Dienstag, 11. März 2014 – WiTzels Tagblatt Nr. 34

Dienstag, 11. März 2014

  1. Dienstag heißt „Tuesday“ uff Englisch, wa, deshalb grüßen wir bzw. The Corrs (nebst „Rolling Stone“ Ron Wood) heute ganz, ganz herzlich Mr. Bundespresident Gauck mit dem Lied: „Ruby Tuesday“, 
  2. Doppelbild des Tages: VERTUMNUS, der Gemüsegott;
  3. Spruch zum Tage von Winnetou, dem Häuptling der Apachen;
  4. Die passende Kalendergeschichte kommt diesmal aus der Gastronomie; 
  5. Vorlesung eines wunderschönen Textes, geschrieben von Christine Nöstlinger und vorgelesen von der Industriedesignerin Beate Artweger [in Hintergrund rauscht gaanz, gaaanz leise die Donau];
  6. Fortsetzungsgeschichte MATA HARI.
  7. Premiere: die erste Schachaufgabe in WiTzels Tagblatt !

= = =

Ton ab für The Corrs und Ron Wood, LIVE aus Dublin mit „Ruby Tuesday“:

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S;=)

Bild des Tages 1

Der Gott des Gemüses: VERTUMNUS

Arcimboldo.
Guiseppe Arcimboldo: Kaiser Rudolf II., porträtiert als VERTUMNUS (1590).

Diese vegetarische göttliche Frohnatur interessierte sich schon auch für Fleisch, aber nicht unbedingt auf dem Teller. Jedenfalls entnehme ich das diesem Schnappschuss des Paparazzo Peter Paul Rubens:
Vertumne_et_Pomone_-_Peter_Paul_Rubens_(1617-1619)_

Rubens: Vertumnus und Pomona (1619). [Abfotografiert im Louvre von Jean-Pol GRANDMONT 2013 – Danke dafür!]

= = =

S;=)

Spruch zum Tage:

Das Wort Vegetarier stammt aus der Indianersprache und bedeutet ursprünglich: zu doof zum Jagen.

WINNETOU im Nachwort zu seinem vierten Band.

= = =

S;=)

Die passende Kalendergeschichte stammt heute aus dem Bereich der Gastronomie:

Herr Ober, soll dieser Salat wirklich für zwei Personen sein?

Aber sicher doch, mein Herr!

Und warum ist nur eine Schnecke drin?

= = =

S;=)

Vorlesung diesmal aus der Wachau: 

http://volkslesen.tv/23-12-sommerspiele-melk-lesen-christine-noestlinger/

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Fortsetzungsgeschichte:

COVER-Mata_Hari

1917

Der Prozess gegen Mata Hari nahm weiter seinen Lauf und ihre früheren Liebhaber versteckten sich. „Am Tag der Kriegserklärung“, sagte Oberst Somprou zur Angeklagten, “haben Sie mit dem Polizeipräsidenten von Berlin gefrühstückt und ihn dann zu seinem Wagen geleitet, umgeben von der aufgeregten Menge.“

Das stimmt“, antwortete Mata Hari. „Den Polizeipräsidenten hatte ich in einem Varieté, wo ich tanzte, kennengelernt. In Deutschland ist die Polizei berechtigt, die Kostüme der Künstlerinnen zu prüfen. Man hatte in den Zeitungen geschrieben, ich erschiene fast nackt auf der Bühne. Infolgedessen wollte der Polizeipräsident meine Aufmachung selbst sehen und begutachten. So lernten wir uns kennen und traten in Beziehungen zueinander.“

Briefmarke.

