Freitag, 30. Mai 2014 – WiTzels Tagblatt Nr. 98

Freitag, 30. Mai 2014

Noch drei Nächte bis zum 2. Juni 2014 in Lankwitz mit WiTzels Lied- und Lesebühne:

 Mo_2-6-Lankwitz<<<< Hier KLICKen und alles blicken, Ort und Zeit usw. usf.

  1. Tagesmusik: Bolles Bolero (nachdem er seinen Jüngsten im schwarzafrikanischen Heroindealer-Gewühl im ehemaligen Volkspark Hasenheide verloren hatte), d.h. der Bolero ist natürlich von Ravel und wird dargebracht in einer Version von PINK MARTINI;
  2. Bild des Tages: Noch ein Bruegel, weil mir der von gestern so gut gefiel;
  3. Spruch zum Tage von Chamisso;
  4. Kalendergeschichte, diesmal aus dem Hause NOVALIS;
  5. Vorlesung, Paris-Berlin;
  6. Fortsetzungsgeschichte CAFé FANTASY.
  7. Besondere Schmakazie: „Das Riesenspielzeug“ von Adelbert von Chamisso, und zwar bebildert!!!

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Nächsten MONTAG ist Tagblatts Ruhetag, übrigens.

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1. Ton ab für PINK MARTINI und deren Version von Ravels unsterblichem „Bolero“:

 

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S;=)

2. Bild des Tages:

Bruegel-Detail-4
Puzzle Teil 1
Detail-5
Puzzle Teil 2.

 

Bruegel-Bauernhochzeit
Pieter Bruegel der Ältere: Bauernhochzeit (1568).

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S;=)

3. Spruch zum Tage:

Der Bauer ist kein Spielzeug, da sei uns Gott davor.

Aus ADELBERT VON CHAMISSOs Gedicht: „Das Riesenspielzeug“.

Ehepaar-Chamisso.
Adelbert und Antonie von Chamisso aus der Friedrichstraße 242.

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Mein Großvater Otto Witzel, Heideschulmeister und Kirchenorganist in Mellendorf, hat dort die schönste Bauerntochter geheiratet. Deshalb hab ich sturmfeste und erdverwachsene niedersächsische Bauern in der Verwandtschaft, die natürlich nicht so aussehen wie auf Bruegels wunderbarem Bild. Doch dadurch weiß ich, dass das Brot nicht bei Lidl oder Aldi im Regal wächst, sondern auf einem Ackerfeld. Jedes Volk braucht seine Bauern und seine Landwirtschaft. Deshalb mache ich hier und jetzt Werbung für meine Verwandten auf dem Nöhrenhof in Lehrte:

http://www.noehrenhof.de/

S;=)

4. Kalendergeschichte von unserem Gastautor NOVALIS in klassischer Rechtschreibung:

Hyazinth und Rosenblütchen

(aus „Die Lehrlinge zu Saïs“)

Vor langen Zeiten lebte weit gegen Abend ein blutjunger Mensch. Er war sehr gut, aber auch über die Maßen wunderlich. Er grämte sich unaufhörlich um nichts und wieder nichts, ging immer still für sich hin, setzte sich einsam, wenn die andern spielten und fröhlich waren, und hing seltsamen Dingen nach. Höhlen und Wälder waren sein liebster Aufenthalt, und dann sprach er immerfort mit Tieren und Vögeln, mit Bäumen und Felsen, natürlich kein vernünftiges Wort, lauter närrisches Zeus zum Totlachen. Er blieb aber immer mürrisch und ernsthaft, ungeachtet sich das Eichhörnchen, die Meerkatze, der Papagei und der Gimpel alle Mühe gaben ihn zu zerstreuen, und ihn auf den richtigen Weg zu weisen. Die Gans erzählte Märchen, der Bach klimperte eine Ballade dazwischen, ein großer dicker Stein machte lächerliche Bockssprünge, die Rose schlich sich freundlich hinter ihm herum, kroch durch seine Locken, und der Efeu streichelte ihm die sorgenvolle Stirn. Allein der Mißmut und Ernst waren hartnäckig.

Seine Eltern waren sehr betrübt, sie wußten nicht was sie anfangen sollten. Er war gesund und aß, nie hatten sie ihn beleidigt, er war auch bis vor wenig Jahren fröhlich und lustig gewesen, wie keiner; bei allen Spielen voran, von allen Mädchen gern gesehn. Er war recht bildschön, sah aus wie gemalt, tanzte wie ein Schatz.

