Sonntag, 9. März 2014 – WiTzels Tagblatt

  1. Hier das passende gemischte Duett zum Sonntag morgen – dadurch soll jetzt keine(r) mit aller Gewalt unbedingt zum Gottesdienst gescheucht werden, es ist einfach ein guter Muntermacher: Blei’m wir noch im Bett?“;
  2. Sonn- und Feiertagsbild: Francesco Botticini, Die neun Chöre der Engel (15. Jahrhundert);
  3. Spruch zum Tage von Hannah Arendt;
  4. Kalendergeschichte, diesmal zum Thema Niederländischer Amateurfußball am Sonntag;
  5. Vorlesung, „Prinzessin Svanvithe“;
  6. Fortsetzungsgeschichte MATA HARI.
  7. NEU!Last not least der Mode-Tipp: ein Mufu-Wrap.

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Morgen am MONTAG ist Tagblatts Ruhetag, übrigens. Muss auch mal sein.

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Ton ab für das Sonntagslied Blei’m wir noch im Bett?“:

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S;=)

Bild des Tages:

Botticini
Francesco Botticini: Die neun Chöre der Engel (15. Jahrhundert).

Bei Wikipedia gibt es Erklärungen dazu – allerdings nur auf Englisch, damit es auch von unserem Bundespräsidenten Joachim Gauck verstanden wird, der die €U anscheinend mit nem „INTERSHOP“ verwechselt, alles Englische für was Besseres hält und jeden Fremden mehr liebt als seinen Nächsten.

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S;=)

Spruch zum Tage:

Aber dann natürlich das größte Erlebnis,
wenn man nach Deutschland zurückkommt, abgesehen von dem Wiedererkennen …:
Daß auf der Straße Deutsch gesprochen wurde, hat mich unbeschreiblich gefreut.

HANNAH ARENDT (1906 – 1975).

Es war einmal und wird eines Tages wieder so sein. Gott ist mit Deutschland – nicht nur am Sonntag in der Gemeinde, sondern überhaupt.

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S;=)

Kalendergeschichte:

Fussballer wollen am Samstag statt am Sonntag spielen

Fußball.

Amsterdam. In den Niederlanden treten viele Fussballamateure sonntags nicht einem Spiel an. «Es gibt Fussballvereine, die prinzipiell nicht an Sonntagen spielen, weil eben in der Bibel steht, dass Sonntag ein Ruhetag ist», sagt Rob de Leede, ein Sprecher des niederländischen Fussballverbands. Die Amateurclubs teilen sich in traditionelle Samstags- und Sonntagsfussballer auf. Allerdings gibt es laut Rob de Leede auch immer mehr Vereine, die den Samstag vor allem darum als ihren Spieltag sehen, weil sie den Sonntag für ihre Familie, für Frau und Kinder frei halten wollen.

Generell dürfen in den Niederlanden Fussballspiele laut Gesetz am Sonntag erst ab 13 Uhr angepfiffen werden. Besonders im sogenannten Bibelgürtel, der sich von der Provinz Zeeland im Südwesten bis hin nach Overijssel im Nordosten an der deutsch-niederländischen Grenze hinzieht, wird auf die Einhaltung der Sonntagsruhe Wert gelegt.

HeWi

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Vorlesung „Prinzessin Svanvithe“

http://volkslesen.tv/37-12-sparkasse-ruegen-liest-ernst-moritz-arndt/

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Fortsetzungsgeschichte:

COVER-Mata_Hari

Die Gefangene

PrisonSL
Prison Saint Lazare (1912), als Gefängnis zu erkennen an hohen Gittern auf den Mauern links und rechts vom Eingang.

Wie es einen Song über das Gefängnis „Saint Quentin“ von Johnny Cash gibt, so gibt es auch ein Chanson von Aristide Bruant über diesen Knast: „À Saint-Lazare“. Mata Hari war allerdings nicht zum Singen hier oder doch, wenn man dieses Wort im Sinne von „Aussagen“ und „Gestehen“ verwendet. Fünfzig Nonnen vom Orden Marie-Joseph du Dorat dienten hier als Aufseherinnen. Mit einer dieser Nonnen, Schwester Léonide, wohnte Mata in der Zelle. Wegen Verdunklungsgefahr hatte niemand Zutritt zu ihr außer Ärzten, Juristen, Geistlichen und ihrem Anwalt, dem 74 Jahre alten Maitre Eduart Clunet.

Fünf Monate dauerte die Fertigstellung der Anklageschrift. Am 24. Juli 1917 begann der Prozess.

Bei Durchsuchungen hatte man in Mara Haris Korrespondenz eine Vielzahl Briefe von Offizieren, Fliegern und wichtigen Pariser Persönlichkeiten gefunden. Dazwischen befand sich das Schreiben eines Kriegsministers. Nunmehr ein Bestandteil der Akten, sprach dieser Brief von Tagesgeschehnissen einerseits und höchst privaten, sehr intimen Themen andererseits.

Als Vorsitzender fungierte Lieutenant-Colonel Albert Ernest Somprou, ehemals Kommandeur der Garde Républicaine. Er selbst und seine sechs Beisitzer waren Berufssoldaten, keine Juristen, und es gab auch keine Geschworenen als Laienrichter. Die Anklage übernahm Lieutenant André Mornet. Untersuchungsrichter Bouchardon hatte ihm den Fall mitsamt der Anklageschrift erst unmittelbar vor Anklageerhebung übergeben.

