Freitag, 11. April 2014 – WiTzels Tagblatt Nr. 61

Freitag, 11. April 2014

 

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Ton ab für LARRY NORMAN und „The Tune“:

 

Das passt deshalb, weil wir diese Story übernommen und übertragen haben ins Rixdorfer CAFÉ FANTASY – siehe Fortsetzungsgeschichte.

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S;=)

Bild des Tages:

Gustav Klimt
Gustav Klimt: Die Hoffnung (1908).

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Spruch zum Tage:

Alle Menschen, ausgenommen die Damen, spricht der Weise, sind mangelhaft.

WILHELM BUSCH.

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Kalendergeschichte:

Ein Rothschild ist gestorben. In dem riesigen Beerdigungszug entdeckt die Reporterin von Radio Rixdorf einen mittelalterlichen Juden mit Schläfenlocken und Kippa, der weint und schluchzt und weint und schluchzt, dass Gott erbarm. – Sie nähert sich dem guten Mann mit ihrem Mikrofon und fragt voller Mitgefühl: „Sie trauern so tief, gehören Sie zur Familie Rothschild?“ – „Nein“, schüttelt der Mann schluchzend den Kopf, „ich weine und trauere, weil ich nicht zur Familie Rothschild gehöre.“ –

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Vorlesung http://volkslesen.tv/52-12-lesen-banker-christian-morgenstern/

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Fortsetzungsgeschichte CAFÉ FANTASY:

Was zuletzt geschah: Auf dem Kühlschrank lag, eingeschlagen in weinrotes Packpapier, dieses Buch, in das Nadia immer reingepeilt hatte, wenn nichts zu tun und zu reden war.
Das CAFÉ FANTASY gähnte so leer wie Urs Bergners Postscheckkonto. Urs schlug den Schmöker mal kurz verstohlen auf, etwas weiter hinten wie beim Krimi, und er las: „Mein Lieber, ich will, dass es dir in allen Dingen gut geht und du gesund bist, so wie es deiner Seele gut geht.“