Unter den Mädchen war eine, ein köstliches, bildschönes Kind, sah aus wie Wachs, Haare wie goldne Seide, kirschrote Lippen, wie ein Püppchen gewachsen, brandrabenschwarze Augen. Wer sie sah, hätte mögen vergehn, so lieblich war sie. Damals war Rosenblüte, so hieß sie, dem bildschönen Hyazinth, so hieß er, von Herzen gut, und er hatte sie lieb zum Sterben. Die andern Kinder wußten’s nicht. Ein Veilchen hatte es ihnen zuerst gesagt, die Hauskätzchen hatten es wohl gemerkt, die Häuser ihrer Eltern lagen nahe beisammen.

Wenn nun Hyazinth die Nacht an seinem Fenster stand und Rosenblüte an ihrem, und die Kätzchen auf dem Mäusefang da vorbeiliefen, da sahen sie die beiden stehn und lachten und kicherten oft so laut, daß sie es hörten und böse wurden. Das Veilchen hatte es der Erdbeere im Vertrauen gesagt, die sagte es ihrer Freundin, der Stachelbeere, die ließ nun das Sticheln nicht, wenn Hyazinth gegangen kam; so erfuhr’s denn bald der ganze Garten und der Wald, und wenn Hyazinth ausging so rief’s von allen Seiten: Rosenblütchen ist mein Schätzchen!

Nun ärgerte sich Hyazinth, und mußte doch auch wieder aus Herzensgrunde lachen, wenn das Eidechschen geschlüpft kam, sich auf einen warmen Stein setzte, mit dem Schwänzchen wedelte und sang:

„Rosenblütchen, das gute Kind,
Ist geworden auf einmal blind
Denkt, die Mutter sei Hyazinth,
Fällt ihm um den Hals geschwind;
Merkt sie aber das fremde Gesicht,
Denkt nur an, da erschrickt sie nicht,
Fährt, als merkte sie kein Wort,
Immer nur mit Küssen fort.“

Ah! wie bald war die Herrlichkeit vorbei. Es kam ein Mann aus fremden Landen gegangen, der war erstaunlich weit gereist, hatte einen langen Bart, tiefe Augen, entsetzliche Augenbrauen, ein wunderliches Kleid mit vielen Falten und seltsame Figuren hineingewebt. Er setzte sich vor das Haus, das Hyazinths Eltern gehörte. Nun war Hyazinth sehr neugierig, und setzte sich zu ihm und holte ihm Brot und Wein. Da tat er seinen weißen Bart von einander und erzählte bis tief in die Nacht, und Hyazinth wich und wankte nicht, und wurde auch nicht müde zuzuhören. Soviel man nachher vernahm, so hat er viel von fremden Ländern, unbekannten Gegenden, von erstaunlich wunderbaren Sachen erzählt, ist drei Tage dageblieben und mit Hyazinth in tiefe Schichten des Denkens hinuntergekrochen.

Rosenblütchen hat genug den alten Hexenmeister verwünscht, denn Hyazinth ist ganz versessen auf seine Gespräche gewesen, und hat sich um nichts bekümmert; kaum daß er ein wenig Speise zu sich genommen. Endlich hat jener sich fortgemacht, doch dem Hyazinth ein Büchelchen dagelassen, das kein Mensch lesen konnte. Dieser hat ihm noch Früchte, Brot und Wein mitgegeben, und ihn weit weg begleitet. Und dann ist er tiefsinnig zurückgekommen, und hat einen ganz neuen Lebenswandel begonnen. Rosenblütchen hat recht zum Erbarmen um ihn getan, denn von der Zeit an hat er sich wenig aus ihr gemacht und ist immer für sich geblieben.

