Freitag, 21.2.2014 – WiTzels Tagblatt

HEUTE frisch:

  1. Tagesmusik mit einem gut gelaunten John Fogerty (Sänger der Hitfabrik „Creedence Clearwater Revival“);
  2. Bild des Tages: Tatüttüt Tata im Dschungel;
  3. Spruch zum Tage von Dylan Thomas;
  4. Kalendergeschichte, diesmal gedichtet (Erich Kästner);
  5. Vorlesung;
  6. Aktualitäten-Kabinett, diesmal LIVE aus Sotschi;
  7. Fortsetzungsgeschichte MATA HARI.

Ton ab für die FreiTagesmusik mit John Fogerty, dem Sänger von „Creedence Clearwater Revival“:

= = =

S;=)


Bild des Tages:

Rousseau
Henri Rousseau: Tatü Tata im Dschungel.

Spruch zum Tage:

Ich liebe die Menschheit, besonders die Frauen.

D-Thomas
DYLAN THOMAS (1914 bis 1953)

Kalendergeschichte, diesmal gedichtet:

Besuch vom Lande

Sie stehen verstört am Potsdamer Platz.

Und finden Berlin zu laut.

Die Nacht glüht auf in Kilowatts.

Ein Fräulein sagt heiser: >Komm mit, mein Schatz!<

Und zeigt entsetzlich viel Haut.

Sie wissen vor Staunen nicht aus und nicht ein.

Sie stehen und wundern sich bloß.

Die Bahnen rasseln. Die Autos schrein.

Sie möchten am liebsten zu Hause sein.

Und finden Berlin zu groß.

Es klingt, als ob die Großstadt stöhnt,

weil irgendwer sie schilt.

Die Häuser funkeln. Die U-Bahn dröhnt.

Sie sind das alles so gar nicht gewöhnt.

Und finden Berlin zu wild.

Sie machen vor Angst die Beine krumm.

Und machen alles verkehrt.

Sie lächeln bestürzt. Und sie warten dumm.

Und stehn auf dem Potsdamer Platz herum,

bis man sie überfährt.

ERICH KÄSTNER

= = =

S;=)

Vorlesung:  … so viel Zeit muss sein …

http://volkslesen.tv/21-12-donau-universitaet-krems-liest-janosch/

Aktualitäten-Kabinett:

Ein Schnappschuss aus Sotschi von der Winterolympiade

Plischke.
Gesponsort von „Witzels Tagblatt“, geklaut als Postkarte von den Stade Auktionen: Teilnehmer Rübezahl. (Plischke-Kunst.)

= = =

S;=)

Fortsetzungsgeschichte:

COVER-Mata_Hari

Mata Haris Kindheit als Margaretha Geertruida Zelle

Gretchen“, wie sie oft und gern gerufen wurde und sich ungern nennen hörte, fiel während ihrer Schulzeit eher durch schlechte als durch gute Noten auf. Sie verlebte eine glückliche Kindheit, bis — ja, bis Vater Zelle, der Hutmacher, 1889 am Börsentanzplatz beim Spekulieren diesmal voll daneben haute. „Die Börse ist wie eine Lawine, ein ständiges Auf und Ab“ (Adam Zelle).

Er musste das Haus wieder verkaufen und sich erheblich einschränken. Seine Frau und die fünf Kinder betraf das natürlich genauso, sie zogen aus einem Palast in eine Mietwohnung. Margaretha, inzwischen dreizehn Jahre alt, war als verwöhnte kleine Prinzessin herangewachsen. Nun fühlte sie sich wie nach einem Raubüberfall des Schicksals. Sie kannte danach Zeiten mit Geld und Zeiten ohne Geld und lernte nicht für die Schule, sondern fürs Leben: mit Geld ist besser.

Wie wir inzwischen dank jahrzehntelanger Erfahrungen mit Geheimagent 007 und anderen Agenturen und Jobcentern wissen, gehen über die Hälfte aller Ehen daran kaputt, dass Papa den lieben langen Tag müßiggeht und nichts mehr bringt, jedenfalls kein Geld von der Arbeit nach Hause. Beim Börsenverlierer und Bankrotteur Zelle war denn auch ab 1890 ein „Getrenntes Leben“ angesagt. Mit dem Geld schwand auch das Familienglück. Vater Zelle verließ wenige Monate später seine Frau und ging 1891 nach Amsterdam. Tochter und Söhne erlebten, wie das Band zwischen ihren Eltern und damit die Familie auseinandergerissen wurde. Das Sakrament ihrer Kindheit, behütet von Vater und Mutter, hatte sich in Luft aufgelöst.

