Freitag, 28.2.2014 – WiTzels Tagblatt

ACHTUNG! Wichtige Durchsage – jedenfalls für mich: Sechs Tage sollst du ackern und rackern, aber den siebten Tag, den Feiertag, heiligen. Das ist der Sonntag. Deshalb ist ab sofort, d.h. ab nächsten Montag, MONTAGS RUHETAG bei WiTzels Tagblatt. Ich sag’s bloß heute schon, damit Sie am Montag keinen Schock kriegen.

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  1. Tagesmusik, Duo Camillo mit dem Oldie, but Goldie: „Die Pfaffen rasen durch den Wald“;
  2. Bild des Tages: Salomo und die Königin von Saba in Berlin;
  3. Spruch zum Tage von Anno Nym;
  4. Auflösung zur Berliner Wer-war-das?-Kalendergeschichte von gestern;
  5. Kalendergeschichte zu Apelles, dem Hofmaler Alexanders des Großen;
  6. Vorlesung mit Katja aus der Albestraße;
  7. Fortsetzungsgeschichte MATA HARI.

1. Ton ab für die Tagesmusik:

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S;=)

2. Bild des Tages:

Salomo und die Königin von Saba.
Konrad Witz: Salomo und die Königin von Saba (1434-35). Zu sehen in Berlin, Gemäldegalerie. [Bildquelle: The Yorck Project.]
Oft wirken ja die Repros besser als das Original, gerade bei Jahrhunderte alten Tafelbildern, aber in diesem Fall hat mich doch zuerst das Original schwer beeindruckt. – Sie können mich für Berlin als Kunstführer buchen, übrigens. Ich zeige Ihnen gern, was ich selbst sehenswert finde, z.B. dieses Altarbild des Konrad Witz oder auch die Galerie Johann König einschließlich der dazugehörenden Ausstellungen und Events in St. Agnes.  – HERBERT WITZEL, <herbert_f_witzel[at]web.de>Tel.: 030-693 16 49. (Führungsdauer ca. anderthalb Stunden, Gruppe bis 12 Personen = 50 EUR.) Für Kunstfreunde der Moderne mit einem freien Zeitfenster Anfang Mai (2.-4.) 2014 sei besonders empfohlen das http://www.gallery-weekend-berlin.de/

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S;=)

3. Spruch zum Tage:

„Hör auf, wenn es am schönsten ist.“

ANNO NYM.

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S;=)

4. Auflösung der Kalendergeschichte von gestern: Wer war das??? Der verhinderte Tragödiendichter und erfolgreichste Komiker seiner Zeit war dieser hier:

Otto Reutter.
. Otto Reutter.

Das Plakat stammt von hier:
Apollo-Theater.

Mehr zum Apollo-Theater findet sich in meinem Beitrag auf unterwegs-in-berlin.de :

Das war die Berliner Luft!

Saharet

[Abbildungen: wikimedia.]

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S;=)

5. Kalendergeschichte heute:

Von Apelles, dem Hofmaler Alexanders des Großen, blieb uns kein einziges Werk erhalten und doch gehört er zu den berühmtesten Malern der Weltgeschichte. Eines Tages wurde er von einem Kollegen gefragt, ob er ihm einen Rat geben könne, so von Künstler zu Künstler als Coaching, und Apelles antwortete:

Hand vom Bild.

Das meint im Prinzip das gleiche wie Anno Nühm: Wenn es am schönsten ist, soll man aufhören – auch beim Bilder malen. Der Künstler, der perfekt sein und das vollkommene Gemälde schaffen will, der hört sonst nie auf. Das Bild wird aber dadurch nicht besser oder gar perfekt, sondern nur immer wieder anders, weil der Künstler sich jeden Tag ändert. Wenn er seine Bilder in Ruhe lässt, dann ändern sie sich von allein.

Die Bilder machen, was sie wollen.

GERHARD RICHTER.

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S;=)

6. Vorlesung, heute von und mit Katja, Sonnenschein der Albestraße:

http://volkslesen.tv/07-11-fruehstuecksgruppe-liest-roger-bollen-marilyn-sadler/

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S;=)

7. Fortsetzungsgeschichte:

COVER-Mata_Hari

Das schöne Leben geht weiter

1907 kam Mata Hair zum ersten Mal nach Berlin und eroberte hier den „Wintergarten“ in der Friedrichstraße. Anschließend zog sie für ein paar Monate in die Nachodstraße 18, zusammen mit einem gutsituierten Leutnant des 11. westfälischen Garderegiments.

Tanz_MH
Mata Hari bei der Arbeit.

Außerdem gab sie in Berlin vor Kaiser Wilhelm II. und seiner Familie eine Sonvervorstellung. Angeblich soll sie danach mit einem Prinzen kurzzeitig liiert gewesen sein. Dem hat sie nie widersprochen, ein Umstand, der in ihrem Spionageprozess gegen sie verwendet werden sollte.

Im Winter 1906/1907 hob sie wie die Klapperstörche ab nach Ägypten mit ihrem westfälischen Gardeleutnant und war für ihre europäischen Fans eine Weile außer Sicht und unerreichbar.

Am 30. März 1907 telegafierte sie von Rom aus an ihren Manager, ob es neue Engagements gebe. Und sie schrieb an Richard Strauss, um sich für seine neue Inszenierung anzubieten: „Nur ich kann die Salomé tanzen.“ Er antwortete nicht. Sie reiste nach Paris zurück.

Paris-MH
Mata Hari zu ihren besten Zeiten in Paris.