Sehr richtig“, nickte Oberst Somprou. „Kurz darauf beauftragte Sie der Chef der deutschen Spionage mit einer vertraulichen Mission und schickte Ihnen 30.000 Mark.“

Das stimmt, was die Person und die Summe betrifft“, antwortete Mata. „Dieser hohe Beamte schickte mir genau dreißigtausend Mark, aber nicht als Bezahlung für Dienste der von Ihnen genannten Art, sondern für meine Hingabe. Der Chef der deutschen Spionage war mein Geliebter.“

Das war uns bekannt“, sagte Somprou. „Aber diese Summe erscheint uns, offen gesprochen, maßlos hoch als Geschenk für empfangene Liebe.“

Mir nicht“, schüttelte Mata ihren hübschen Kopf, so dass die dichten dunklen Locken flogen. „Niemals gab mir jemand weniger.“

Umso besser für Sie“, fuhr der Oberst fort. „Von Berlin aus kamen Sie nach Paris, und zwar über Belgien, Holland und England. Was wollten Sie hier?“

Ich wollte vor allem meinen Umzug aus der Villa in Neuilly überwachen“, sprach Mata.

Somprou betrachtete skeptisch erst sie und dann die Akten, die er vor sich liegen hatte. „Unmittelbar danach begaben Sie sich unter dem Vorwand, in einem Feldlazarett helfen zu wollen, für sieben Monate in die Kampfzone.“

Jawohl, in Vittel war ich, aber nicht als Krankenschwester im Lazarett. Ich wollte dort einen russischen Soldaten pflegen, den Hauptmann Masloff.“ Hier musste das Kriegsgericht die Tatsache akzeptieren, dass diese verderbte Bajadere und gewissenlose Kurtisane, die ihre bisherigen Gunstzuwendungen eingestandener­maßen einen „Luxusartikel für närrisch gewordene Millionäre“ nannte, in ihren Beziehungen zu diesem moskowitischen Offizier eine mustergültige Zärtlichkeit bewies. So konnte es in den Polizeiberichten nachgelesen werden.

Major Massard sprach in seinem Prozessbericht von solchen, die so betört oder verblendet waren, dass sie die Schuld Mata Haris anzweifelten. „Solche Zweifel“, betonte er, „sind gänzlich unbegründet.“

Er drehte den Spieß um und wertete ihren lebhaft geäußerten Wunsch, in Verbindung mit Soldaten zu gelangen, als Beweis für ihre moralische Verwerflichkeit und den Hang zur Spionage.

Sie selbst bekannte sich zu dieser persönlichen Vorliebe im Prozess: „Männer, die nicht der Armee angehörten, haben mich nie interessiert. Der Offizier ist in meinen Augen ein höheres Wesen, ein Mann, der beständig ein Heldenleben führt, immer gerüstet gegen alle Abenteuer, gegen alle Gefahren. Wenn ich mich verliebte dann immer in tapfere und zuvorkommende Männer des Heeres, ohne mich darum zu kümmern, welchem Lande sie angehörten, denn für mich bilden die Krieger nun einmal eine besondere Art, hoch über allen anderen Menschen.“

Oberst Somprou, Präsident des Kriegsgerichtes, der als rechtschaffener Soldat den Verhandlungen vorstand, murmelte nach diesen Worten Mata Haris: „Tatsache ist aber doch, dass man Sie seit Ihrer Ankunft in Paris nur in Gesellschaft von Militärs sah. Besonders die Flieger schienen es Ihnen angetan zu haben, was allerdings auf Gegenseitigkeit beruhte, denn diese Männer suchten Sie gern auf und machten Ihnen den Hof. Wie gelang es Ihnen, den Fliegern ihre militärischen Geheimnisse zu entreißen, die sie zu wahren hatten? Das könnten uns wohl nur die Wände Ihres Boudoirs verraten. – Es ist erwiesen, dass Sie dem Feind die Punkte bezeichnet haben, an denen wir Beobachtungsposten aufstellten, um das Vorrücken der Front zu überwachen.“ Seine Stimme klang jetzt hart und metallisch. „Dadurch haben Sie eine große Zahl unserer Soldaten, die Sie angeblich so lieben, in den Tod geschickt!“

Als ich im Feldlazarett den Rittmeister Masloff pflegte, habe ich fortgesetzt mit dem Chef der deutschen Spionage in Holland korrespondiert, das leugne ich nicht“, sagte Mata Hari und bewahrte eine Ruhe bei diesem schweren Schuldvorwurf, die alle Anwesenden verwirrte. „Ich kann doch nichts dafür, dass der Mann diese Funktion ausübte. Niemals habe ich ihm vom Krieg geschrieben oder etwas darauf Bezügliches mitgeteilt.“

Dann kam die Rede des Obersten auf jenen erschossenen belgischen Doppelagenten, durch den sie Ladoux in die Falle ging.