Eine gerichtliche Scheidung brauchte es nicht, weil die Mutter noch im gleichen Jahr 1891 an der Schwindsucht starb. Das Mädchen verlor seine „angebetete, kleine Mama“ und damit die letzte elterliche Geborgenheit. Es gab kein Zuhause mehr, in dem sie aufgewachsen war.

Als Pflegekind wurde Margaretha durch die Verwandtschaft weitergereicht, während Adam Zelle in Amsterdam seine Pommes frites jetzt als Handlungsreisender verdiente, 1891 die zweite Frau heiratete und mit deren Geld ein neues Geschäft aufmachte, diesmal mit Petroleum. „Rockefeller ist damit Millionär geworden“ (Adam Zelle). Allerdings blieb die erste Million für Zelle in dieser Zeit die schwerste und gar nicht mehr zu schaffen. Er stank nie nach Geld, sondern immer nur nach dem Petroleum, das er in kleinen und kleinsten Mengen verkaufte.

Getchen landete bei einem Patenonkel und sollte im ersten Anlauf für jenes Arbeitsfeld ausgebildet werden, das mit dem schönen Wort „Kindergarten“ bezeichnet wird. Heute nennen wir diesen Beruf „Erzieherin“.

Wie es nun dazu kam, dass sie die Lehre abbrach, das weiß keiner so genau. Jedenfalls hat sich Herr Wybrandus Haanstra, der Leiter des Lehrinstitutes, in die 15jährige verliebt. Da sind sich alle einig. Eine Formulierung des Casus knaxus liest sich so: „Als sie halbnackt auf dem Schoß des Schuldirektors angetroffen wurde, musste sie die Lehranstalt verlassen“ (Marijke Huisman), was der Schuldirektor sicherlich bedauerte. Andererseits hat er es beruflich gut überstanden und sogar noch als Schulmann ziemliche pädagogische Pionierleistungen hingelegt, wie sich bei Google auf Niederländisch nachlesen lässt. Ein tüchtiger Pädagoge eben.

Sehr viel spricht allerdings dafür, dass Grethe nicht gegangen wurde, sondern aus freien Stücken selbst diese „Lehranstalt“ verlassen hat, deren Direktor sich ihr gegenüber nicht bremsen konnte. Man kann es auch „Knospenfrevel“ nennen, was der alte Herr da getrieben hat mit seiner Schülerin, die gerade erst dabei war, sich zu entwickeln und sich darüber zu wundern, dass sie für Männer immer interessanter wurde.

Gretchen wanderte ohne Berufsausbildung ab nach Den Haag zu Onkel Taconis nebst Tante. Sich zukünftig mit den Ablegern anderer Leute herumzuärgern, das wäre sowieso nicht ihre große Leidenschaft geworden. Sie träumte seit ihrer Zeit als exotische Prinzessin von einem Leben nicht im Kindergarten, sondern in einem Zaubergarten voller Überraschungen.

Doch damals hing sie wieder in der Luft und wurde eines Tages 17, aber mehr auch nicht. Sie hatte keinen existenzsichernden Beruf gelernt, sondern fühlte sich zur Schönheit berufen und baute auf ihre Anziehungskraft. Es gab so viele Märchenprinzen, die sie bewunderten im nahegelegenen Seebad Scheveningen während der Sommersaison, doch diese Frösche hüpften immer wieder weg.

Kein Wunder also, dass sie daran dachte, sich und ihre Situation gründlich zu verändern.

Gretchen Zelle mit 24.

Gretchen Zelle um 1900.

Wird fortgesetzt.

Am Stück tutti completti, d.h. ganz und gar lesefertig gibt es Mata Haris Lebensgeschichte als Kindle Ebook bei Amazon erhältlich, als gedrucktes Buch im DIN-A4-Format (64 Seiten mit vielen Schwarz-Weiß-Abbildungen, Thermobindung), einzeln numeriert, datiert und signiert vom Verfasser Herbert Witzel alias Hermann Syzygos, für 10 EUR + 2 EUR Versand (innerhalb Deutschlands) bei Herbert Witzel, Warthestraße 25, 12051 Berlin, Tel.: 030-693 16 49, <herbert_f_witzel[at]web.de>.

= = =

WiTzels nächste Lied- und Lesebühne findet statt – wenn der liebe Gott will und wir leben – am Montag, dem 3. März 2014, in Lankwitz; gleiche Stelle, gleiche Welle…

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s