Mittwoch, 12. März 2014 – WiTzels Tagblatt Nr. 35

Mittwoch, 12. März 2014 –

  1. Sonntagsmusik zum Mitmarschieren: „When The Saints Go Marching In“, mit einer ausgesprochen attraktiven Heiligen und Last Not Least Louis Armstrong an Tröte und Gesang;
  2. Bild des Tages ist ein blühender Garten in Giverny, gemalt 1890 von John Leslie Breck, der 1860 auf hoher See an Bord eines Schiffes im Süd-Pazifik geboren wurde;
  3. Spruch zum Tage von Johann Gottfried Herder;
  4. Kalendergeschichte, diesmal über Else Lasker-Schüler in Berlin;
  5. Vorlesung, u.a. Johann Gottfried Herder passenderweise;
  6. Fortsetzungsgeschichte MATA HARI.
  7. Die drei Züge zur Schach-Aufgabenstellung („Schachkomposition“) von gestern – es handelt sich um das von Insidern gerühmte und oft empfohlene Seekadettenmatt im Café de la Regence, Paris 1750.

= = =

Ton ab für den gut gelaunten „Satchmo“ Louis Armstrong:

= = =

S;=)

Das Bild des Tages:

Garten-Breck
John Leslie Breck: Garten in Giverny (1890).

= = =

S;=)

Spruch zum Tage:

Was der Frühling nicht säte, kann der Sommer nicht reifen, der Herbst nicht ernten, der Winter nicht genießen.

JOHANN GOTTFRIED HERDER (1744 bis 1803), deutscher Dichter.

Herder.
Eben derselbe.

= = =

S;=)

Kalendergeschichte:

DIE ZWEI HÄHNE

2 Gockel.

In einem Dorf der Uckermark stritten sich einmal zwei Gockelhähne, von denen man im Reichstag weiß, wie ähnlich sie dem Menschen sind. – Der unterlag, zog sich zurück, bedeckt mit Wunden, verbarg aus Scham sich in des Winkel.

Der andre flog sogleich bis nach Berlin auf Norman Fosters Kuppeldach und krähte, mit beiden Flügeln um sich schlagend. Da holte ihn ein Adler fort vom First und trug ihn weg als Brotzeit; indes der erste strich im Dorf um seine Hennen und flirtete auf Ei komm raus. Die Niederlage war zum Vorteil ihm geworden.

Auch Du, o Mensch, gebärde Dich nicht überheblich, wenn das Geschick Dich über einen andern stellt! Daß klein sie blieben, wurde vielen schon zur Rettung.

ÄSOP (leicht bearbeitet von HeWi).

= = =

S;=)

Vorlesung

http://volkslesen.tv/36-08-senioren-lesen-johann-gottfried-herder/

= = =

Fortsetzungsgeschichte:

COVER-Mata_Hari

Die Waage senkt sich

Mata Haris Intelligenz, energisch und zugleich feinsinnig, zeigte sich während des Prozesses in allen ihren Antworten. Als Oberst Somprou zu ihr sagte: „Nehmen wir an, Sie ahnten tatsächlich nichts von der Bedeutung dessen, was Sie schrieben; aber Sie wussten doch ganz genau, an wen Sie schrieben“, da begriff sie sofort, dass Leugnen zwecklos war. Dann verglich sie sich mit Messalina, allerdings in einem äußerst zynischen Ton. Sie verkündete, alle Liebschaften ihres Lebens vor Hauptmann Masloff seien rein geschäftlicher Natur gewesen, und zwar zu hohen Tarifen.

Auf den Einwand, warum sie sich dann nicht auf Bankiers und Millionäre konzentriert habe, antwortete sie, dass die Reichen nicht immer die freigebigsten seien, und ergänzte: „Wie man die Dinge auch betrachtet, die Offiziere stehen über allen anderen Menschen.“

Der Prozess hatte am 24. Juli 1917 begonnen, fünf Monate nach ihrer Verhaftung, und er dauerte nur anderthalb Tage.

Ihr Anwalt Clunet schaffte es nicht, die Anklagepunkte zu entkräften, sondern versuchte stattdessen, mit gefühlvollen, von sichtbarer Begeisterung für Mata Hari zeugenden Worten für wohlwollende Stimmung zu sorgen, für Good Vibrations zugunsten der Angeklagten. Mit dieser Strategie der Verteidigung war er in seinen früheren Künstlerprozessen erfolgreich gewesen, doch hier war es, juristisch gesprochen, ein Versuch mit tauglichen Mitteln am untauglichen Objekt. Die Militärs hinterm Richtertisch mussten sich das Gähnen verkneifen. Für sie war die Angeklagte eine geschiedene Frau, die mit Männern und Moralvorstellungen genauso locker umging wie als Tänzerin mit ihrem orientalischen Kostüm, das sie nach Bedarf an- und auszog, noch dazu vor Publikum.

