Mittwoch, 26.2.2014 – WiTzels Tagblatt

  1. Tagesmusik von und mit Sallie Ford & The Sound Outside, sehr krass und verdammt witzig, für mich jedenfalls;
  2. Bild des Tages von Carl Larsson: „Grüß schön den Onkel“;
  3. Spruch zum Tage von Hans Christian Andersen;
  4. Kalendergeschichte: Hans Christian Andersen und Berlin und wie die Feilnerstraße zu ihrem Namen kam;
  5. Vorlesung;
  6. Fortsetzungsgeschichte MATA HARI.

Ton ab für meinen besonderen Liebling Sallie Ford:

= = =

;=)

Bild des Tages:

Larsson.
Carl Larsson: „Grüß schön den Onkel“ (1917). [Repro: The Yorck Project.]
= = =    S;=)

Spruch zum Tage:

Die Folianten vergilben und aller gelehrte Glanz unserer großen Städte wird eines Tages blass und stumpf, aber das Buch der Natur erlebt jedes Jahr eine neue Auflage.

HANS CHRISTIAN ANDERSEN (1805 bis 1875), dänischer Märchendichter.

Andersen
Porträtiert von Constantin Hansen. [Bildquelle: wikimedia.]
= = =

S;=)

Kalendergeschichte:

Hans Christian Andersen und Berlin und

wie die Feilnerstraße zu ihrem Namen kam

Der Prophet bzw. Märchenerzähler galt erst mal nichts im eigenen Lande Dänemark. Hans Christian Andersen wurde als Dichter zuerst in Deutschland entdeckt und übersetzt und veröffentlicht, dann in Dänemark und später weltweit. Ich hab mal das Andersen-Museum in Odense besucht und kann mich erinnern an einen riesengroßen Tisch voller Übersetzungen der Andersenschen Märchen in wohl sämtliche Schriftsprachen. Seine über dreißig Auslandsreisen führten Andersen häufig auch nach Berlin. Hier besuchte er zweimal die Brüder Grimm, zuletzt im Winter 1845/46, doch musste er traurig feststellen, dass sie seine Märchen nicht einmal kannten.

Viel wohler fühlte er sich im Feilner-Haus, vor allen Dingen, weil dort „die schwedische Nachtigall“ Jenny Lind wohnte während ihres Engagements an der Berliner Oper 1844/45. Andersen gehörte zu ihren glühenden Verehrern – jedenfalls fingen seine Ohren zu glühen an, wenn sie sang.

 

Jenny Lind
Jenny Lind, „die schwedische Nachtigall“ (1850). [Bildquelle: wikimedia.]
Tobias Christoph Feilner, ein Töpfergeselle aus der Oberpfalz, kam 1793 nach Berlin, begann hier mit der Herstellung von Terakotten und  farbigen Backsteinen erfand schließlich die großen weißen Berliner Kachelöfen, deren Ruhm sogar bis nach Weimar zu den Klassikern drang. Jedenfalls ließ sich auch Goethe einen solchen schicken.

Aus der Töpferei mit sieben Angestellten wurde eine Fabrik mit mehr als hundert Beschäftigten. Feilner konnte sich 1829 in der Hasenhegergasse – so hieß sie damals noch – ein zweistöckiges, neun Fenster breites Haus nach Bauplänen seines Freundes Schinkel hinstellen lassen. In diesem gastfreundlichen Haus gaben sich Bildhauer wie Schadow und Komponisten wie Liszt, Meyerbeer und Mendelssohn-Bartholdy die Klinke in die Hand.

1945 fiel das Haus den Bomben zum Opfer, doch die nach Feilner benannte Straße gibt es noch.

= = =

Gibt es in Berlin eine Wohnung, die aussieht, als hätte dort eine Bombe eingeschlagen? Müssen Räume entrümpelt werden? Brauchen Sie eine Allesabfuhr? Dann wenden Sie sich getrost an unseren Herrn Frank Toebs mit seiner 25jährigen Berufserfahrung:

entruemplung.de
entruemplung.de

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S;=)

5. Vorlesung:

http://volkslesen.tv/49-09-staatsbibliothek-liest-daniel-kehlmann-1/

= = =

S;=)

Fortsetzungsgeschichte:

COVER-Mata_Hari

Aus Gretchen wird Mata Hari

1903 sucht sie Unterschlupf für eine Auszeit bei ihrem Vater in Den Haag, der sie willig aufnimmt und unterstützt. Die Zeiten haben sich geändert und er auch. Inzwischen ein kleines bisschen weiser geworden, fragte er sie aus wie ein Berufsberater.

Am beeindruckendsten fand ich die Tempeltänzerinnen auf Java“, erinnerte sich Margaretha. „Als ich ihnen zugesehen hab, da dachte ich, alles Leben ist Tanz.“

Vielleicht ist es ja wirklich so“, meinte der Vater.

