Dienstag, 20. Mai 2014 – WiTzels Tagblatt Nr. 89

Dienstag, 20. Mai 2014

  1. Tagesmusik Max Raabe;
  2. Bild des Tages: Carl Spitzweg;
  3. Spruch zum Tage von Elbert Hubbard;
  4. Kalendergeschichte, diesmal rund um Churchills Hilfskreuzer LUSITANIA;
  5. Vorlesung, Lisa J. Smith;
  6. Fortsetzungsgeschichte CAFÉ FANTASY.
  7. Als besondere Schmakazie eine Schachkomposition.

 

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Ton ab für MAX RAABE, mondän im dänischen Fernsehen mit dem erstklassigen Klassiker vom kleinen grünen Kaktus:

 

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Bild des Tages:

Spitzweg.
Carl Spitzweg: Der Kaktusliebhaber (1851).

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Spruch zum Tage:

Ironie heißen die Kakteen, die auf dem Friedhof unserer Illusionen wuchern. – Ersetzen wir sie doch durch ausgesäte Senfkörner.

ELBERT HUBBARD, ergänzt von Herbert-Friedrich Witzel.

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Kalendergeschichte:

Elbert Hubbard wurde am 19 Juni 1856 in Bloomington, Illinois, geboren als Sohn des Silas Hubbard und der Juliana Frances Read. Im Herbst 1855 waren die Eltern aus Buffalo, New York, wo der Vater eine dahindümpelnde Arztpraxis gehabt hatte, nach Bloomington gezogen, um sich zu verbessern. Als sie etwas spät feststellten, dass es bereits mehrere etablierte niedergelassene Ärzte in Bloomington gab, zog die Familie im darauffolgenden Jahr weiter nach Hudson, Illinois.

Hier besuchte Hubbard die öffentliche Schule. Sie bestand aus einem kleinen Gebäude mit zwei Räumen. 30 Jahre später beschrieb Hubbard seine Schulbildung als „bestens“ und dass er keinerlei besonderen Ehrgeiz entwickelt habe, weil ihm klar gewesen sei, dass er erstens eines Tages den Lehrer mit einem Problem aus der Bruchrechnung ratlos machen würde, und zweitens irgendwann das Brettspiel „Dame“ beherrschen würde auf einem derart hohen Weltniveau, dass ganz Hubbard dann seinen Namen ehrfürchtig flüstern könnte. Hubbards Schwester Mary erinnerte sich rückblickend, dass ihr Bruder ein Störenfried war, der gern die Lehrer ärgerte und gelegentlich auch völlig unvermittelt losbrüllte, wenn seinem überwachen Sinn für Humor ein Witz eingefallen war.
Als junger Mann ging Hubbard nach Buffalo im US-Bundesstaat New York, wo er in dem Unternehmen Larkin Soap Company seines Schwagers John Larkin als leitender Angestellter tätig wurde. 1891 gab er diese Stelle auf, um sich auf seine schriftstellerische Arbeit zu konzentrieren. Bis 1894 schrieb er vier Romane und war ein Semester lang an der Universität von Harvard in Cambridge, Massachusetts, eingeschrieben.
Von Buffalo zog Hubbard in die Kleinstadt East Aurora, N.Y., wo er ab 1895 eine Kunstdruckerei betrieb sowie als Herausgeber und Journalist tätig war und das Roycroft Movement begründete, eine Kunst- und Handwerksgemeinschaft. Mit Roycroft Press schuf Hubbard die Möglichkeiten zur Unterstützung anderer Autoren. Er gründete 1895 die Magazine „The Philistine“ (Der Spießbürger) und „Little Journeys“ (Kleine Reisen), für die er als Herausgeber und Autor tätig war. In 1908 kam mit „The Fra“ (Der Ordensbruder) ein weiteres Magazin hinzu. Alle drei Zeitschriften erschienen bis zu Hubbards Tod in 1915.

Bekannt wurde Hubbard in erster Linie durch seine biografischen Essays.

Am 22. April 1915 veröffentlichte die Kaiserliche Deutsche Botschaft eine Warnung in den fünfzig größten amerikanischen Zeitungen, die direkt neben die Abfahrtszeiten der Transatlantikdampfer gesetzt wurde:

„ACHTUNG! Reisende, die vorhaben, den Atlantik zu überqueren, werden daran erinnert, dass Deutschland und seine Alliierten und Großbritannien und seine Alliierten sich im Kriegszustand befinden; dass das Kriegsgebiet auch die Gewässer rings um die Britischen Inseln umfasst; dass in Übereinstimmung mit der formellen Bekanntgabe der Kaiserlichen Deutschen Regierung alle Schiffe, die die Flagge Großbritanniens oder eines seiner Verbündeten führen, Gefahr laufen, in diesen Gewässern zerstört zu werden, und dass Reisende, die im Kriegsgebiet auf Schiffen aus Großbritannien oder seiner Verbündeten reisen, dies auf eigene Gefahr tun. KAISERLICHE DEUTSCHE BOTSCHAFT, WASHINGTON D. C., 22. April 1915.“[44]

Deutsche Warnungs-Anzeige.

