Freitag, 21. März 2014 – WiTzels Tagblatt Nr. 43

Feitag, 21. März 2014

  1. Tagesauftakt mit einem flotten ELVIS-Duett;
  2. Bild für Freitag, passend zum Wetter – hoffentlich: Der Weg  ins Paradies;
  3. Spruch zum Tage von JW Goethe;
  4. Kalendergeschichte, diesmal BY ME, wie Shakespeare schreiben würde, d.h. verdolmetscht: von mir selbst;
  5. Vorlesung, Gregor Gysi liest Goethe;
  6. Steckbrief: Eine Christin, die Krimis schrieb.

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1. Ton ab für The King And His Lovely Lady:

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S;=)

2. Bild des Tages: Heute scheint hoffentlich die Sonne, jedenfalls schien sie gestern. Deshalb klettern wir alle langsam aus unserem Winterfell selbst dann, wenn wir grundsätzlich keinen Pelz tragen. Dazu fällt mir die Geschichte ein mit den Nerzweibchen: Was machen die Nerzweibchen, wenn sie Junge bekommen wollen? – Dann machen sie das gleiche, was unsere Frauen machen, wenn sie einen Nerz haben wollen, richtig.

Aber nun zum Bild:

Dierck Bouts
Dierick Bouts, Dirck Bouts, Dirk Bouts, Thierry Bouts,
Meester van de Parel van Brabant, Dieric Bouts the Elder (1420 bis 1475): Der Weg ins Paradies (1450).

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S;=)

3. Spruch zum Tage:

Weil ich doch nun einmal die
Schwachheit für die Weiber
haben muß, will ich sie lieber
für Sie haben als für eine
Andere.

JOHANN WOLFGANG von GOETHE an Frau von Stein.

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S;=)

4. Kalendergeschichte aus dem neuen „Neuköllner Dschungel“, der Zeitschrift für Kiez und Kultur:

No-Go-Areas und Area To Go

Vorhin mache ich mich vom Neuköllner Woolworth aus auf den Heimweg längs die Hermannstraße lang in Richtung Wartheplatz „per pedes apostolorum“, wie die Akademiker sagen das heißt verdolmetscht „auf Apostelfüßen“ , weil zwischen Boddinstraße und Hermannstraße die U-Bahn derzeit nicht fährt.

An der nächsten Straßenecke mit Fußgängerampel findet gerade ein Polizei-Einsatz statt wegen irgendwas. Als ich näher komme, sehe ich, da ist ja gar kein Verbrechen oder Auto-Crashtest passiert, sondern die Polizisten bilden einen schützenden Ring um Rettungssanitäter, die einen orangenen BSR-Mann für den Krankentransport auf der Bahre vorbereiten. Wie ich mitkriege aus den Äußerungen redseliger Frauen, ist der Straßenfeger bei seiner Arbeit so unglücklich gestürzt, dass er sich dabei den Schädel völlig aufgeschlagen hat. Es gibt in Berlin wahrlich genug Tretminen, auf denen ein Fußgänger ausrutschen kann, aber das will ich hier nicht zum Thema machen.

Foto: LA.
Unsere Hermannstraße – wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten. Foto: LA.

Ich wurde „durch die normative Kraft des Faktischen“, wie die Akademiker sagen das heißt verdolmetscht soviel wie: „durch das Leben und die gesetzgebende Wirklichkeit“ dran erinnert, dass in bestimmten Gegenden unserer Landeshauptstadt die Rettungskräfte nur noch unter Polizeischutz tätig werden. Das kann ich verstehen. In der Vergangenheit hat es genug „normative Kraft des Faktischen“ gegeben, wenn zusammengeführte arabische „Großfamilien“ oder afrikanische „Asylbewerber“ auf Sanitäter oder Feuerwehrleute losgegangen sind mit der Hemmungslosigkeit, die sie von zu Hause mitgebracht haben. Das verstehe ich ebenfalls, denn wir benehmen uns im Urlaub auf dem „Ballermann“ auch anders als daheim und lassen dann gern die wilde Sau raus.

Was ist zu tun?

Am besten ist ein Erholungs-Kurzurlaub im Regierungsviertel. Dieses Viertel gehört zu den Gegenden, wo bei Gefahr im Verzuge die Berliner Polizei sofort auf der Matte zu stehen hat, sonst kriegen ihre hohen Tiere großen Ärger mit den noch höheren Tieren auf der Orwell-Farm. In diesem gut gepflegten Viertel gibt es keine Dresche für den Sanitätsgefreiten Neumann, sondern ein Hoch – wir erinnern uns: „…ein dreifach Hoch dem Sanitätsgefreiten Neumann,/der, schon lang ist’s her,/den Autoreifen hat erfunden!/Früher blieb man auf der Strecke,/Gummi gab’s für andre Zwecke./Heute wendet jedermann/Neumanns Autoreifen an.“

Hier in diesem Planquadrat werden weder Autos abgefackelt noch kriegen Kinder Rauschgift oder Schläge angeboten, wenn sie aus der Kita kommen. Allerdings dürfen wir jetzt nicht übermütig werden, liebe Leserinnen und Leser, und etwa gar auf den Gedanken verfallen, wir könnten dort unsere eigenen Kinder betreuen lassen oder gar die eigene Staatskarosse auf einem geschützten Parkplatz abstellen. Schließlich leben wir in einem Rechtsstaat und in einer parlamentarischen Demokratie, da sind solche geschützten Lebensräume nur für wirklich wertvolle Menschen mit wirklich wertvollen Dienstwagen und wirklich wertvollen Kindern vorgesehen.