Auch Major George Ladoux vom Deuxième Bureau war im gesamten Prozessverlauf anwesend, obwohl er dem Gericht nicht angehörte. Er hatte Mata Hari die Falle gestellt, sie „für die französische Sache“ als Spionin angeworben und schließlich festnehmen lassen. Der Vorsitzende Richter verfügte seine Anwesenheit, um einzelne Punkte zu klären und bedarfsweise auszusagen.

Gerichtsschreiber war Leutnant Mornet, unterstützt von seinem Adjutanten Leutnant Rivière.

Anwalt Eduart Clunet, der Mata Haris Verteidigung übernahm, hatte zwar als Advokat in Künstlerkreisen einen guten Namen und auch schon jede Menge Schauspielerinnen und Schauspieler erfolgreich vor Gericht vertreten, doch mit den Regeln des Standrechts kannte er sich überhaupt nicht aus. Er versuchte, bei den Militärs auf die Tränendrüsen zu drücken von wegen Mata Hari, das arme Hascherl, die zarte schwache Frau in finanzieller Notlage, doch waren das für die altgedienten Soldaten keine Argumente gegen den Verdacht des Hochverrats.

Es hieß, er sei einer ihrer Liebhaber gewesen. Das war wohl nicht an dem, doch immerhin gehörte er zu ihren leidenschaftlichen Verehrern und begeisterte sich für Mata wie ein Halbstarker für seine Tanzstundendame.

Das Kriegsgericht tagte im großen Schwurgerichtssaal im Palais de Justice. Obwohl dieser Termin nicht öffentlich bekanntgegeben wurde, erschienen etwa 150 Personen als Zuhörer.

Auf Antrag des Staatsanwalts wurde wegen Gefährdung der nationalen Sicherheit die Öffentlichkeit ausgeschlossen und der Saal geräumt. Danach durfte absolut niemand mehr den Saal betreten. Schildwachen sperrten die Türen bis auf eine Entfernung von zehn Metern ab, und kein Geräusch von außen, überhaupt keine Beeinflussung war imstande, die Ruhe und Würde dieser Gerichtsbarkeit zu stören, militärisch dem Aussehen nach und doch zurückhaltend.

Nachdem das Verfahren gegen Mata Hari eröffnet war, begann Oberst Somprou, einen Brief als Beweisstück vorzulesen.

Plötzlich erhob sich Mata und bat eindringlich: „Lesen Sie diesen Brief nicht vor, Herr Oberst.“

Somprou antwortete: „Ich muss das tun.“

Dann verschweigen Sie die Unterschrift.“

Warum?“

Weil“, versetzte Mata, „der Unterzeichner verheiratet ist und ich nicht die Ursache eines Dramas in einer anständigen Familie sein möchte.“

Sogar Major Massard, der sich ansonsten mit bemerkenswerter Kaltherzigkeit über die Angeklagte ausließ, gibt zu, dass Oberst Somprou aufgrund dieser ehrlichen Bitte mehrere Sekunden lang zögerte, bevor er mit der Verlesung fortfuhr. Die Unterschrift lautete bei diesem wie bei mehreren ähnlichen Briefen „My“. Das Kürzel konnte nach Meinung des Gerichts nur entweder vom früheren Innenminister Louis Malvy stammen oder von Adolphe Pierre Messimy, Kriegsminister a.D.

Mata Hari weigerte sich beharrlich, den Schreiber dieser Briefe anzugeben, die sie als Privatbriefe bezeichnete. Das machte sie in den Augen der Soldaten nur noch verdächtiger.

Der in Ehren ergraute General Messimy hatte einen Brief geschickt, geschrieben von seiner Frau. Darin bat er darum, nicht in den Zeugenstand gerufen zu werden, weil er die Angeklagte gar nicht kenne.

Darüber konnte Mata Hari nur lachen. „Was, er will mich nicht kennen? Na gut, der hat Nerven.“ Die beisitzenden Richter lachten zwar mit, doch das half ihr letztendlich auch nichts.

Vermutlich aus Gründen der Peinlichkeit ließen die Richter auch den Ex-Minister Malvy unbehelligt. Neun Jahre später wurden diese Briefe noch einmal Gegenstand einer heftigen Debatte im französischen Parlament. Louis Malvy fiel vor lauter Entrüstung bei seinem Dementi in Ohnmacht. Danach gab General Messimy zu, diese Briefe geschrieben zu haben, weil er den Herzenswunsch hatte, mit Mata Hari eine Affäre zu beginnen. Da war er wahrlich nicht der einzige gewesen.

Wird fortgesetzt.

Am Stück tutti completti, d.h. ganz und gar lesefertig als Kindle Ebook bei Amazon erhältlich, als gedrucktes Buch im DIN-A4-Format (64 Seiten mit vielen Schwarz-Weiß-Abbildungen, Thermobindung), einzeln numeriert, datiert und signiert von Herbert Witzel alias Hermann Syzygos, für 10 EUR + 2 EUR Versand (innerhalb Deutschlands) bei Herbert Witzel, Warthestraße 25, 12051 Berlin, Tel.: 030-693 16 49, <herbert_f_witzel[at]web.de>.

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Unser Modetipp  – ausgeborgt von Blancas Blog „kleine kleinigkeiten“:

DER MUFU-WRAP 

Mufu-Wrap.

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Morgen – Montag – ist Tagblatts Ruhetag.

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