Dem Urteil ging eine Anhörung des Untersuchungsrichters Bouchardon voraus, der Mata Hari denn auch als gerissene, zwielichtige Halbweltdame charakterisierte, „deren Sprachkenntnisse, zahllose Verbindungen, beachtliche Intelligenz und angeborene oder erworbene Sittenlosigkeit nur dazu beitragen, sie verdächtig zu machen. Ohne Skrupel und daran gewöhnt, sich der Männer zu bedienen, ist sie der Typ einer Frau, die zur Spionin prädestiniert ist.“

Ein weiterer Vorwurf ging in die Richtung, Mata Hari würde Deutschland bewundern. Erstens sprach sie deutsch – was bei Holländerinnen allerdings öfter vorkam – und zweitens hatte sie ihre Flitterwochen in Wiesbaden statt in Paris oder Venedig verbracht. Außerdem tanzte sie nicht nur vor Sittenstrolchen, sondern auch vor Diplomaten und Offizieren, lud diese gern in ihre Villa ein, nahm genauso gern Geldgeschenke an und verfügte über gute Kontakte zu den Medien, jedenfalls so lange wie sie angesagt war. Sie liebte Männer und das Geld, doch das Geld fühlte sich bei ihr nicht wohl. Deshalb waren ihre privaten Finanzen zeitlebens in Unordnung, trotz der hohen Beträge, die sie einstrich, und Rücklagen hatte sie schon gar nicht. Drum stand sie nach Kriegsausbruch völlig mittellos da, weil einerseits niemand mehr erotische Tempeltänze im Zivilleben sehen wollte und es andererseits noch keine Bunten Abende für Frontsoldaten als Truppenunterhaltung gab. So war sie auf jede finanzielle Unterstützung angewiesen, die Nationalität ihrer Mäzene spielte dabei keine Rolle mehr.

Major Ladoux hätte seine Mitarbeiterin Marthe Richard als Entlastungszeugin benennen können, doch warum sollte er das tun? Ein Standgericht heißt Standgericht, weil es schnell über die Bühne gehen soll. Danach heißt die Parole: „Helm festschnallen, weiter kämpfen!“

Aus der großen Heerschar von Mata Haris früheren Bewunderern, Mäzenen und Verehrern gab es überhaupt nur einen, der bereit war, für sie gutzusagen als Leumundszeuge. Die Identität dieses Helden wurde im Prozess nicht gelüftet, weil seine Person für Frankreich einen hohen politischen Stellenwert besaß. Aller Wahrscheinlichkeit nach handelte es sich um den französischen Botschafter in Madrid, den Mata Hari bei einem ihrer Gastspiele vor dem Krieg kennengelernt hatte. Weil er nur den privaten Charakter seines Kontaktes zu ihr bestätigen konnte, beeinflusste seine Aussage die militärische Urteilsfindung nicht, die sowieso schon längst stattgefunden hat.

Mata Hari ist verloren. Sie weiß es nur noch nicht.

Wird fortgesetzt.

Am Stück tutti completti, d.h. ganz und gar lesefertig als Kindle Ebook bei Amazon erhältlich, als gedrucktes Buch im DIN-A4-Format (64 Seiten mit vielen Schwarz-Weiß-Abbildungen, Thermobindung), einzeln numeriert, datiert und signiert von Herbert Witzel alias Hermann Syzygos, für 10 EUR + 2 EUR Versand (innerhalb Deutschlands) bei Herbert Witzel, Warthestraße 25, 12051 Berlin, Tel.: 030-693 16 49, <herbert_f_witzel[at]web.de>.

= = =

Auflösung der Schachkomposition von gestern (??? Matt in drei Zügen), hier noch mal alles zusammen am Stück:

START

schach-1-a

Weiß opfert mit dem sehr starken Zug 5. Sf3xe5 seine Dame und ignoriert dabei die Fesselung, um das endgültige Matt vorzubereiten.
Die Post geht ab!

Schach 1 Zug zwo.
Neue Stellung.

Nach dem schwarzen Schlagen der weißen Dame mit 5. … Lg4xd1 kommt das Seekadetten-Matt mit den nächsten zwei Zügen angeschippert.

[Der beste Zug für Schwarz wäre hier 5. … d6xe5. Da muss aber erst mal einer drauf kommen! – Nach 6. Dd1xg4 stünde Weiß dann lediglich mit einem Bauern mehr und besserer Entwicklung im Plus.]

Durch 6. Lc4xf7+ wird dem schwarzen König Schach geboten, worauf es „alternativlos“ nur eine Antwort gibt, nämlich 6. … Ke8-e7.

Nach 7. Sc3-d5# sieht es so aus:

Schach Eins - FINIS.
Ende gut, alles gut – für Weiß jedenfalls: Schwarz ist matt.

[Wir bedanken uns bei Wikipedia und schwingen hiermit das Link-Lasso hin zur betreffenden Schachpartie dortselbst.]

So, Freundinnen und Freunde des königlichen Spiels, wenn Gott will und wir leben, dann gibt es hier am kommenden Dienstag die nächste Schachkomposition aufzulösen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s