Wir dürfen dort aber immerhin den Bürgersteig benutzen, deswegen heißt er ja auch so. Hin und wieder mache ich auf diesem Bürgersteig selber gern einen Spaziergang und genieße die ungewohnte gefühlte Sicherheit. Leider gibt es diese Sicherheit nicht als „Safety To Go“ zum Mitnehmen und mit Platziert werden sieht es vor Ort auch eher schlecht aus. Sämtliche Büros, Dienstwohnungen und Gästezimmer sind schon reserviert. Sogar im Schloss Bellevue, wo die Mieter regelmäßig wechseln, ist zur Zeit jedenfalls gerade nix frei für Neuköllner zum Einziehen. Dabei ist doch so viel Platz in Deutschland, wie Bundespräsident Gauck gestern den Indern erzählt hat, aber eben nicht für alle und nicht überall.

Doch für einen Spaziergang, wie gesagt, kann ich diese Area To Go uneingeschränkt weiterempfehlen. Noch besser wird es, wenn Bundespräsident Gauck dort das Begrüßungsgeld wieder einführt, an das er sich noch sehr gern erinnert, wenn er von „Willkommens-Kultur“ spricht.

Schloss Bellevue.
Schloss Bellevue – auch nachts so sicher und gut ausgeleuchtet wie am Tage. Foto: Wikipedia.

Herbert Witzel

Wenn Sie denn noch mehr von mir lesen wollen, dann empfehle ich heute das „Café Milath“.

Cover-Café-Milath.
Herbert Witzel: „Café Milath“, eine Geschichte aus Berlin; 112 Seiten.

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5. Vorlesung

http://volkslesen.tv/29-09-linke-lesen-goethe/

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6. Steckbrief – Gesucht: Eine Christin, die Krimis schrieb

„Hinter jedem starken Mann steht eine schwache Frau“, behauptet eine Bauernregel, und tatsächlich, trau, schau, wem: Hinter jenem scharfzüngigen Freizeitschnüffler, welcher in dem Kriminalroman „Ein Toter zu wenig“ das Licht unserer literarischen Welt erblickte, verbarg sich als Schöpferin eine zarte Pfarrerstochter in ihrer von Katzen mitbewohnten Schreibwerkstatt. Dort türmte sich ein geniales Chaos von Papierstapeln und Büchern zuhauf, aus denen Fasanenfedern als Lesezeichen hervorlugten.

Krimi

Wenn jener weltgewandte aristokratische Hobbydetektiv gerade mal nicht mit dem Aufklären spektakulärer Fälle beschäftigt ist, dann fahndet er in Auktionskatalogen nach den kostbaren Erstausgaben rarer Druckwerke oder lässt sich ein erlesenes, mit Kennerwissen ausgewähltes Weinchen schmecken. Er hat übrigens immerhin siebzehn Romane und Anthologien als Markenzeichen der Autorin erfolgreich durchlebt.

So, das waren ihre starken Krimis – reden wir jetzt mal ganz unkavalleresk von den Schwächen und Wehwehchen der Gesuchten: „Die Leidenschaft, Gedichte zu übersetzen, ist eine angeborene Krankheit. Ich habe ein Leben lang an ihr gelitten.“ Auffälliges Symptom dieser Krankheit ist ihre leider unvollendete Übertragung der „Göttlichen Komödie“. Selbige wird alle ein bis zwei Jahre in drei Bänden als Penguin-Taschenbuch neu aufgelegt und ist die meistverbreitete Dante-Übersetzung überhaupt.

Göttliche Komödie.
Dante und seine „Göttliche Komödie“.

Für die ehrwürdige BBC verfasste sie den Zwölfteiler: „Zum König geboren“, eine für 1943 aufregend neue Darstellung der „Old Time Religion“. Dieser Zyklus fand zwar nicht bei allen Frommen, aber bei den meisten Hörerinnen und Hörern daheim begeisterte Zustimmung. Die Gesuchte zählte zu den ersten Frauen, die in Oxford ihre Magisterprüfung ablegen konnten.

„Unser Handwerk ist es, Geschichten zu erzählen“, schrieb sie. „Es ist das einzige Handwerk, das wir verstehen. Wir haben getan, was wir konnten; möge der Meister aller Handwerker selbst das Beste daraus machen.“

HERBERT  WITZEL

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AUFLÖSUNG MORGEN.

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