Am 1. Mai 1915 lief die britische „RMS Lusitania“ aus. Sie war ein ohne Rücksicht auf Menschenleben als Passagierschiff getarnter Hilfskreuzer und Munitionstransporter. Die inzwischen bekannt gewordene geheime Ladeliste der „Lusitania“ zeigt, dass der Ozeanriese jede Menge Kriegsgut an Bord hatte: 1.248 Kästen mit 7,5-Zentimeter-Granaten, 4.927 Kisten mit Gewehrpatronen, 2.000 Kisten mit weiterer Munition für Handfeuerwaffen.

Am 7. Mai 1915 starb der Passagier Elbert Hubbard im Atlantischen Ozean vor der irischen Küste zusammen mit seiner Ehefrau Alice, als die „RMS Lusitania“ vom U-Boot „U 22“ versenkt wurde. – Ob wir wollen oder nicht, wir kommen am Krieg als Geschichtenerzähler nicht vorbei. Die Wahrheit stirbt in jedem Krieg zuerst und „ein Dichter darf nicht lügen“ (Wilhelm Raabe).

Um die USA in den Krieg zu locken, wurde ihnen die „Lusitania“ von den Briten erfolgreich als reiner Passagierdampfer untergejubelt, versenkt von den Deutschen, die rücksichtslos Zivilpersonen umbringen und kleinen Kindern die Hände abhacken – so das Feindbild vom „German War Pig“, das auch heute noch durch neue britische EU-geförderte Historienfilme geistert. „Unsere“ Politiker bezahlen auch noch den giftigen Kakao, durch den wir gezogen werden.

Commander Kenworthy, am Morgen des 7. Mai im Kartenraum der britischen Admiralität anwesend, schrieb im Originalmanuskript seines Buches The Freedom of the Seas (1927): „Die Lusitania wurde bewußt mit beträchtlich verminderter Geschwindigkeit und ohne die zurückbeorderten Geleitschiffe in eine Zone geschickt, in der bekanntermaßen ein U-Boot lauerte.“ Das Wort „bewußt“ wurde auf Veranlassung der Admiralität in der gedruckten Ausgabe entfernt. Kenworthy hatte vorher von Churchill den Auftrag erhalten, ein Memorandum über die Versenkung eines Ozeandampfers mit amerikanischen Passagieren an Bord vorzulegen.[85]

Die „Lusitania“ liegt in 90 m Tiefe vor der irischen Küste. Taucher fanden in dem Wrack massenweise militärisches Material, darunter zirka 4.000.000 Patronen Kaliber .303 British Lee-Enfield des US-Herstellers Remington Arms .[88]

– Die „Lusitania“ hat sich eher zufällig als Thema ergeben durch das Hubbard-Zitat, das ich gern verwenden wollte. Es geht auch gar nicht um Recht oder Unrecht, dadurch wird niemand mehr lebendig. Es geht nur darum, den Lügen von heute gegenüber ein bisschen wachsam zu sein und nicht alles zu glauben, was uns „unsere“ Politiker erzählen. Sonst wachsen ja wirklich nur noch Kakteen im Garten unseres Lebens.