Nun begab sich’s, daß er einmal nach Hause kam und war wie neugeboren. Er fiel seinen Eltern um den Hals und weinte. „Ich muß fort in fremde Lande“, sagte er; „die alte wunderliche Frau im Walde hat mir erzählt, wie ich gesund werden müßte, das Buch hat sie ins Feuer geworfen, und hat mich getrieben, zu euch zu gehen und euch um euren Segen zu bitten. Vielleicht komme ich bald, vielleicht nie wieder. Grüßt Rosenblütchen. Ich hätte sie gern gesprochen, ich weiß nicht, wie mir ist, es drängt mich fort; wenn ich an die alten Zeiten zurück denken will, so kommen gleich mächtigere Gedanken dazwischen, die Ruhe ist fort, Herz und Liebe mit, ich muß sie suchen gehn. Ich wollt‘ euch gern sagen, wohin, ich weiß selbst nicht, dahin wo die Mutter der Dinge wohnt, die verschleierte Jungfrau. Nach der ist mein Gemüt entzündet. Lebt wohl.“

Er riß sich los und ging fort. Seine Eltern wehklagten und vergossen Tränen, Rosenblütchen blieb in ihrer Kammer und weinte bitterlich. Hyazinth lief nun was er konnte, durch Täler und Wildnisse, über Berge und Ströme, dem geheimnisvollen Lande zu. Er fragte überall nach der heiligen Göttin (Isis) Menschen und Tiere, Felsen und Bäume. Manche lachten, manche schwiegen, nirgends erhielt er Bescheid. Im Anfange kam er durch rauhes, wildes Land, Nebel und Wolken warfen sich ihm in den Weg, es stürmte immerfort; dann fand er unansehnliche Sandwüsten, glühenden Staub, und wie er wandelte, so veränderte sich auch sein Gemüt, die Zeit wurde ihm lang und die innere Unruhe legte sich, er wurde sanfter und das gewaltige Treiben in ihm allgemach zu einem leisen, aber starken Zuge, in den sein ganzes Gemüt sich auflöste. Es lag wie viele Jahre hinter ihm.

Nun wurde die Gegend auch wieder reicher und mannigfaltiger, die Luft lau und blau, der Weg ebener, grüne Büsche lockten ihn mit anmutigen Schatten, aber er verstand ihre Sprache nicht, sie schienen auch nicht zu sprechen, und doch erfüllten sie sein Herz mit grünen Farben und kühlem, stillem Wesen. Immer höher wuchs jene süße Sehnsucht in ihm, und immer breiter und saftiger wurden die Blätter, immer lauter und lustiger die Vögel und Tiere, balsamischer die Früchte, dunkler der Himmel, wärmer die Luft, und heißer seine Liebe, die Zeit ging immer schneller, als sähe sie sich nahe am Ziele.

Eines Tages begegnete er einem kristallenen Quell und einer Menge Blumen, die kamen in ein Tal herunter zwischen schwarzen himmelhohen Säulen. Sie grüßten ihn freundlich mit bekannten Worten.

„Liebe Landsleute“, sagte er, „wo find‘ ich wohl den geheiligten Wohnsitz der Isis? Hier herum muß er sein, und ihr seid vielleicht hier bekannter als ich.“

„Wir gehn auch nur hier durch“, antworteten die Blumen; „eine Geisterfamilie ist auf der Reise und wir bereiten ihr Weg und Quartier. Indes sind wir vor kurzem durch eine Gegend gekommen, da hörten wir ihren Namen nennen. Gehe nur aufwärts, wo wir herkommen, so wirst du schon mehr erfahren.“

Die Blumen und die Quelle lächelten, wie sie das sagten, boten ihm einen frischen Trunk und gingen weiter.

Hyazinth folgte ihrem Rat, frug und frug und kam endlich zu jener längst gesuchten Wohnung, die unter Palmen und andern köstlichen Gewächsen versteckt lag. Sein Herz klopfte in unendlicher Sehnsucht, und die süßeste Bangigkeit durchdrang ihn in dieser Behausung der ewigen Jahreszeiten. Unter himmlischen Wohlgedüften entschlummerte er, weil ihn nur der Traum in das Allerheiligste führen durfte. Wunderlich führte ihn der Traum durch unendliche Gemächer voll seltsamer Sachen auf lauter reizenden Klängen und in abwechselnden Akkorden. Es dünkte ihm alles so bekannt und doch in niegesehener Herrlichkeit, da schwand auch der letzte irdische Anflug, wie in Luft verzehrt, und er stand vor der himmlischen Jungfrau, da hob er den leichten, glänzenden Schleier, und Rosenblütchen sank in seine Arme.

Eine ferne Musik umgab die Geschehnisse des liebenden Wiedersehns, die Ergießungen der Sehnsucht, und schloß alles Fremde von diesem entzückenden Ort aus. Hyazinth lebte nachher noch lange mit Rosenblütchen unter seinen frohen Eltern und Gespielen, und unzählige Enkel dankten der alten wunderlichen Frau für ihren Rat und ihr Feuer; denn damals bekamen die Menschen soviel Kinder, als sie wollten.

