Freitag, 16. Mai 2014 – WiTzels Tagblatt Nr. 86

Freitag, 16. Mai 2014

  1. Tagesmusik von WiTzels Lied- und Lesebühne;
  2. Bild des Tages: Hokusai;
  3. Spruch zum Tage von demselben;
  4. Kalendergeschichte, diesmal für Raucher;
  5. Vorlesung, Lions Club Veste Coburg;
  6. Fortsetzungsgeschichte CAFÉ FANTASY am Richardplatz.
  7. Besondere Schmakazie als Zugabe.

= = =

Nächsten MONTAG ist Tagblatts Ruhetag, übrigens.

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Ton ab für das aller-allererste Musikvideo der ganzen Welt, auf dem ich selber LIVE zu sehen bin:

Mit Dank an Frank Toebs, dessen Firma ich hier auch gleich empfehle:

Frank Toebs
entruemplung.de

 = = =

S;=)

Bild des Tages:

Hokusai
Hokusai: Der Wasserfall von Amida hinter der Kiso-Straße (1827).

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S;=)

Spruch zum Tage:

Seit ich sechs Jahre alt bin , habe ich die Manie, die Formen der Dinge nachzuzeichnen. Gegen fünfzig Jahre hatte ich eine unendliche Menge von Zeichnungen veröffentlicht, aber alles, was ich vor dem Alter von siebzig Jahren geschaffen habe, ist nicht der Rede wert. Gegen das Alter von dreiundsiebzig Jahren ungefähr habe ich etwas von der wahren Natur der Tiere, der Kräuter, der Bäume, der Vögel, Fische und Insekten begriffen. folglich werde ich mit achtzig Jahren noch mehr Fortschritte gemacht haben; mit neunzig Jahren werde ich das Geheimnis der Dinge durchschauen, mit hundert Jahren werde ich entschieden einen Grad von wunderbarer Vollkommmenheit erreicht haben, und wenn ich hundertundzehn Jahre zählen werde, wird alles von mir, sei es auch nur ein strich oder ein Punkt, lebendig sein.

HOKUSAI (1760 bis 1849).

S;=)

Kalendergeschichte:

Sitzt ein Raucher vorm Haus und bläst Ringe in die Luft. Kommt ein Indianer an: „Noch so’n Spruch und es gibt auf die Fresse.“

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Vorlesung

http://volkslesen.tv/49-11-lions-club-coburg-veste-liest-axel-hacke/

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Fortsetzungsgeschichte:

 

Weiter geht’s im CAFÉ FANTASY am Richardplatz. Die letzten Folgen können hier nachgelesen werden: Folge 1, Folge 2, Folge 3, Folge 4, Folge 5,  Folge 6.

Aushilfskellner und Eismatscher Urs ist sich gar nicht mehr so sicher, ob er denn Nadia überhaupt jemals wiedersehen wird. Zwar findet er seine Arbeit schon sehr cool, aber Arbeit ist eben doch nicht alles.

„Garçon“, sagte Geschäftsfrau a.D. Veronika Mewes-Ritter, die sich an Tisch drei niedergelassen hatte, „Sie sehen so unglücklich aus. Warum gehen Sie nicht einfach mal zum Einkaufen ins Einkaufszentrum Frankfurter Allee, ins Ring Center?“

Er stutzte. „Warum soll ich denn ausgerechnet da hingehen? Einkaufszentren gibt es doch inzwischen mehr als Kirchen, warum soll ich unbedingt irgendwelchen Ossis mein Geld in den Rachen werfen?“

Sie nippte an ihrer Mokkatasse. „Glauben Sie denn im Ernst, dass das Geld letztendlich in einheimischen Taschen landet bei den vielen Schulden, die wir angehäuft haben? – Aber wie auch immer, Sie sollen dort hingehen, weil es das einzige Einkaufszentrum in Berlin ist, das schwarze Zahlen schreibt. Also müssen sie ja wohl irgendwas richtig machen.“ Frau Mewes-Ritter stand auf. „So, jetzt muss ich mich aber sputen, ich will mir noch das leere Rote Rathaus angucken.“

„Ist schon seltsam“, murmelte Urs, „dass auf einmal gar kein Verantwortlicher mehr da ist. Gibt es irgendeinen Grund dafür?“

„Normalerweise sind alle da und keiner ist verantwortlich“, nicke Frau Mewes-Ritter. „Man weiß nicht, warum alle Politiker plötzlich verschwunden sind. Inzwischen ermittelt sogar die Polizei.“

Urs packte die leere Mokkatasse mitsamt übriggebliebenen Zuckerstücken und leeren Kaffeesahnenäpfchen auf ein dunkelbraunes Holztablett. „Das ist gut. Es sollen ja sogar zwei Senatoren Selbstmord gemacht haben.“

„Drei sind es inzwischen“, verbesserte ihn Frau Mewes-Ritter. „Drei Berliner Senatoren haben sich umgebracht.“

Urs wurde noch einen Schatten weißer als blass. „Das ist herbe“, krächzte er überrascht. „Haben sie alle drei gemeinsam und gleichzeitig den Freitod gewählt?“

„Das heißt nicht Freitod“, verbesserte ihn Frau Mewes-Ritter, „das heißt Selbstmord. Der Selbstmörder ist auch ein Mörder und kein Freitöter. – Aber wie auch immer, Garçon, ich nütze jedenfalls die günstige Gelegenheit und schaue mir mal wieder Anton von Wermers Gemälde vom Berliner Kongress 1878 an, mit Bismarck vorneweg. Da ging es um den Frieden in Europa und Bismarck haben sie als Mann des Friedens zum Kongresschef gewählt, die Staatschefs der anderen Länder.“

„Wusste gar nicht, dass Bismarck mit Berlin zu tun hat, Veronika“, brummte Urs.

