Wunsch der Prinzessin, erklärt ihr der Fischer, dass die Muschel seit Urzeiten bewacht wird von einem Ungeheuer, das jeden verschlingt, der dem Kleinod zu nahe kommt.

Doch Anuba lässt nicht locker. Sie bezirzt ihn mit ihren Blicken, macht ihn kirre durch Schmeicheleien und schafft es schließlich tatsächlich, dass der Fischer hinabtaucht in die schäumenden Wellen.

Geschunden und halbtot vom Kampf mit dem Ungeheuer kehrt er zurück und überreicht der Prinzessin die schwarze Perle.

Hingerissen vom Besitz, streichelt sie das blutige Kleinod und tanzt und tanzt und tanzt, bis die Vorstellung denn zu Ende ist und sich ein rauschender Applaus erhebt.

Den angeblichen spirituellen Kern dieser Geschichte hatte zwar niemand verstanden, doch leuchtete uns zumindest ein, wie und weshalb Mata Hari in Pariser Künstlerkreisen eine derartige Begeisterung auslöste.“

[Bildquelle für beide Fotos: Archiv Syzygos.]

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Wird fortgesetzt.

Am Stück tutti completti, d.h. ganz und gar lesefertig als Kindle Ebook bei Amazon erhältlich, als gedrucktes Buch im DIN-A4-Format (64 Seiten mit vielen Schwarz-Weiß-Abbildungen, Thermobindung), einzeln numeriert, datiert und signiert von Herbert Witzel alias Hermann Syzygos, für 10 EUR + 2 EUR Versand (innerhalb Deutschlands) bei Herbert Witzel, Warthestraße 25, 12051 Berlin, Tel.: 030-693 16 49, <herbert_f_witzel[at]web.de>.

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Die nächste Lied- und Lesebühne findet statt – wenn der liebe Gott will und wir leben – am Montag, dem 3. März 2014, in Lankwitz; gleiche Stelle, gleiche Welle…

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Ein Gedanke zu “Montag, 17.2.2014 – WiTzels Tagblatt

  1. Pingback: Montag, 17.2.2014 – WiTzels Tagblatt | Hermann Syzygos

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