Mata Hari musste feststellen, dass man sie in Paris schon fast vergessen hatte. Inzwischen war ihr Tanz vielfach von Nachwuchstänzerinnen kopiert worden und nichts Besonderes mehr. Die Legende ihrer Lebensgeschichte wurde auch schon mal als Stoff für Bunte Abende benutzt. Auf ihr Evakostüm hatte sie ebenfalls kein Patent. Die Tänzerin und spätere Schriftstellerin Colette trat jetzt genauso nackt wie Mata Hari als „ägyptischer Traum“ im „Moulin Rouge“ auf.

Ihre beste Zeit schien vorbei zu sein, obwohl sie weiterhin eingeladen wurde zu den Festen der oberen Zehntausend und auch als Tänzerin wieder ins Gespräch kam. Im „Houlgate“, im „Pont aux Dames“ und im „Trocadéro“ tanzte sie auf Wohltätigkeitsveranstaltungen. Die Zeitungen schrieben über sie.

1910 spielte sie in Monte Carlo die Rolle der Kleopatra in „Antar“, einer Bühnenversion der gleichnamigen Sinfonie von Nikolai Andrejewitsch Rimski-Korsakow. Der hat den „Hummelflug“ komponiert. Nix für ungut, ich sag’s ja nur.

Der Regisseur des Stücks war allerdings nicht zufrieden mit ihrer tänzerischen Leistung. „Antar“ wurde dann zwar auch in Strasbourg gespielt, jedoch ohne Mata Hari. Sie war schwer enttäuscht. Ihre Auseinandersetzung mit diesem Regisseur wurde ein gefundenes Fressen für die Presse und führte schließlich zu einem Gerichtsprozess.

Mata Hari klagte wegen Verleumdung und forderte Schadensersatz. Der Prozess zog sich lang hin, bis Dezember 1911. Mata Hari gewann. Sie hatte nun zwar ihre Ehre wieder, doch bekam dafür keine Engagements mehr.

Foto: Jacob Merkelbach.
Foto: Jacob Merkelbach.

Die letzten Monate bis zum Ende des Prozesses verbrachte sie auf einem Schloss des verheirateten Bankiers Xavier Rousseau als wohlversorgte Mätresse.

Am 7. Dezember 1911 tanzte sie in der Mailänder Scala als Prinzessin im 5. Akt von Christoph Willibald Glucks Oper „Armide“. Im Januar 1912 spielte sie die Venus in Antonio Marcenos Ballett „Bacchus und Gambrinus“. Sonst war die Venus immer blond gewesen. Mata Hari verkörperte mit ihrem dichten Haar eine ganz neue und bejubelte „schwarze Venus“. Nun wurde sie auch in die Salons der italienischen Reichen eingeladen.

Als herbe Enttäuschung entpuppte sich ihre Idee, zusammen mit dem Russischen Ballett aufzutreten, dessen rauschende Erfolge zu einem Siegeszug durch Europa führten.

In Monte Carlo hatte sie den Impresario Sergej Djaghilew kennengelernt und versuchte nun, mit ihm ein entsprechendes Bewerbungsgespräch zu führen. Doch er versetzte sie unentschuldigt und brüskierte sie dann, als sie ihn zielstrebig, wie sie war doch noch am Wickel kriegte, im Theater, während seiner Bühnenarbeit. Da stand der Meister nun nebst seinem Mitstreiter Vaslav Nijinsky und dem Choreografen, während die Bühne umgebaut wurde durch Heerscharen der „Herren von der Technik“.

Mata Hari solle sich ausziehen und hier auf der Bühne ein Tänzchen als Kostprobe hinlegen, sprach Diaghilew.

Entrüstet brach Mata Hari ihre Bewerbung ab. Es war allerdings auch ein bisschen sehr blauäugig gewesen, zu glauben, sie könne ohne klassische Ausbildung bei einer der besten Ballettgruppen der Welt als Primaballerina mitmischen.

1913 reiste Mata Hari nach Berlin, sah den deutschen Kronprinzen in Uniform und bat darum, vor ihm tanzen zu dürfen. Sie bekam ein „nein, danke“ als Antwort und reiste wieder ab. In Paris trat sie in den „Folies Bergère“ als Spanierin auf und tanzte letztmalig ihren Schleiertanz in einem Kino. Das „Auge des Tages“, die Sonne hatte ihren Zenit überschritten.

M Hari

Ihre exotische Lebensgeschichte glaubte man noch bis in die „Goldenen Zwanziger Jahre“ hinein wie die BILD-Zeitung.

Es hatte zwar stets kritische Geister gegeben, die bei ihrer Lebensgeschichte leicht verwundert die Brauen hochzogen, wenn sie etwa fröhlich erzählte, sie käme aus dem heiligen Ort Jaffnapatam an der Küste Malabars. Die Stadt Jaffnapatam liegt in Ceylon. Doch ihre wahre Herkunft, so wie wir sie Ihnen hier ungefiltert berichtet haben, verehrte Leserin und geschätzter Leser, diese Wahrheit wurde erst 1930 vom Journalisten Charles S. Heymans entblättert.

Wird fortgesetzt.

Am Stück tutti completti, d.h. ganz und gar lesefertig als Kindle Ebook bei Amazon erhältlich, als gedrucktes Buch im DIN-A4-Format (64 Seiten mit vielen Schwarz-Weiß-Abbildungen, Thermobindung), einzeln numeriert, datiert und signiert von Herbert Witzel alias Hermann Syzygos, für 10 EUR + 2 EUR Versand (innerhalb Deutschlands) bei Herbert Witzel, Warthestraße 25, 12051 Berlin, Tel.: 030-693 16 49, <herbert_f_witzel[at]web.de>.

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Die nächste Lied- und Lesebühne findet statt – wenn der liebe Gott will und wir leben – am Montag, dem 3. März 2014, in Lankwitz; gleiche Stelle, gleiche Welle…

Herzliche Einladung!
Herzliche Einladung!
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