Sa=Sonnabend, 22. März 2014 – WiTzels Tagblatt Nr. 44

Sonnabend, 22. März 2014

  1. Tagesmusik zur Männerfrage: „WARUM?“;
  2. Bild des Tages zur Frauenfrage;
  3. Spruch zum Tag von Dorothy L. Sayers;
  4. Kalendergeschichte, diesmal zum Thema: „mir“ und „mich“;
  5. Vorlesung, Ingeborg Bachmann;
  6. Auflösung des Steckbriefes von gestern.

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1. Ton ab für „Weil ich ein Mädchen bin“:

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S;=)

2. Bild des Tages (Künstlerin unbekannt):

Sayers-Women
Titelbild zweier Aufsätze von Dorothy L. Sayers zur Frage: „Sind Frauen auch Menschen?“

Nun denn, im Kulturkreis jener Eroberungs-Religion, die wir weder beim Namen nennen noch kritisieren dürfen, weil „unsere“ Politiker keinen Ärger haben wollen, während sie „ihren“ €uro retten, also in jenem Kulturkreis sind Frauen immerhin Menschen zweiter Klasse, die nach einer Vergewaltigung wegen Unzucht gesteinigt werden dürfen und ansonsten in schwarzen Säcken mit Sehschlitzen herumzulaufen haben. Hierzulande ist inzwischen für Frauen aus jenem Kulturkreis die Todesstrafe wieder eingeführt worden, und zwar steht sie auf Integration (sog. „Ehrenmord“).

In unserem abendländischen Kulturkreis halten wir es mit Dylan Thomas, der vor Freude strahlend ausrief:

Ich liebe die Menscheit, besonders die Frauen!

Sie haben es übrigens auch nicht anders verdient, deshalb hier noch ein extra Blumenstrauß für Euch, Mädels!

Blumenstrauß.

Wem das an Bildern für diesen Tag noch nicht reicht, dem empfehlen wir dieses Book By Pictures bzw. diesen Bildband als Ergänzung:

BANKSY in Neukölln.
Foto: „Kunstfenster W64“, Warthestraße 64, 12051 Berlin – Neukölln, Germany, €USA (gestaltet von Herbert Witzel 2011).

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S;=)

3. Spruch zum Tage:

Keine Macht der Welt kann eine fortschrittliche Frau fortgeschrittenen Alters im Zaum halten.

DORTOHY L. SAYERS (siehe auch unter „Auflösung des Steckbriefes von gestern“).

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S;=)

4. Kalendergeschichte:

Das Echo vom Mehringplatz

Diesen kreisförmigen Platz gibt es schon seit Urberliner Zeiten. Zuallererst hieß er „das Rondell“ und alle wussten, das Rondell gibt es nur einmal, det is vor det Halleschen Tor. Als dann Napoleon, Vorläufer der €U, bei Waterloo so viel auf die Europakopf-Mütze bekam, dass er sie nicht mehr aufsetzen konnte, wurde der Platz in Belle-Alliance-Platz umbenannt, um daran zu erinnern. Die Orte Belle Alliance und Waterloo lagen zusammen wie Berlin und Cölln.

Als dann die Franzosen als Alliierte nach Berlin einrückten, weil die anderen Alliierten den Krieg gewonnen hatten, da mochten sie an diese Niederlage nicht mehr denken und befahlen die offizielle Umbenennung in Mehringplatz.

So war das. Und weil es diesen Platz schon so lange gibt, hat sich dort ein Echo eingenistet. Von diesem Echo wurde den Kindern erzählt, meistens von den Großeltern, die es denn auch gleich vorführten, sich mitten auf den Platz stellten und lauthals riefen:

„Wie heißt der Bürgermeister von Wesel?

Das Echo antwortete quicklebendig:

Esel!

