Dienstag, 18. März 2014 – WiTzels Tagblatt Nr. 40

Dienstag, 18. März 2014
1. Die Tagesmusik heute schenkt uns Nena mitsamt einem – find ich jedenfalls – witzigen Video;
2. Das Bild des Tages [Richard Oelzes „Erwartung“] bildet einen dunklen Gegensatz ab: Was passiert, wenn nichts passiert? Was passiert, wenn sich gar keiner bewegt und niemand kommt oder geht, geschweige denn mitgeht?;
3. Der Spruch zum Tage kommt frei nach Johnny Cash daher;
4. Kalendergeschichte, diesmal ohne Titel, weil sonst die Überraschung weg ist;
5. Vorlesung: „Die Brautprinzessin“;
6. Fortsetzungsgeschichte MATA HARI, Der letzte Tag.
7. Besondere Schmakazie ist am Dienstag die Schachkomposition.
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1. Tagesmusik, Nena mit einem nagelneuen: „Willst du?“ – Ja, ich will jetzt Nena hören und sehen!

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S;=)

2. Bild des Tages

Richard Oelze
Richard Oelze: Die Erwartung (1935/36).

In Braunschweig gab es mal im Lichthof des Städtischen Museums in den 1960er Jahren eine Oelze-Ausstellung und weil das Museum gleich neben meiner Schule lag und der Eintritt frei war, hab ich auf dem Heimweg einen Schlenker gemacht und damals dieses Gemälde in echt bzw. im Original gesehen [Bundespräsident Gauck würde wahrscheinlich „LIVE“ sagen auf O-Ton-€nglisch]. Na, wie auch immer, das Bild hat mich jedenfalls schwer beeindruckt. Trotzdem würde ich mich eher für Nena entscheiden.

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3. Spruch zum Tage:

Manchmal liest sich unser Leben wie eine Fortsetzungsgeschichte verpasster einmaliger Gelegenheiten von gestern. Aber nur Mut – Hauptsache, die Richtung stimmt!

Frei nach JOHNNY CASH.

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S;=)

4. (Kalender-)Geschichte:

Es war einmal ein Mann und eine Frau, die wünschten sich schon lange vergeblich ein Kind, endlich machte sich die Frau Hoffnung, der liebe Gott werde ihren Wunsch erfüllen.
Ubbelohde-1
Die Leute hatten in ihrem Hinterhaus ein kleines Fenster, daraus konnte man in einen prächtigen Garten sehen, der voll der schönsten Blumen und Kräuter stand; er war aber von einer hohen Mauer umgeben, und niemand wagte hineinzugehen, weil er einer Zauberin gehörte, die grosse Macht hatte und von aller Welt gefürchtet ward. Eines Tages stand die Frau an diesem Fenster und sah in den Garten hinab, da erblickte sie ein Beet, das mit den schönsten Rapunzeln bepflanzt war; und sie sahen so frisch und grün aus, dass sie lüstern ward und das grösste Verlangen empfand, von den Rapunzeln zu essen. Das Verlangen nahm jeden Tag zu, und da sie wusste, dass sie keine davon bekommen konnte, so fiel sie ganz ab, sah blass und elend aus. Da erschrak der Mann und fragte: „Was fehlt dir, liebe Frau?“ – „Ach,“ antwortete sie, „wenn ich keine Rapunzeln aus dem Garten hinter unserm Hause zu essen kriege, so sterbe ich.“ Der Mann, der sie lieb hatte, dachte: „Eh du deine Frau sterben lässest, holst du ihr von den Rapunzeln, es mag kosten, was es will.“ In der Abenddämmerung stieg er also über die Mauer in den Garten der Zauberin, stach in aller Eile eine Handvoll Rapunzeln und brachte sie seiner Frau. Sie machte sich sogleich Salat daraus und ass sie in voller Begierde auf. Sie hatten ihr aber so gut, so gut geschmeckt, dass sie den andern Tag noch dreimal soviel Lust bekam. Sollte sie Ruhe haben, so musste der Mann noch einmal in den Garten steigen. Er machte sich also in der Abenddämmerung wieder hinab, als er aber die Mauer herabgeklettert war, erschrak er gewaltig, denn er sah die Zauberin vor sich stehen. „Wie kannst du es wagen,“ sprach sie mit zornigem Blick, „in meinen Garten zu steigen und wie ein Dieb mir meine Rapunzeln zu stehlen? Das soll dir schlecht bekommen.“ – „Ach,“ antwortete er, „lasst Gnade für Recht ergehen, ich habe mich nur aus Not dazu entschlossen: meine Frau hat Eure Rapunzeln aus dem Fenster erblickt, und empfindet ein so grosses Gelüsten, dass sie sterben würde, wenn sie nicht davon zu essen bekäme.“ Da liess die Zauberin in ihrem Zorne nach und sprach zu ihm: „Verhält es sich so, wie du sagst, so will ich dir gestatten, Rapunzeln mitzunehmen, soviel du willst, allein ich mache eine Bedingung: Du musst mir das Kind geben, das deine Frau zur Welt bringen wird. Es soll ihm gut gehen, und ich will für es sorgen wie eine Mutter.“ Der Mann sagte in der Angst alles zu, und als die Frau in Wochen kam, so erschien sogleich die Zauberin, gab dem Kinde den Namen Rapunzel und nahm es mit sich fort.
Rapunzel ward das schönste Kind unter der Sonne. Als es zwölf Jahre alt war, schloss es die Zauberin in einen Turm, der in einem Walde lag, und weder Treppe noch Türe hatte, nur ganz oben war ein kleines Fensterchen. Wenn die Zauberin hinein wollte, so stellte sie sich hin und rief:

„Rapunzel, Rapunzel,
Lass mir dein Haar herunter.“

Rapunzel hatte lange prächtige Haare, fein wie gesponnen Gold. Wenn sie nun die Stimme der Zauberin vernahm, so band sie ihre Zöpfe los, wickelte sie oben um einen Fensterhaken, und dann fielen die Haare zwanzig Ellen tief herunter, und die Zauberin, stieg daran hinauf.
Ubbelohde-2
Nach ein paar Jahren trug es sich zu, dass der Sohn des Königs durch den Wald ritt und an dem Turm vorüberkam. Da hörte er einen Gesang, der war so lieblich, dass er still hielt und horchte. Das war Rapunzel, die in ihrer Einsamkeit sich die Zeit vertrieb, ihre süsse Stimme erschallen zu lassen. Der Königssohn wollte zu ihr hinaufsteigen und suchte nach einer Türe des Turms, aber es war keine zu finden. Er ritt heim, doch der Gesang hatte ihm so sehr das Herz gerührt, dass er jeden Tag hinaus in den Wald ging und zuhörte. Als er einmal so hinter einem Baum stand, sah er, dass eine Zauberin herankam, und hörte, wie sie hinaufrief:

„Rapunzel, Rapunzel,
Lass dein Haar herunter.“

Da liess Rapunzel die Haarflechten herab, und die Zauberin stieg zu ihr hinauf. „Ist das die Leiter, auf welcher man hinaufkommt, so will ich auch einmal mein Glück versuchen.“ Und den folgenden Tag, als es anfing dunkel zu werden, ging er zu dem Turme und rief:

„Rapunzel, Rapunzel,
Lass dein Haar herunter.“

Alsbald fielen die Haare herab, und der Königssohn stieg hinauf.