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Vorlesung 

http://volkslesen.tv/25-10-umweltbundesamt-liest-1-lisa-j-smith/

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Fortsetzungsgeschichte aus dem CAFÉ FANTASY – Folge 10
Wie wir wissen, liegt das CAFÉ FANTASY am Richardplatz in Neukölln und der Richardplatz befindet sich gleich neben Böhmisch-Rixdorf, dem Viertel der Böhmischen Brüdergemeine, wo natürlich auch Schwestern wohnen. Sie haben aber keine Komplexe und fühlen sich wohl, ohne dass die Brüdergemeine in Schwestern-und-Brüdergemeine vergründeutscht und verrotwelscht werden müsste.
Nun denn, wir hatten den Autor zwar ausdrücklich gebeten, seine ungefragten Meinungen für sich zu behalten, doch hin und und wieder passieren immer mal wieder solche Ausrutscher, für die wir uns ausdrücklich hiermit entschuldigen. Aber wie auch auch immer, durch die Nachbarschaft mit Rixdorf geschah es nun, dass ein sogenannter „Diaspora“-Prediger aus Herrnhut unverhofft ins CAFÉ FANTASY hereinschneite und sich zu Frau Mewes-Fischer und Urs Bergner an Tisch drei setzte, mit Blick auf die alte Dorfschmiede von 1624.
Ein Diaspora-Prediger kümmert sich um die verstreuten Schäfchen der Gemeinde, die „Gemeine“ heißt und geschrieben wird in dem Sinne, dass in dieser Gemeinde keiner besser oder schlechter ist als der andere, sondern alle sind allgemein.
„Wo haben Sie denn diese Klamotten her?“, fragte Urs Bergner den Gast interessiert, nachdem er aufgestanden war und dem Prediger eine Tasse Kaffee hingestellt hatte.
„Ich bin Prediger Weiz“, antwortete der Neue, „und ich komme zu Ihnen durch die Korridore der Zeit aus dem Jahr 1844 zu Besuch. Was Sie ‚Klamotten‘ nennen, das trug ich eben damals.“
„Wie war denn damals das Wetter, Herr Weiz?“, fragte Veronika Mewes-Fischer. „Spüren Sie einen Unterschied durch den Klimawandel?“
„Durch wen oder was?“, frug Weiz verstört zurück.
„Durch den Klimawandel“, erläuterte Urs Bergner, der mal studiert hatte. „Jetzt erwärmt sich das Universum oder die Welt oder jedenfalls Berlin und das Rote Rathaus und die Atmosphäre unter dem Himmel. Die Gletscher schmelzen weg und die Polkappen und bei uns in Berlin Tempelhof und überhaupt dürfen schon gar keine Flugzeuge mehr landen oder starten vor lauter heißer Luft.“
Weiz dachte nach und fasste dann seine Gedanken wie folgt zusammen: „Dann muss es eben so gehen in Berlin wie bei uns damals 1844, als wir auch ohne Flugzeuge ausgekommen sind. Das ist natürlich schade für Berlin, weil andere Großstädte wie London sich freuen über ihren städtischen Flughafen, aber London hatte ja auch keine Mauer. Berlin hatte eben die Mauer, und als die Mauer abgeräumt wurde, da wurde aus Versehen auch der Flughafen plattgemacht. Plattmachen geht ja immer ziemlich einfach. Und was den Klimawandel angeht mitsamt abschmelzenden Polkappen und Gletschern, das erinnert mich an Kurfürst Joachim I., der am 15. Juli 1525 auf den Kreuzberg geflüchtet ist vor einer Sintflut, die ihm sein Hofastrologe vorausgesagt hatte im Wetterbericht. Er hat alles überlebt. Also, ich kann Ihnen den Kreuzberg empfehlen, falls mal wieder irgendwas sein sollte. Oder Sie bauen sich eine 3D-Arche wie in diesem Film, den ich vor ein paar Tagen gesehen hab. Allerdings müssen Sie dann auch allen Tieren 3D-Brillen aufsetzen, so wie BANKSY das hier macht auf dieser Ansichtskarte aus London, die ich dort auf dem Flughafen gekauft hab. London hat sogar zwei Flughäfen in der Stadt, Heathrow und City Airport. Aber in Berlin hat das wahrscheinlich der Konkursverwalter nicht mehr erlaubt.“
Weiz schneuzte sich mit einem schottisch karierten Taschentuch. Früher hieß es Sacktuch, doch in sexy Berlin ist das missverständlich geworden. Hier ist erst mal die erwähnte Ansichtskarte vom 3D-Arche-Zoo:

 

3D-Zoo.
Rattenmann auf dem Weg zur 3D-Arche Noah. Seine Frau zieht sich noch an, kommt dann aber gleich nach. (BANKSY 2013.)

Mehr von BANKSY gibt es hier übrigens:

http://www.amazon.de/BANKSY-Book-Pictures-Wieland-Kraut-ebook/dp/B0096CFUSU/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1400590342&sr=8-1&keywords=Kraut+Banksy

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„Wollen Sie uns veräppeln?“, knurrte Urs. „Da liegt ja Schnee, das hat doch mit unserem Klimawandel nach ISO-Norm gar nichts zu tun! Wenn das die EU wüsste … solche Ansichtskarten gehören ja verboten!“

 

„ISO-Norm schön und gut“, schmunzelte Veronika Mewes-Fischer, „aber die normative Kraft des Faktischen müssen Sie trotzdem aushalten, da hilft nun alles nix. Aber jetzt mal was anderes, Garçon …“

„Genau“, bestätigte Weiz, „and now something completely different! So reden Engländer im Flugzeug jedenfalls.“ Er nickte Veronika aufmunternd zu.

„Waren Sie denn schon im Ring-Center einkaufen, Garçon, wie ich es Ihnen angeraten habe?“,  fragte Frau Mewes-Fischer.

Ring-Center.
Ring-Center Frankfurter Allee.

„Ach, das erzähle ich Ihnen in der nächsten Folge, in Folge 11“, antwortete Urs Bergner. „So viel Zeit muss sein im CAFÉ FANTASY, nämlich.“

Nun, wer möchte da widersprechen?

Wird fortgesetzt. –

  • Was hat Diaspora-Prediger Weiz aus den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts zu berichten?
  • Wie erging es Urs Bergner im Ring-Center Frankfurter Allee? –
  • Morgen wissen wir mehr!

Es kommt jedenfalls noch besser und bald geht die Sache weiter.

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Unsere Schachkomposition. Diesmal haben wir im Angebot einen Klassiker aus dem Jahre 1737, ausgebrütet vom syrischen Schachmeister Philipp Stamma:

Philipp Stamma.
Weiß ist dran – Matt in vier Zügen.

AUFLÖSUNG MORGEN.

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So, das war’s mal wieder, nämlich WiTzels Tagblatt Nr.:

89

 

 

 

 

 

 

 

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