Weil das Echo deutschsprachig und einheimisch war, wurde es von den Kreuzberger Grünen zwar gerade mal noch so geduldet und nicht wegtolerrorisiert, aber im Kreuzberg-Museum am Kottbusser Tor bekam es keinen Platz, denn es war weder 1848 noch 1968 dabei gewesen. Und es gab auch ein Gerücht, dieses Echo würde einem immer die Wahrheit ins Gesicht sagen. Deshalb ist es in Berlin so gut wie vergessen eigentlich – außer von mir. Aber wann braucht man schon ein solches Echo heute?

Na gut. Eines Tages aber, als ich 16 oder 60 wurde, das weiß ich heute nicht mehr so genau, kam ich in die Pubertät, erlebte mein heterosexuelles Coming Out, verknallte mich bis über beide roten Ohren und war mir aber überhaupt nicht sicher, ob meine Gefühle denn wohl auch erwidert wurden. Verzweifelt stellte ich mich auf den Mehringplatz, machte eben jene roten Ohren ganz weit auf und fragte laut:

Liebt Susanne mich?

Und das Urberliner Echo antwortete:

Ne, mir!

Damit ist die Geschichte aus und wir kommen zum Zugabenteil:

Ein Wiener in Berlin

Beim Urberliner Konditor Thürmann arbeitete ein tüchtiger Geselle, der aus Wien stammte, jenem schönen Hauptstädtchen von Österreich-Ungarn, wo der grüne Veltliner zu Hause ist. Dieser Geselle arbeitete treu und zuverlässig, war pünktlich und ehrlich und das gefiel seinen Meister. Genauso gefiel dem alten Rabien, dass der fleißige Wiener ein Auge auf die Tochter des Hauses Thürmann geworfen hatte. Weil der Wiener so gut arbeitete, hoffte Konditor Thürmann einen Nachfolger in dem Gesellen gefunden haben. Jedenfalls wäre er froh, wenn sich die Dinge so entwickelten, wollte eines Abends diesbezüglich auf den Busch klopfen und lud den Gesellen zu einem Glase Wein ein, allerdings nicht zu einem Grünen Veltliner, wie ihn Hermann Hesse gerne trank, sondern lieber zu einem Grauburgunder, wie ihn Gerhard sich schmecken ließ, wenn im Bundeskanzleramt der Feierabend eingeläutet war.

Dabei entstand folgende Zwiesprache:
Berliner: „Wollen Sie mir Ihren Vater nennen?“ – Wiener: „Mein Vater heißt Franz Meisel.“ – Berliner: „Aber nicht doch, ick will Ihnen mein Sohn nennen.“ – Wiener: „Ich wusste ja gar nicht, dass Sie noch einen Sohn haben. Bis jetzt kenne ich nur Ihre Tochter Sarah.“ – Berliner: „Nu verstehn Se doch. Sie sollen mir Ihren Schwiegervater nennen.“ – Wiener: „Meinen Schwiegervater? Ich bin doch noch ledig.“ – Berliner: „Na jrade deshalb! Drum will ick Ihnen ja meinen Schwiegersohn nennen.“ – Wiener: „Wer ist denn Ihr Schwiegersohn, Meister Thürmann?“ – Berliner: „Kurz und jut: Wollen Sie meine Tochter heiraten oder nich?“ – Der Wiener strahlte über alle vier Backen:

Warum haben Sie das denn nicht gleich gesagt?

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5. Vorlesung http://volkslesen.tv/29-10-streicher-lesen-ingeborg-bachmann/

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6. Auflösung des Steckbriefes von gestern: Eine Christin, die Krimis schrieb

Dorothy Sayers

Gesucht wurde Dorothy L. Sayers (1893 bis 1957). Berühmt wurde sie durch ihre Kriminalromane mit dem aristokratischen Amateurdetektiv Lord Peter Wimsey.

Gedenktafel D. Sayers
Gedenktafel für Dorothy L. Sayers in Bloomsbury, London, am Haus 23 & 24 Gt. James Street.

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