S;=)

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5. Vorlesung  

http://volkslesen.tv/27-13-die-vier-aus-der-zwischenzeit-kurt-tucholsky/

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6. Fortsetzungsgeschichte: CAFÉ FANTASY – Folge 18

BANKSY
Anton von der Antifa noch ohne Sturmhaube und mit Mutter,

Anton von der Antifa wartete schon draußen: „Ich finde, Ihr solltet den Böhmen in Böhmisch-Rixdorf mal Bescheid sagen, dass sie ihre böhmische Heimat mal auf Vordermann bringen. Da sind ja nur 13% zur EU-Wahl gegangen und wollten sich zwischen Martin Schulz und Jean-Claude Juncker entscheiden. Wo gibt’s denn so was?!“

„Wir nehmen das zur Kenntnis, junger Mann“, antwortete Veronika Mewes-Fischer und machte sich eine entsprechende Aktennotiz. „Das europäische Volk muss einfach EU-näher werden.“

„Reicht es eigentlich nicht, wenn die EU ihre Betriebsräte betriebsintern wählt?“, dachte Aushilfskellner und Eismatscher Urs Bergner laut nach. „Das wäre doch viel preiswerter.“

Anton sah auf seine rot-grüne Swatch. „Ich muss jetzt weg nach Kreuzberg.“

„Viel Spaß noch“, wünschte ihm der Herrnhuter Diaspora-Prediger Weiz. Anton hatte ihn nicht wiedererkannt, weil Weiz in kein Antifa-Menschenbild passte. „Ich komme gerade von dort, hab mir den Wohnsitz eines Asylbewerbers angeguckt.“

„Ist ja krass!“ Anton machte große runde Antifa-Augen unter seiner Sturmhaube. „Waren Sie in der Gerhart-Hauptmann-Schule?“

Weiz schüttelte den Kopf. „Ich war an der Friedrichstraße 235, wo Adelbert von Chamisso gewohnt hat. Seine Familie musste vor den französischen Revolutionstruppen flüchten, als er neun Jahre alt war, und erlebte eine schlimme Odyssee durch mehrere Länder Europas, bis ihnen der preußische König das Bleiberecht gewährte. Chamissos Mutter hatte ihn angeschrieben deswegen und die Familie genoss einen guten Ruf, was man nicht von allen französischen Adligen behaupten konnte. – Ich hab hier eine Postkarte mitgebracht aus dem Hause WiTzel, der gute Mann veranstaltet Stadtteilführungen in Kreuzberg.“

Chamisso-Tafel.
Motiv meiner Postkarte zu Chamisso-Führungen. (Anm. Herbert-Friedrich WiTzel.)

Anton sah noch einmal auf seine Antifa-Swatch. „Jetzt muss ich aber los“, rief er, „sonst komme ich zu spät und nicht mehr ins Fernsehen.“

Nun war das angestammte Team wieder beisammen an Tisch drei vom CAFÉ FANTASY am Richardplatz. Nur Nadia fehlte. „Wo bleibt eigentlich Ihre Kollegin, Garçon?“, fragte Frau Mewes-Fischer.

„Nadia ist immer noch krankgeschrieben“, seufzte Urs und sein Herz tat ihm weh. Eine Sekunde lang bekam er ganz schwarze Augen, bis er seine Gefühle wieder weggedrückt hatte.

„Haben Sie Sehnsucht nach ihr, Garçon?“, fragte Frau Mewes-Fischer.

Er nickte andeutungsweise und wandte sich dann an Weiz: „Sie wollten uns doch weiter von Pastor Blumhardt und Gottliebin Dittus im Schwarzwald erzählen, Herr Diaspora-Prediger.“

„Ich will mal so sagen“, lachtete Weiz, „wenn du wissen willst, wie die Geschichte weitergeht, dann solltest du dir vielleicht dieses Buch kaufen:“

http://www.amazon.de/gp/product/B00KB3521I?adid=01M941AC68YPY074V8PR&camp=1410&creative=6378&creativeASIN=B00KB3521I&linkCode=as1&tag=kreuzbergarch-21

„Nun seien Sie mal nicht so, Herr Weiz“, murmelte Frau Mewes-Fischer. „Ich dachte, wir wollten das CAFÉ FANTASY werbefrei halten.“

„Ja, schon“, antwortete Weiz, „aber den Witzel kenn ich ganz gut, der ist doch unser Autor und hat das hier alles ausgebrütet. Da sollten wir schon eine Ausnahme machen.“

„OK“, nickte Veronika und Urs stimmte ihr und ihm zu.