Anfangs erschrak Rapunzel gewaltig, als ein Mann zu ihr hereinkam, wie ihre Augen noch nie einen erblickt hatten, doch der Königssohn fing an ganz freundlich mit ihr zu reden und erzählte ihr, dass von ihrem Gesang sein Herz so sehr sei bewegt worden, dass es ihm keine Ruhe gelassen und er sie selbst habe sehen müssen. Da verlor Rapunzel ihre Angst, und als er sie fragte, ob sie ihn zum Mann nehmen wollte, und sie sah, dass er jung und schön war, so dachte sie: „Der wird mich lieber haben als die alte Frau Gothel,“ und sagte ja, und legte ihre Hand in seine Hand. Sie sprach: „Ich will gerne mit dir gehen, aber ich weiss nicht, wie ich herabkommen kann. Wenn du kommst, so bringe jedesmal einen Strang Seide mit, daraus will ich eine Leiter flechten, und wenn die fertig ist, so steige ich herunter und du nimmst mich auf dein Pferd.“ Sie verabredeten, dass er bis dahin alle Abend zu ihr kommen sollte, denn bei Tag kam die Alte. Die Zauberin merkte auch nichts davon, bis einmal Rapunzel anfing und zu ihr sagte: „Sag Sie mir doch, Frau Gothel, wie kommt es nur, sie wird mir viel schwerer heraufzuziehen als der junge Königssohn, der ist in einem Augenblick bei mir.“ – „Ach du gottloses Kind,“ rief die Zauberin, „was muss ich von dir hören, ich dachte, ich hätte dich von aller Welt geschieden, und du hast mich doch betrogen!“ In ihrem Zorne packte sie die schönen Haare der Rapunzel, schlug sie ein paarmal um ihre linke Hand, griff eine Schere mit der rechten, und ritsch, ratsch waren sie abgeschnitten, und die schönen Flechten lagen auf der Erde. Und sie war so unbarmherzig, dass sie die arme Rapunzel in eine Wüstenei brachte, wo sie in grossem Jammer und Elend leben musste.

Denselben Tag aber, wo sie Rapunzel verstossen hatte, machte abends die Zauberin die abgeschnittenen Flechten oben am Fensterhaken fest, und als der Königssohn kam und rief:

„Rapunzel, Rapunzel,
Lass dein Haar herunter.“

so liess sie die Haare hinab. Der Königssohn stieg hinauf, aber er fand oben nicht seine liebste Rapunzel, sondern die Zauberin, die ihn mit bösen und giftigen Blicken ansah. „Aha,“ rief sie höhnisch, „du willst die Frau Liebste holen, aber der schöne Vogel sitzt nicht mehr im Nest und singt nicht mehr, die Katze hat ihn geholt und wird dir auch noch die Augen auskratzen. Für dich ist Rapunzel verloren, du wirst sie nie wieder erblicken.“ Der Königssohn geriet ausser sich vor Schmerzen, und in der Verzweiflung sprang er den Turm herab: das Leben brachte er davon, aber die Dornen, in die er fiel, zerstachen ihm die Augen. Da irrte er blind im Walde umher, ass nichts als Wurzeln und Beeren, und tat nichts als jammern und weinen über den Verlust seiner liebsten Frau. So wanderte er einige Jahre im Elend umher und geriet endlich in die Wüstenei, wo Rapunzel mit den Zwillingen, die sie geboren hatte, einem Knaben und Mädchen, kümmerlich lebte. Er vernahm eine Stimme, und sie deuchte ihn so bekannt; da ging er darauf zu, und wie er herankam, erkannte ihn Rapunzel und fiel ihm um den Hals und weinte. Zwei von ihren Tränen aber benetzten seine Augen, da wurden sie wieder klar, und er konnte damit sehen wie sonst. Er führte sie in sein Reich, wo er mit Freude empfangen ward, und sie lebten noch lange glücklich und vergnügt.

* * * ENDE * * *

Das war „Rapunzel“.  Ein Märchen der Brüder Grimm.

Die beiden Illustrationen stammen von Otto Ubbelohde.

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5. Vorlesung:

http://volkslesen.tv/28-09-schachspieler-lesen-william-goldman/

„Die Brautprinzessin“.

6.

Fortsetzungsgeschichte:

COVER-Mata_Hari

Der letzte Tag
Mata Haris Mimik verändert sich allmählich. Ihre Gesichtszüge werden hart und zornig, während die letzten Knöpfe, Schnallen und Schleifen geschlossen werden. „Diese Franzosen“, murmelt sie. „Wenn ich nur wüsste, was es ihnen helfen soll, mich aus der Welt zu schaffen… Ob sie dadurch den Krieg gewinnen? Na, sie werden es ja sehen… Darum also hab ich mich ihretwegen abgerackert, ich, die ich doch gar keine Französin bin.“

Dann ändert sich ihr Tonfall und wechselt vom Selbstgespräch zur Ansprache: „Liebe Schwester Léonide, bitte geben Sie mir mein allerwärmstes Kleid. Ich friere und fühle, dass es heute Morgen richtig kalt wird. Und bitte geben Sie mir doch meine hübschen kleinen Schuhe, ja, die. Gut beschuht zu sein, das war mir immer wichtig.“