„Das kommt, weil hier die Linken jetzt das Sagen haben“, entgegnete sie. „Die machen das wie Stalin und retuschieren solche Menschen einfach weg, die ihnen nicht ins Bild passen. Den Bismarck können sie nicht leiden, weil er der einzige erfolgreiche Revolutionär war und den Sozialstaat geschaffen hat.“

„Na ja“, murrte er, „wer weiß, wer seine Auftraggeber waren?“

„Er war fürs Volk da“, sagte sie. „Unsere vielen Bismarck-Denkmäler hat die sogenannte Bevölkerung hingestellt, die schweigende Mehrheit. Haben Sie mal dieses Comic-Buch gelesen über 650 Jahre Neukölln, über blühende und verblühende Weltreiche?“

Er nickte. „Natürlich hab ich das gelesen, ich lebe ja schließlich in Neukölln. Und ich fand die Geschichte auch ganz interessant, mit den Bildern von rülpsenden kriegerischen unfreundlichen Christenmenschen und dem freundlichen türkischen Moscheeführer am Columbiadamm als Gegensatz, und die deutschen brutalen Nazis und Rosa Luxemburg und…“

„Haben Sie da auch Bismarck drin gefunden?“, fragte Frau Mewes-Ritter.

Er dachte nach. „Meinen Sie jetzt mang die Namensliste im Impressum, wo zwei Hände voll wissenschaftliche und unwissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aufgeführt sind? Ich glaub nicht.“

„Nein, ich meine im ganzen Buch.“

„Moment mal… Mohammed kam drin vor mit seinem Islam als dem ersten friedlichen Woodstock der Weltgeschichte, Karl Marx kam drin vor, aber Bismarck kam nicht drin vor.“

„Wie Sie sehen, sehen Sie nichts“, fasste Frau Mewes-Ritter zusammen. „Es ist Propaganda für ein Potemkinsches Dorf namens EU.“

„Nun, nun, jetzt übertreiben Sie aber“, schüttelte Urs energisch den Kopf. „Vielleicht wollten die Verfasser bloß nichts von seinen Sozialversicherungen schreiben, weil er sonst als Vater der Zuwanderung dasteht und schlecht wegkommt.“

„Ich muss mich jetzt sputen“, sagte Frau Mewes-Ritter und griff zu ihrer schwarzen Handtasche. „Sonst fängt es gleich wieder zu regnen an. Ich hab heute nämlich keinen Schirm dabei. Also guten Tag, Garçon, vielleicht sehen wir uns ja morgen wieder hier im CAFÉ FANTASY am Richardplatz.“

„Würde mich freuen“, sagte Urs Bergner.

Sie lächelte. „Aber wenn Sie Ihre Kollegin Nadia wiedersehen, dann freuen Sie sich noch mehr, stimmt’s?“

Er schwieg traurig. Keine Antwort ist auch eine Antwort, dachte er.

„Wenn Sie sowieso die Zähne nicht auseinanderkriegen“, sagte Frau Mewes-Ritter, „dann kann Nadia auch wegbleiben.“

„Du bist gemein, Veronika“, seufzte er. Es hörte sich wie Grunzen an.

„Und Sie sind ein grober Klotz. Warum halten Sie mir nicht wenigstens die Tür auf?“

Urs grunzte. Es klang wie ein Seufzer. Anscheinend besserte er sich. Jedenfalls hielt er Frau Veronika die Tür auf. Außerdem nahm er sich vor, heute nicht mehr an Nadia zu denken, damit endlich Ruhe einkehrte in Geist, Seele und Leib.
Das klappte auch ganz gut, bloß nach dem Einschlafen fiel sie ihm sofort wieder ein.

= = =

Wird fortgesetzt. –

  • Warum sind „unsere“ Politiker plötzlich aus Berlin verschwunden? –
  • Gab es eine „Begegnung der dritten Art“ mit fliegenden Untertassen, die auf dem Alexanderplatz notgelandet sind, weil die Willy-Brandt-Melder auf dem Wowereit-Platzek-Parkplatz immer noch rotes Licht zeigen? –
  • Warum haben sich drei Berliner Senatoren umgebracht? –
  • Wie ergeht es Urs Bergner im Ringcenter Frankfurter Allee? –
  • Morgen wissen wir mehr!

Es kommt noch besser, bald geht die Sache weiter.

 

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So, das war WiTzels Tagblatt Nr.

-86-
Design und Repro: Archiv Syzygos.

Um hier kein mieses Frauenbild als Abschluss zu hinterlassen, gibt es jetzt noch eine kostbare Perle als Zugabe:

 

 

 

 

 

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