Dienstag, 25.2.2014 – WiTzels Tagblatt

  1. Tagesmusik mit dem erfrischend deutsch-britischen Duo Astral Plane (Silvia Plegniere vom hiesigen Festland und Kevin Romang von der britischen Insel);
  2. Bild des Tages: „Der Morgen“, Philipp Otto Runge;
  3. Spruch zum Tage von Friedrich Nietzsche;
  4. Kalendergeschichte (Ricarda Huch und Berlin);
  5. Vorlesung;
  6. Fortsetzungsgeschichte MATA HARI.

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Ton ab für die Red-River-Rock’n’Rollige Tagesmusik, heute instrumental von ASTRAL PLANE:


Bild des Tages diesmal als Bildergeschichte von Philipp Otto Runge:

Runge 1
„Der Morgen“_.1 – Da liegt er klitzeklein und farblos am Rand ganz unten, ihm geht der Arsch auf Grundeis sozusagen.
Runge 2
Hier – mit doppeltem Boden – sieht „Der Morgen“ schon besser aus…
Runge 3
Aller guten Dinge sind drei, auch beim Erwachen am „Morgen“.

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S;=)

Spruch zum Tage:

Das beste Mittel, jeden Tag gut zu beginnen, ist: beim Erwachen daran zu denken, ob man nicht wenigstens einem Menschen eine Freude machen könne.

FRIEDRICH NIETZSCHE.

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S;=)

Kalendergeschichte:

Ricarda Huch und Berlin

Radierung Lindner.
Radierung von Johann Lindner.

Uhlandstraße Nr. 194 wohnte im dritten Stock der Staatsanwalt Franz Böhm mit seiner Frau Marietta, Tochter Ricarda Huchs. Als die Schriftstellerin im Herbst 1927 von München nach Berlin übersiedelte, wurde sie hier so freundlich aufgenommen, dass sie in Ruhe ihre „Lebensbilder deutscher Städte – Im alten Reich“ ( Schreibzeit 1927 bis 1929) vollenden konnte.

Ihr Schwiegersohn lehnte den aufkommenden Nationalsozialismus ab, bekam dadurch immer mehr berufliche Schwierigkeiten, verließ1932 Berlin und zog zu seiner Mutter nach Freiburg zwecks Doktorarbeit. Ricarda Huch ging mit ihrer Tochter und dem Enkel Alexander nach Heidelberg. An ihren Verleger schrieb sie:

Es wird Sie vielleicht wundern, daß ich mich sehr schwer von Berlin trenne, ich habe mich so in die Landschaft verliebt, daß mich nicht einmal Heidelberg lockt, eher abschreckt. Hier freute ich mich von einem Sonntag auf den anderen, wo wir Ausflüge machten; kaum jemals habe ich mein Herz so an eine Landschaft gehängt.

= = =

S;=)

WERBUNG

Wir wissen nicht, wen Ricarda Huchs Schwiegersohn damals mit der Räumung seiner Wohnung in der Uhlandstaße 194, dritter Stock, beauftragte. Heute empfehlen wir für solche Zwecke, für Entrümpelung und Allesabfuhr Fa. Frank Toebs:

entruemplung.de
entruemplung.de

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S;=)

Vorlesung – so viel Zeit muss sein:

http://volkslesen.tv/42-11-realschule-coburg-i-liest-antoine-de-saint-exupery/

S;=)

Fortsetzungsgeschichte:

COVER-Mata_Hari

Neues Scheitern und neues Leben

Im Herbst des Jahres 1900 wurde Major MacLeod in den Ruhestand versetzt, nach 28 Dienstjahren. Nun zogen sie wieder zusammen und machten sich gegenseitig die Hölle heiß.

Seine Frau zog es mit allen Fasern zurück nach Europa. John wollte bleiben, weil er sich hier mit seiner Pension ein viel besseres Leben leisten konnte.

Ihre Beziehung war im Grunde schon gar keine mehr und die Ehe völlig zerrüttet.

Als beide im März 1902 schließlich doch gemeinsam in die Niederlande zurückkehrten, mussten sie aus Geldmangel wieder bei Johns Schwester Frida in Amsterdam einziehen. Hier lebten sie in getrennten Zimmern und spielten „Pack schlägt sich, Pack verträgt sich“, bis der ständig betrunkene John am 26. August mit der kleinen Non aus dem Haus torkelte und nicht mehr zurückkam. Die Mutter verfiel in eine Wahnsinnsangst, wusste nicht, wo man die Tochter suchen sollte. Sie hatte außerdem kein Geld und kein gar nichts. Mit Hilfe des Staatsanwaltes Eduard Philips beantragte sie am 27. August die sofortige Scheidung. Am 30. August 1902 sprach das Amsterdamer Amtsgericht die „Trennung von Tisch und Bett“ aus.

Der Major im Ruhestand wurde zu Unterhaltszahlungen an seine Ex-Frau in Höhe von monatlich 100 Gulden verdonnert, doch die kamen nie bei ihr an. Sie musste sich nun selber kümmern um das tägliche Brot und das Geld für die Miete und alles.

