Sa=Sonnabend, 24. Mai 2014 – WiTzels Tagblatt Nr. 93

Sa=Sonnabend, 24. Mai 2014

  1. Tagesmusik Fritz Kalkbrenner (Berlin);
  2. Bild des Tages: Hokusai (Japan);
  3. Spruch zum Tage von Cindy Crawford;
  4. Kalendergeschichte, diesmal mit Kaiser Wilhelm I.;
  5. Vorlesung, Psalm 63;
  6. Fortsetzungsgeschichte CAFÉ FANTASY am Richardplatz, Folge 14.

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Nächsten MONTAG ist Tagblatts Ruhetag, übrigens.

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Ton ab für

 

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S;=)

Bild des Tages:

Hokusai.
Hokusai: Die große Welle vor Kanagawa (Farbholzschnitt, 1830).

Hier ein anderer Abzug, Wiedergabe drei Nummern größer:

Die große Welle
Die große Welle.

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S;=)

Spruch zum Tage:

 Wenn ich aufwache, sehe ich auch nicht aus wie Cindy Crawford.

CINDY CRAWFORD.

Cindy-Crawford-Deichmann.
Deichmann Geschäft in Ostrowiec Swietokrzyski, Polen
(Wiki, Urheber: Krugerr).

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S;=)

Kalendergeschichte:

Wenn in Berlin die Wache aufzog, dann trat Kaiser Wilhelm I. in seinem Palais Unter den Linden an das berühmte „Eckfenster“. Diese Tatsache war nicht nur in Deutschland, sondern europaweit bekannt. Tausende von Touristen warteten jedes Mal auf die Gelegenheit, den Mann zu sehen, der Kraft und Größe des deutschen Reiches verkörperte. In seinen letzten Lebensjahren wurde Wilhelm von diversen Krankheiten geplagt und seine Ärzte verordneten ihm Schonung. Aber der Kaiser hatte „keine Zeit, müde zu sein“.

Wilhelm-I.
Kaiser Wilhelm I. von Deutschland in Generalsuniform (Fotografie von Wilhelm Kuntzemüller 1884).

Pünktlich zur Stunde, als die Wache aufzog, stand er wieder wie gehabt am Eckfenster und nahm mit gütigem Lächeln alle Ehrerbietung und alle Huldigungen entgegen. Sein Leibarzt trat neben den Kaiser und beschwor ihn eindringlich, diese Anstrengung seiner Gesundheit zuliebe ab sofort sein zu lassen. Den Kaiser hatte das Stehen tatsächlich sehr ermüdet, doch nichtsdestotrotz erwiderte er: „Lassen Sie mich nur – ich muss ans Fenster. Es ist Mittag und im Baedeker steht, dass man mich um diese Zeit von der Straße aus sehen kann.“

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Vorlesung

http://volkslesen.tv/14-08-d-psalme-zueritueuetsch-4/

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Fortsetzungsgeschichte: CAFÉ FANTASY – Folge 14

Wir erinnern uns: Der Herrnhuter Diaspora-Prediger Weiz erzählte davon, wie schlimm es Gottliebin Dittus nun in der Brunnengasse Nr. 3 erging, wie es um sie herum unerträglich polterte und alle möglichen Geräusche machte, wie ihr nachts die Hände gewaltsam übereinander gelegt wurden, Irrlichter um ihr Bett herumtanzten und seltsame geisterhafte Gestalten auftauchten. – Dann besuchte ihre Tante Kätter den neuen Möttlinger Pastor Johann Christoph Blumhardt und erzählte ihm davon.

Blumhardt.
Johann Christoph Blumhardt (1805 bis 1880) nach einem zeitgenössischen Bildnis.

[Abbildung entnommen aus meinem Buch: „Die Besessene – Gottliebin Dittus in Möttlingen.“]

“Und dann?”, fragte Frau Mewes-Fischer. “Was machte der Pastor? Ich hab diese Exorzismus-Filme aus Hollywood gesehen, also da geht ja echt die Post ab!”

„Blumhardt war bereit, Gottliebin zu besuchen“, erzählte Weiz. „Die Räume im Erdgeschoss der Brunnengasse 3 fand er noch niedriger, dunkler und enger vor als erwartet. Mit Mühe bewegte sich der Pastor dort in die Stube, ohne anzustoßen, und sank auf einen dreibeinigen Küchenhocker, von dem die meiste weiße Farbe schon abgeblättert war. Tante Kätter machte sich am Kochherd zu schaffen.
‚Ich bin Pfarrer Blumhardt’, stellte er sich den Geschwistern Dittus vor. Weil das jeder sagen konn­te, fütterte er nach: ‚Ich bin der Nachfolger von Pas­tor Dr. Christian Gottlob Barth, dem Verfasser mehrerer erfolgreicher Erbauungsbücher für die Jugend und Herausgeber des Calwer Missionsblattes.’
Gottliebin saß ihm gegenüber am Esstisch. Ihr Gesicht veränderte sich und ihre Augen wurden lauernd. ‚Was willst du hier, du blöder Pfaffe?’, zischte sie. ‚Mach, dass du rauskommst, helfen kannst du sowieso nicht — los, verschwinde und lass dich nie wieder blicken!’
Der Pastor schüttelte verständnislos den Kopf und machte, dass er hier rauskam.
Erschrocken fiel Tante Kätter die Suppenkelle aus der Hand. Sie lief dem Pastor hinterher. ‚Tut mir leid, Herr Pfarrer!’
‚Mir auch’, antwortete Blumhardt knapp und versuchte draußen seine Freundlichkeit und Ausge­glichenheit wiederzufinden. So etwas war ihm noch nie passiert in seiner bisherigen Laufbahn.“ Weiz räusperte sich und trank einen Schluck Kaffee.
„Und dann?“, fragte Aushilfskellner und Eismatscher Urs Bergner, der durch diese Anregungen  dazu gebracht wurde, über eine Bibelschule, eine Ausbildung zum Prediger oder sogar ein Theologiestudium nachzudenken. Neulich hatte er einen Spruch von Steve Jobs gelesen: „Diejenigen, die verrückt genug sind zu denken, sie könnten die Welt verändern, tun es auch.“ Urs Bergner wollte zumindest mitreden können, was die Weltveränderung betraf hier am Richardplatz in Neukölln. Als er neulich am Hermannplatz aus der U-Bahn kam und Richtung Kottbusser Damm ging, wanderte sein Blick an dem Eckhaus Weserstraße/Sonnenallee nach oben.

Foto: Lothar Schneeberger.

Dort entdeckte er einen aufmerksamen Betrachter der laufenden Ereignisse.

 

 

 

Foto: Lothar Schneeberger.
(Beide Fotos machte Lothar Schneeberger – Danke dafür.)

Dieser interessierte Blick von oben machte ihn sehr nachdenklich auf konstruktive Art. –

„Und dann?“, fragte Urs noch einmal, weil Weiz nicht antwortete.

„Ja“, stimmte Frau Mewes-Fischer seiner Frage zu, „wie geht die Geschichte nun weiter im Schwarzwald?“

Wird fortgesetzt. Morgen geht das Gespräch im CAFÉ FANTASY weiter.

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So, das war WiTzels Tagblatt Nr.:

 

Ludwig-Richter-93.
Illustration Ludwig Richter: Civitella (Der Abend), 1828.

 

 

 

 

 

 

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