Mata Hari war fälschlicherweise davon ausgegangen, Ladoux’ Liste der belgischen Agenten sei „veraltet“ gewesen. Deshalb habe sie die Namen gegen Geld weitergegeben. Mit dieser Antwort hatte sie ihr Todesurteil ausgesprochen.

Kerzengerade stand sie da in diesem Prozess und fühlte sich nur sichtbar gedemütigt, wenn ihr der Ankläger mit befehlsgewohnter Stimme indiskrete Fragen stellte. Was sie schwer betroffen machte und erregte, das waren hartnäckige Zweifel ihrer Richter, sobald es sich um die erheblichen Summen handelte, die sie sämtlich als Geschenke für ihre Hingabe erhalten haben wollte und nicht als Agentinnenhonorar. Dann wurden ihre Augen sekundenlang hart und hasserfüllt, und sie unterstrich ihre Antworten mit einer groben und verächtlichen Gestik.

Sie hat das alles einstudiert“, flüsterten sich ihre Gegner in diesen Momenten zu. Doch wenn man ihr nur ein bisschen Menschenwürde gönnt und die Szene aufmerksam betrachtet, dann war ihr Verhalten doch sehr authentisch. So ist sie nun einmal gewesen. So war Mata Hari, oder so ist sie jedenfalls geworden. Die Koketterie, mit der sie die Falten ihres Rockes fallen lässt, wenn sie sich auf die Anklagebank setzt, und ihr seltsames Lächeln, mit dem sie manche Punkte der Anklagerede zur Kenntnis nimmt, diese weiblichen Aktionen und Reaktionen bringen den Stadtkommandanten Major Massard und seine militärischen grauen Zellen zur Weißglut.

Immerhin bescheinigt er Mata Haris Auftreten im Kriegsgericht Eleganz und natürliche Anmut: „Sehr groß“ sei sie, „schlank, das Gesicht ein wenig lang und schmal, hatte sie zeitweise eine herbe und unangenehme Miene trotz ihrer schönen stahlblauen Augen und regelmäßigen Züge. In ihrem dunkelblauen Kleid mit spitzem, sehr tiefem Ausschnitt und ihrem dreieckigen, kokett militärisch aufgesetzten Hut entbehrte sie nicht der Eleganz. Doch sie war völlig ohne Grazie, was bei einer Tänzerin überraschen muss. Am meisten Eindruck machte ihr entschlossener Gesichtsausdruck und ihre hohe Intelligenz, von der sie jeden Augenblick Proben gab.“

Wird fortgesetzt.

Am Stück tutti completti, d.h. ganz und gar lesefertig als Kindle Ebook bei Amazon erhältlich, als gedrucktes Buch im DIN-A4-Format (64 Seiten mit vielen Schwarz-Weiß-Abbildungen, Thermobindung), einzeln numeriert, datiert und signiert von Herbert Witzel alias Hermann Syzygos, für 10 EUR + 2 EUR Versand (innerhalb Deutschlands) bei Herbert Witzel, Warthestraße 25, 12051 Berlin, Tel.: 030-693 16 49, <herbert_f_witzel[at]web.de>.

= = =

Kriege sollten nur noch unblutig auf solchen Brettern stattfinden. Mal sehen, wenn der liebe Gott will und wir leben, dann schaffen wir es vielleicht, jeden Dienstag eine

SCHACHAUFGABE anzubieten – Weiß ist dran, Matt in drei Zügen!!!

Aber wie?

schach-1-a
Weiß ist am Zug, wie gesagt. Fragt sich nur, von wo nach wo?

Auflösung morgen.

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