Quatsch“, lautete ihre missmutige Entgegnung. Die Pariser Enttäuschungen saßen ihr noch in den zarten Knochen. „Soll ich mit dir vor die Tür gehen, Papa? Hier sehe ich stille Grachten, saubere Häuser und brave Bürger. Hier tanzt nichts und niemand.“

Adam Zelle musste lächeln. „Wir sehen die Dinge nicht so, wie sie sind, sondern wir sehen sie so, wie wir sind.“

Sie sah sich die Dinge lange an. Dann stand ihr Entschluss fest, Tänzerin zu werden. Der Vater erklärte sich bereit, sie materiell und ideell dabei zu unterstützen.

Im folgenden Jahr entwarf sie nicht nur ihr Kostüm, das sowohl in einen europäischen Nachtclub als auch in einen javanischen Tempel gepasst hätte, sondern sie skizzierte auch einen passenden Lebenslauf zum Kostüm und wählte den Künstlernamen „Mata Hari“. Das ist Malaiisch, heißt verdolmetscht „Auge des Tages“ und meint die Sonne. Viele halten den Mond für viel wichtiger als die Sonne, denn tagsüber, so sagen sie, da sei es doch sowieso hell. Aber Mata Hari gehörte nicht zu denen, die das Licht scheuen. Nur ihre Brüste hielt sie stets bedeckt.

Mit Kostüm.

[Repro: Archiv Syzygos.]

1905 trat sie zum ersten Mal in Paris auf, tanzte den ersten Schleiertanz ihres Lebens so leidenschaftlich, als ob es um gerade dieses ginge, und es ging ja auch um ihr Leben. Vorbei waren auf einmal die Demütigungen, die Tyrannei, die Schläge, das Drohen und die ständige Angst vor dem, was als nächstes Schlimmes passiert.

Mata Hari war jetzt zu Hause in ihren sprechenden Bewegungen und nicht zuletzt mit ihren glühenden Augen fesselte sie die Aufmerksamkeit des Publikums. Mit diesem Tanz riss sie ihre Umgebung hinein in einen Taumel lautlos lachenden Entzückens, um dann die selbe Umgebung mit hinabzuziehen in die tragischen Tiefen des Todes: Es ist gemein, was lebt, muss sterben. Den Körper zeigte sie her, doch ihre Seele blieb für alle ein faszinierendes Rätsel. Niemand schlief ein.

Bei ihrem Debüt als importierte Bajadere befand sich im überraschten und begeisterten Publikum der Herr Guimet, Eigentümer des gleichnamigen Museums für orientalische Kunst, gelegen im 16. Arrondissement. Er lud sie ein, in seinem Museum zu tanzen.

Die nunmehrige Orientalin Mata Hari nahm das Angebot an und riss im Musée Guimet die Anwesenden durch ihre elektromagnetischen Tänze zu stürmischen Beifallskundgebungen hin. In einem juwelenbesetzten Büstenhalter und durchsichtigen Gewändern bewegte sie sich rhythmisch und geheimnisvoll vor dunkel schimmernden Bronzestatuen, grünen Palmen und mit farbenfrohen Girlanden verzierten Säulen. Sie war „geschmeidig wie ein aufgerichtetes, von der Flöte des Schlangenbändigers hypnotisiertes Reptil. Ihr biegsamer Körper verschmolz zeitweilig mit den wogenden Flammen, um plötzlich, mitten in einer Verrenkung, zu erstarren… Mit heftiger Bewegung reißt Mata Hari sich die Juwelen vom Leib. Und nackt scheint ihr Körper bis in die Schatten zu reichen! Sie geißelt die Luft mit ihren verrenkten Armen, peitscht die unerschütterliche Nacht mit ihrem langen, schweren Haar…“ (Édouard Lepage, Theaterkritiker.)

Vor ihr öffnete sich ein neuer Weg. Mit wachem Verstand hatte sie geahnt, dass nicht nur Propheten in ihrem Vaterlande nichts gelten, sondern auch exotische Schönheiten wie sie. Und Anbeter werden ihr zu Füßen liegen und diesen neuen Weg ihres Lebens pflastern, denn eine Mata Hari gibt es nur einmal.

Wird fortgesetzt.

Am Stück tutti completti, d.h. ganz und gar lesefertig als Kindle Ebook bei Amazon erhältlich, als gedrucktes Buch im DIN-A4-Format (64 Seiten mit vielen Schwarz-Weiß-Abbildungen, Thermobindung), einzeln numeriert, datiert und signiert von Herbert Witzel alias Hermann Syzygos, für 10 EUR + 2 EUR Versand (innerhalb Deutschlands) bei Herbert Witzel, Warthestraße 25, 12051 Berlin, Tel.: 030-693 16 49, <herbert_f_witzel[at]web.de>.

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Herzliche Einladung!
Herzliche Einladung!

Die nächste Lied- und Lesebühne findet statt – wenn der liebe Gott will und wir leben – am Montag, dem 3. März 2014, in Lankwitz; gleiche Stelle, gleiche Welle…

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