Die Tochter wurde der Mutter zugesprochen, doch nachdem MacLeod wieder geheiratet hatte, blieb sie in beiderseitigem Einverständnis beim Vater Der zog mit seiner zweiten Frau aufs Land, in das kleine Nordbrabanter Dorf Velp.

Im Oktober 1902 reiste Margaretha in die Modestadt Paris mit der Idee, dort auf dem Laufsteg Karriere zu machen.

Daraus wurde jedoch nichts.

Um ihre Baguettes zu verdienen, stand sie für mehrere mehr oder weniger begabte Maler Modell. Man musste sie lieben oder ablehnen, dazwischen gab es nichts. Margaretha wollte geliebt werden. Wer sie ablehnte wie der eigenwillige, frühreife Pinselstar Octave Denis Victor Guillonnet, der erlebte ihren beeindruckend hinreißenden Ohnmachtsanfall, von dem sie sich erst wieder erholte, als er sie denn doch porträtieren wollte. Schließlich fragte er sie entnervt, warum sie überhaupt nach Paris gekommen sei.

Ich dachte“, antwortete sie, „alle Frauen gehen nach Paris, wenn sie ihren Männern weglaufen.“

Auch Guillonnets Künstlerkollege Gustave Assire engagierte sie einmal als Modell und nie wieder. „Sie will glücklich sein, weiß aber nicht, wie es geht. Das machte mich unglücklich.“ (Gustave Assire.) Außerdem hatte Assire mit dem Impressionisten Renoir zwar nicht das geniale Talent gemeinsam, aber immerhin eine geradezu sehnsüchtige Leidenschaft für die Schönheit der Frauenbrüste. Doch ihren Busen hielt das Modell stets bedeckt.

Warum?“ krächzte er mit seiner Absinthstimme. „Sie sind doch ein Aktmodell. Zum Akt gehören auch die Brüste.“

Gretchen schüttelte den Kopf und behauptete, irgendwo müsse eine Grenze sein. (Erst 1912 erzählte sie unter dem Siegel der Verschwiegenheit einem ihrer Verehrer, dem Journalisten Paul Olivier, die wahre Begründung, warum sie auch später stets und ständig selbst bei ihren verwegensten Nackttänzen die Brüste mit zwei Filigranschützern bedeckte. Mit Verschwiegenheit ist es allerdings bei Journalisten so eine Sache. Doch dazu kommen wir später noch.)

Nach diesen einmaligen Auftritten als Modell lief nichts mehr und aus war der Traum vom prickelnden Paris. Ziemlich unterm Teppich kehrte Margaretha zurück nach Holland.

Den nächsten Sturm auf die Bastille und Paris unternahm sie zu Pferde und bewarb sich als Zirkusreiterin. Doch auch damit fiel sie durch nach dem Motto: „Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern.“ (Samuel Beckett.)

Margareta
Margareta als Wiederholungstäterin zu Anfang des 20. Jahrhunderts.

Sie fühlte sich verletzt und hatte plötzlich Sehnsucht nach Geborgenheit, wie ein Kind, das ausgerissen ist und auf einmal Angst bekommt, weil die Welt doch nicht so freundlich ausschaut, wie im Bilderbuch.

1903 sucht sie Unterschlupf für eine Auszeit bei ihrem Vater in Den Haag, der sie willig aufnimmt und unterstützt. Die Zeiten haben sich geändert und er auch. Inzwischen ein kleines bisschen weiser geworden, fragte er sie aus wie ein Berufsberater.

Am beeindruckendsten fand ich die Tempeltänzerinnen auf Java“, erinnerte sich Margaretha. „Als ich ihnen zugesehen hab, da dachte ich, alles Leben ist Tanz.“

Vielleicht ist es ja wirklich so“, meinte der Vater.

Quatsch“, lautete ihre missmutige Entgegnung. Die Pariser Enttäuschungen saßen ihr noch in den zarten Knochen. „Soll ich mit dir vor die Tür gehen, Papa? Hier sehe ich stille Grachten, saubere Häuser und brave Bürger. Hier tanzt nichts und niemand.“

Adam Zelle musste lächeln. „Wir sehen die Dinge nicht so, wie sie sind, sondern wir sehen sie so, wie wir sind.“

Wird fortgesetzt.

Am Stück tutti completti, d.h. ganz und gar lesefertig als Kindle Ebook bei Amazon erhältlich, als gedrucktes Buch im DIN-A4-Format (64 Seiten mit vielen Schwarz-Weiß-Abbildungen, Thermobindung), einzeln numeriert, datiert und signiert von Herbert Witzel alias Hermann Syzygos, für 10 EUR + 2 EUR Versand (innerhalb Deutschlands) bei Herbert Witzel, Warthestraße 25, 12051 Berlin, Tel.: 030-693 16 49, <herbert_f_witzel[at]web.de>.

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Die nächste Lied- und Lesebühne findet statt – wenn der liebe Gott will und wir leben – am Montag, dem 3. März 2014, in Lankwitz; gleiche Stelle, gleiche Welle…

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