Dienstag, 15. April 2014 – WiTzels Tagblatt Nr. 64

Dienstag, 15. April 2014 – WiTzels Tagblatt Nr. 64

Ab morgen sind erst mal Osterferien bis zum Dienstag nach Ostern!

  1. Tagesmusik THE BREW; 2. Bild des Tages: Francisco de Zurbaran; 3. Spruch zum Tage von Bette Davis; 4. Kalendergeschichte, diesmal Heinrich von Kleist; 5. Vorlesung Irina Liebmann; 6. fällt aus.

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1. Anbei THE BREW als Musik zum Dienstag, ein besonders bemerkenswertes Trio, weil da Vater (Bass) und Sohn (Schlagzeug) zusammen spielen. Und der Clip „Trouble Free“ ist auch hip hipp  hurra:

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„Trouble Free“ heißt soviel wie „mühelos“, „problemlos“.

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S;=)

2. Bild des Tages:

Zurbaran
Francisco de Zurbaran: Die heilige Margarete von Antiochien (1635).

Das ist ein wunderschönes Bild, hier noch einmal im Detail:

Detail-Zurbaran

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S;=)

3. Spruch zum Tage:

Fernsehen ist fabelhaft. Man bekommt nicht nur Kopfschmerzen davon, sondern erfährt auch gleich in der Werbung, welche Tabletten dagegen helfen.

BETTE DAVIS.

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S;=)

4. Kalendergeschichte von unserem Gastautor HEINRICH VON KLEIST:

(Ist zwar etwas länger, aber das Lesen lohnt sich.)

Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden

TEIL EINS

Spitzweg-Paulus
Carl Spitzweg: Der Apostel Paulus (1848, Kopie nach Rembrandt).

 

Wenn du etwas wissen willst und es durch Meditation nicht finden kannst, so rate ich dir, mein lieber, sinnreicher Freund, mit dem nächsten Bekannten, der dir aufstößt, darüber zu sprechen. Es braucht nicht eben ein scharfdenkender Kopf zu sein, auch meine ich es nicht so, als ob du ihn darum befragen solltest: nein! Vielmehr sollst du es ihm selber allererst erzählen. Ich sehe dich zwar große Augen machen, und mir antworten, man habe dir in frühern Jahren den Rat gegeben, von nichts zu sprechen als nur von Dingen, die du bereits verstehst. Damals aber sprachst du wahrscheinlich mit dem Vorwitz, andere [zu belehren] – ich will, daß du aus der verständigen Absicht sprechest, dich zu belehren, und so können, für verschiedene Fälle verschieden, beide Klugheitsregeln vielleicht gut nebeneinander bestehen. Der Franzose sagt, „l’appétit vient en mangeant“ [= „der Appetit kommt beim Essen“], und dieser Erfahrungssatz bleibt wahr, wenn man ihn parodiert und sagt, „l’idee vient en parlant“ [= „der Gedanke kommt beim Reden“].

Spitzweg-Das Picknick.
Carl Spitzweg: Das Picknick (1868).