Weiter geht’s:
Und dann ging die Tür und klingelte dabei auf eine Art, wie Urs Berner es noch nie zuvor gehört hatte. Normalerweise machte die Eingangstür beim Öffen RINGlingLING wie eine Registrierkasse und kündigte damit den nächsten Gast bzw. Kunden und Umsatzbringer an. Doch dieses Mal war statt des Kassengeklingels eine wunderbare Melodie erklungen und verklungen, so wunderbar wie nicht von dieser Welt.
Urs sprang auf, legte Nadias Buch zurück auf den Kühlschrank und lief hinter den Tresen. Und dann stand da auf der Gäste- und Kundenseite dieser blonde Langhaarige mit seinem schrägen „No-Problem“-Grinsen.
„Was war da-da-da-das?“, stotterter Urs verdattert und zeigte auf den elektrischen Klingelkontakt am oberen Rand der Eingangstür.
„Es war die Melodie dieses Liedes, das in allen Dingen schläft“, sagte der Ami. „Früher kannten alle das Lied und die Melodie auswendig, aber dann hörte das Singen auf und die Melodie geriet unter die Räder. Je mehr Zeit verging, desto mehr Noten, Töne und Harmonien wurden vergessen, bis irgendwann gar keiner mehr Bescheid wusste, wie die Melodie ging.
Schließlich konnte sich niemand mehr an eine Harmonie erinnern. Hass brach aus und Krieg und Tod.
Dann hielt man das nicht mehr aus. Irgendwann fragte ein Herr Irgendwer: >Wie ging noch mal diese Melodie mit den Harmonien?<
>Welche Melodie und welche Harmonien?<, fragten die Philosophen und antworteten gleich selber: >Es gibt gar keine Melodie. Es gab auch nie Harmonien. Das ist alles nur Wunschdenken und Einbildung und beruht auf einem längst überwundenen Missverständnis.“ So sahen es jedenfalls die Philosophen.
>Ihr glaubt also wirklich, es gibt überhaupt gar keine Melodie?<, fragte Irgendwer.
>Nun denn, es ist doch ganz egal, was du für Melodien von dir gibst. Du musst nur lange genug Geräusche machen, dann klingt das schlussendlich schon irgendwann irgendwie zusammen.< Diese Antwort gaben die Religionsbosse.
Also spuckte die Welt weiter alle möglichen Töne und statt Harmonie herrschte Hass. Kriege brachen aus. Man sang ganz laut: >Und willst du nicht mein Bruder sein, dann schlag ich dir den Schädel ein!<
Aber eines Tages waren die Leute es leid, dieses Lied zu brüllen, und sie setzten sich alle hin an einen Berghang.
Plötzlich hörten sie eine völlig ungewohnte Stimme und Irgendwer rief überrascht: >Das klingt ja wie die Melodie des Liedes, das in allen Dingen schläft!<
>Es gibt gar keine Melodie<, kam die Gegenrede von links. >Es gab keine und wird auch nie eine geben.<
>Nun denn, es ist doch ganz egal, was du für Melodien von dir gibst<, kam die Gegenrede von rechts. >Es gibt keine Ur-Melodie. Du musst nur lange genug Geräusche machen, dann klingt das schlussendlich schon irgendwann irgendwie zusammen. Und du darfst niemandem weh tun, besonders mir und uns nicht.<
Aber die Leute lauschten weiter dieser ungewohnten Stimme trotz aller Gegenreden. Und auf einmal erschien vor ihnen ein Mann mit lächelndem Gesicht und gleichzeitig tiefen traurigen Augen. Und er sang diese Meldie und das Lied wurde langsam wach in allen Dingen und Herr Irgendwer und noch ein paar andere Leute fingen an und sangen mit — erst zaghaft, aber dann aus vollem Herzen.“
Da fing der Blonde unverhofft an zu trällern, nur „La, la, la“ und sonst gar nichts, und er traf genau diese Melodie mit ihren wunderbaren Harmonien, die Urs Bergner vorhin klingen und verklingen gehört hatte.
Dann hörte er auf zu trällern und erzählte weiter: „Leute, die ihn mochten, folgten ihm. Doch die, die ihn hassten, beschlossen, diesen Menschen zum Schweigen zu bringen — gründlich und für immer.
Das taten sie.
Als sie es vollbracht hatten, kehrten sie zurück in ihre Versammlungshäuser der Philosophien, Ideologien und Religionen, um ein Siegesfest zu feiern. Sie setzten sich zusammen an feierlich gedeckte Tische und aßen und tranken und ließen es sich schmecken.
PLÖTZLICH gab es einen Schnitt in ihrem Film, denn sie hörten eine vertraute Stimme. Alle sprangen auf, rannten zum nächsten Fenster und schauten nach draußen, um zu sehen, wo die Stimme herkam, denn der Mann, den sie getötet und zum Schweigen gebracht hatten, konnte es doch unmöglich sein.
ER WAR ES.
Das machte sie ganz verrückt und ängstlich und sie überlegten, wie sie ihn denn nun endlich loswerden könnten, ein für allemal. Und während sie ihn noch beobachteten, passierte etwas sehr Seltsames.
>Wie hat er das gemacht?<, flüsterte jemand.
>Ich weiß es auch nicht, jedenfalls nicht wirklich<, antwortete jemand anderes.
>Auf alle Fälle ist er jetzt weg<, fasste ein Dritter zusammen. >Und wenn ein Problem verschwindet, dann will doch keiner das Wie? und Wohin? wissen. Ich hoffe, dass er niemals jemals wiederkommt.<
Aber dann wurden sie schon wieder unterbrochen bei ihrer Feierei. Diesmal rannten sie hinaus auf die Straße, um ihn festzunehmen. Aber sie fanden ihn nicht.
Da stand nur eine Gruppe von Leuten draußen, die übers ganze Gesicht strahlten. Und sie alle kannten die Melodie auswendig.“
Wieder fing der Blonde an zu trällern: „La, La, La.“
Urs wurde von einer unbändigen Lust gepackt, einfach mitzusingen, doch er traute sich nicht. Er sah lieber nach der Eismaschine.
„Und wenn die Menschen sich versangen“, erzählte der Blonde weiter, „dann schwiegen sie und lauschten in die Stille hinein. Dadurch fanden sie die Melodie wieder, weil sie lauschten und Ohren zum Hören hatten.“ Er wandte sich an Urs. „Wenn du die Ohren aufmachst, dann erkennst du auch eine Melodie. Sie ertönt überall im Radio und im Fernsehen. Du hörst sie von den Führern, den Herrschern, den Regierungen und Verwaltungen.“
Er machte eine Pause.
„Doch wenn du ganz genau hinhörst und dabei still bist, dann erkennst du noch eine ganz andere Melodie, nämlich dieses Lied, das in allen Dingen schläft. Wenn du diese Melodie nicht jeden Tag einmal hörst, dann vergisst du sie wieder. Also hör jeden Morgen gut hin.“ Und dann trällerte er wieder „La, La, La“ und wanderte am Tresen lang zur Tür, vorbei an Urs und der Eismaschine, und schon war er draußen und die Tür ließ noch ein letztes Mal diese Melodie erklingen und dann kam Nadia rein und rief: „Das war Larry Norman, von dem Paul McCartney gesagt hat, er könnte einer der größten Stars der Welt sein, wenn er nicht von Jesus singen würde!“
„Selber schuld“, brummte Urs und sah Nadia zu, wie sie ihr weinrotes Buch vom Kühlschrank nahm, „und tschüss“ sagte und schon wieder weg war, bevor er zu sich kam.

Wird fortgesetzt. Es kommt noch besser – bald geht die Sache weiter.

 

 

 

 

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Ein Gedanke zu “Freitag, 11. April 2014 – WiTzels Tagblatt Nr. 61

  1. Pingback: Freitag, 16. Mai 2014 – WiTzels Tagblatt Nr. 86 | Herbert Witzel

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