Wird fortgesetzt, bald geht die Sache weiter.

Jetzt werben wir noch für Frank Toebs, den Entrümpler unseres Vertrauens:

Frank Toebs
entruemplung.de

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7. Besondere Schmakazie: jenes erwähnte Gedicht von Adelbert von Chamisso aus dem Jahre 1831 – die Wiedergabe dieses Gedichtes dient der Bildung, vier Abbildungen entnehmen wir ausgesprochen dankbar dem Goethezeitportal. (http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=3290) und eine aus Wikimedia.

Ansichtskarte-CHAMISSO.
Ansichtskarte aus dem Elsass, zirka 1912, Privatbesitz.

Das Riesenspielzeug

Burg Nideck ist im Elsaß der Sage wohlbekannt,
Die Höhe, wo vorzeiten die Burg der Riesen stand;
Sie selbst ist nun verfallen, die Stätte wüst und leer;
Du fragest nach den Riesen, du findest sie nicht mehr.

Einst kam das Riesenfräulein aus jener Burg hervor,
Erging sich sonder Wartung und spielend vor dem Tor,
Und stieg hinab den Abhang bis in das Tal hinein,
Neugierig zu erkunden, wie’s unten möchte sein.

Ansichtskarte-Chamisso.

Mit wen’gen raschen Schritten durchkreuzte sie den Wald,
Erreichte gegen Haslach das Land der Menschen bald,
Und Städte dort und Dörfer und das bestellte Feld
Erschienen ihren Augen gar eine fremde Welt.

Wie jetzt zu ihren Füßen sie spähend niederschaut,
Bemerkt sie einen Bauer, der seinen Acker baut;
Es kriecht das kleine Wesen einher so sonderbar,
Es glitzert in der Sonne der Pflug so blank und klar.

Pocci.

„Ei! artig Spielding!“ ruft sie, „das nehm‘ ich mit nach Haus.“
Sie knieet nieder, spreitet behend ihr Tüchlein aus
Und feget mit den Händen, was sich da alles regt,
Zu Haufen in das Tüchlein, das sie zusammenschlägt,

Das Riesenfräulein.

Und eilt mit freud’gen Sprüngen – man weiß, wie Kinder sind –
Zur Burg hinan und suchet den Vater auf geschwind:
„Ei Vater, lieber Vater, ein Spielding wunderschön!
So allerliebstes sah ich noch nie auf unsern Höhn.“

Der Alte saß am Tische und trank den kühlen Wein,
Er schaut sie an behaglich, er fragt das Töchterlein:
„Was Zappeliges bringst du in deinem Tuch herbei?
Du hüpfest ja vor Freuden; laß sehen, was es sei!.“

Das Riesen-Spielzeug.

Sie spreitet aus das Tüchlein und fängt behutsam an,
Den Bauer aufzustellen, den Pflug und das Gespann;
Wie alles auf dem Tische sie zierlich aufgebaut,
So klatscht sie in die Hände und springt und jubelt laut.

Der Alte wird gar ernsthaft und wiegt sein Haupt und spricht:
„Was hast du angerichtet? Das ist kein Spielzeug nicht!
Wo du es hergenommen, da trag es wieder hin!
Der Bauer ist kein Spielzeug, was kommt dir in den Sinn!

Sollst gleich und ohne Murren erfüllen mein Gebot;
Denn wäre nicht der Bauer, so hättest du kein Brot;
Es sprießt der Stamm der Riesen aus Bauernmark hervor;
Der Bauer ist kein Spielzeug, da sei uns Gott davor!“

Grengg-Riesenspielzeug.


Burg Nideck ist im Elsaß der Sage wohl bekannt,
Die Höhe, wo vor Zeiten die Burg der Riesen stand;
Sie selbst ist nun verfallen, die Stätte wüst und leer;
Und fragst Du nach den Riesen, du findest sie nicht mehr.

So, Ihr Lieben, dies war WiTzels Tagblatt Nr. 98. – Hab mich gefreut, dass Sie hier waren! 🙂

 

 

 

 

 

 

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