Oft sitze ich an meinem Geschäftstisch über den Akten und erforsche in einer verwickelten Streitsache den Gesichtspunkt, aus welchem sie wohl zu beurteilen sein möchte. Ich pflege dann gewöhnlich ins Licht zu sehen, als in den hellsten Punkt, bei dem Bestreben, in welchem mein innerstes Wesen begriffen ist, sich aufzuklären. Oder ich suche, wenn mir eine algebraische Aufgabe vorkommt, den ersten Ansatz, die Gleichung, die die gegebenen Verhältnisse ausdrückt, und aus welcher sich die Auflösung nachher durch Rechnung leicht ergibt. Und siehe da, wenn ich mit meiner Schwester davon rede, welche hinter mir sitzt und arbeitet, so erfahre ich, was ich durch ein vielleicht stundenlanges Brüten nicht herausgebracht haben würde. Nicht, als ob sie es mir, im eigentlichen Sinne, sagte; den sie kennt weder das Gesetzbuch noch hat sie den Euler oder den Kästner studiert. Auch nicht, als ob sie mich durch geschickte Fragen auf den Punkt hinführte, auf welchen es ankommt, wenn schon dies letzte häufig der Fall sein mag. Aber weil ich doch irgendeine dunkle Vorstellung habe, die mit dem, was ich suche, von fern her in einiger Verbindung steht, so prägt, wenn ich nur dreist damit den Anfang mache, das Gemüt, während die Rede fortschreitet, in der Notwendigkeit, dem Anfang nun auch ein Ende zu finden, jene verworrene Vorstellung zur völligen Deutlichkeit aus, dergestalt, daß die Erkenntnis zu meinem Erstaunen mit der Periode fertig ist. Ich mische unartikulierte Töne ein, ziehe die Verbindungswörter in die Länge, gebrauche wohl eine Apposition, wo sie nicht nötig wäre, und bediene mich anderer, die Rede ausdehnender, Kunstgriffe, zur Fabrikation meiner Idee auf der Werkstätte der Vernunft, die gehörige Zeit zu gewinnen. Dabei ist mir nichts heilsamer als eine Bewegung meiner Schwester, als ob sie mich unterbrechen wollte; denn mein ohnehin schon angestrengtes Gemüt wird durch diesen Versuch von außen, ihm die Rede, in deren Besitz es sich befindet, zu entreißen, nur noch mehr erregt, und in seiner Fähigkeit, wie ein großer General, wenn die Umstände drängen, noch um einen Grad höher gespannt.

Spitzweg-Reisende Komödianten.
Carl Spitzweg: Reisende Komödianten (1838).

In diesem Sinne begreife ich, von welchem Nutzen Moliere seine Magd sein konnte; denn wenn er derselben, wie er vorgibt, ein Urteil zutraute, das das seinige berichten konnte, so ist dies eine Bescheidenheit, an deren Dasein in seiner Brust ich nicht glaube. Es liegt ein sonderbarer Quell der Begeisterung für denjenigen, der spricht, in einem menschlichen Antlitz, das ihm gegenübersteht; und ein Blick, der uns einen halb ausgedrückten Gedanken schon als begriffen ankündigt, schenkt uns oft den Ausdruck für die ganz andere Hälfte desselben.

Carl_Spitzweg-Singender_Dorfpfarrer.
Carl Spitzweg: Der singende Dorfpfarrer mit Brevier und Regenschirm beim Spaziergang durch die reifen Felder (1840).

Ich glaube, daß mancher große Redner in dem Augenblick, da er den Mund aufmachte, noch nicht wußte, was er sagen würde. Aber die Überzeugung, daß er die ihm nötige Gedankenfülle schon aus den Umständen, und der daraus resultierenden Erregung seines Gemüts schöpfen würde, machte ihn dreist genug, den Anfang, auf gutes Glück hin, zu setzen.

Carl_Spitzweg-Der_Schmetterlingsfänger.
Carl Spitzweg: Der Schmetterlingsfänger (1837).

TEIL ZWEI FOLGT DEMNÄCHST.

 

 

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5. Vorlesung

http://volkslesen.tv/07-12-kiezwandler-lesen-irina-liebmann/

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6. Fortsetzungsgeschichte im CAFÉ FANTASY am Richardplatz macht Osterferien.

= Ich wünsche Euch und Ihnen ein frohes und gesegnetes Osterfest!

Dazu fällt mir noch die Geschichte von unserem Bundespastor ein, der sich bei einem alten Mütterchen darüber ausweinen wollte, dass alles den Bach runter geht und keine Willkommenskultur herrscht usw. usf. Aber das alte Mütterlein klopfte ihm wohlwollend auf die Schulter und sagte: „Ach, wenn der liebe Gott nur gesund bleibt, dann wird schon alles werden!“

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