Nebenbei pudert sie ganz ruhig ihr Gesicht und sagt unvermittelt ernst: „Ich muss mit dem Pastor sprechen.“

Pastor Darboux, der Gefängnisgeistliche, bittet um etwas Wasser und bekommt einen Blechbecher voll, einen Trinkbecher aus der Gefängnisküche. Damit betritt er die Zelle und bittet die Anwesenden, ihn mit der Verurteilten drei Minuten lang alleinzulassen. Es wird vermutet, dass sie sich taufen lässt. Man weiß es nicht, denn der Pastor schweigt, als er mit nassen Augen aus der Zelle herauskommt, und gibt nur durch einen Wink zu verstehen, dass die anderen wieder eintreten können.

Kerzengerade steht Mata mitten im Raum wie zu einem Empfang. Sie sieht elegant aus in ihrem Kostüm, das so blau ist wie ihre Augen, mit langer weißgesäumter Jacke. Auf dem Kopf trägt sie einen breitkrempigen Hut voller Straußenfedern und zieht sich gelassen ihre Handschuhe über. „Ich bin bereit“, sagt sie fest.

Dann bedankt sie sich bei Dr. Bizard für seine fürsorglichen Mühen und wendet sich der Aufseherin zu: „Ich bin viel gereist, liebe Schwester Léonide! Nun gehe ich auf meine letzte Reise zu dem großen Bahnhof, bei dem es keine Retour gibt. Liebe kleine Mutter, sehen Sie mich an und machen Sie es wie ich: Weinen Sie nicht!“

Der Hauptmann nähert sich und fragt, ob sie noch etwas zu sagen habe.

Nein, nichts“, sagt sie und ergänzt trocken: „Selbst wenn ich noch etwas zu sagen hätte, würde ich es für mich behalten, wie Sie sich vielleicht denken können.“

In den französischen Strafgesetzen des Code penal, Buch I, Kapitel 1, Absatz 27, heißt es: „Wenn eine zum Tode verurteilte Frau erklärt und es sich als wahr erweist, dass sie schwanger ist, darf sie der Strafe erst nach ihrer Entbindung verfallen.“ Deshalb stellt der Hauptmann die letzte Frage, ob sie sich für schwanger halte.

Bedaure, nein“, lächelt sie. Es existiert das Gerücht, ihr Anwalt Clunet habe als letzten Ausweg diese Frage noch auf dem Richtplatz dazwischen gerufen, doch dies gehört zu den vielen Legenden, die sich um Mata Haris Lebensende ranken.

Wird fortgesetzt.

Am Stück tutti completti, d.h. ganz und gar lesefertig als Kindle Ebook bei Amazon erhältlich, als gedrucktes Buch im DIN-A4-Format (64 Seiten mit vielen Schwarz-Weiß-Abbildungen, Thermobindung), einzeln numeriert, datiert und signiert von Herbert Witzel alias Hermann Syzygos, für 10 EUR + 2 EUR Versand (innerhalb Deutschlands) bei Herbert Witzel, Warthestraße 25, 12051 Berlin, Tel.: 030-693 16 49, <herbert_f_witzel[at]web.de>.

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7. Die Schachkomposition für diesen Dienstag:

2. Schachkomposition
Weiß ist am Zug.

In zwei Zügen matt – Auflösung morgen!

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3 Gedanken zu “Dienstag, 18. März 2014 – WiTzels Tagblatt Nr. 40

  1. Alles Beschiss! Nun will ich endlich mal wieder Nena hören, klicke auf das Bild, und was passiert? Nichts! So starte ich heute äußerst verärgert in den Tag.   Mit zerknirschten Grüßen Holger  

    • Das verstehe ich nicht, Holger. Von meinem PC aus funktioniert das einwandfrei:

      Tut mir leid. Ich wollte Dir nicht den Tag versauen und hoffe, Nena trällert Dir doch noch was vor über diese Links. Hier ist noch einer, ohne Bild direkt zu YouTube:

      Mit verblüfften Grüßen, Herbert

      PS: Das Programm oder wer auch immer stellt nur einen einzigen Link dar, sehe ich jetzt.

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