Sonntag, 1. Juni 2014 – WiTzels Tagblatt Nr. 100

Sonntag, 1. Juni 2014

  1. Tagesmusik a) für Sonntag und b) Marke Eigenbau;
  2. Bild des Tages: das Konzert;
  3. Spruch zum Tage von WALTHER;
  4. Kalendergeschichte, diesmal aus Heidelberg und zurück;
  5. Vorlesung, diesmal LIVE von der MS Austria;
  6. Fortsetzungsgeschichte CAFÉ FANTASY.
  7. Hallo, Mädels! Heute mit besonderer Schmakazie: Müllbeutelbeutel von Blanca.
Müllbeutelbeutel.
Aus Blancas kleinekleinigkeitenBLOG.

= = =

MONTAG ist Tagblatts Ruhetag, übrigens, weil ich abends Geräusche mache mit Stimmband und Gitarre. Wir sehen uns dann um 19 Uhr in Lankwitz:

Mo_2-6-Lankwitz

Mit KLICK geht’s hier zum Wo und Wann.

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1. Ton ab

a) für ein starkes Stück zum Sonntag:

 

 

b) für mein Promotion-Video (pioniermäßiger Vierfarb-Tonfilm):

Erwin der Vampir. 

= = =

S;=)

Dankeschön dafür an Frank Toebs:

Frank Toebs
entruemplung.de

2. Bild des Tages:

 

Abbate_Konzert.
Nicolò dell‘ Abbate: Konzert (1550), Fresko auf Leinwand.

Na, das gefällt mir. Mal sehen, wie es Montag abend in Lankwitz wird.

= = =

S;=)

3. Spruch zum Tage:

Wer gab dir, Minne, die Gewalt,
daß du so ganz allmächtig bist?
Du siegtest über jung und alt,
und gegen dich hilft keine List.

WALTHER VON DER VOGELWEIDE (1172 bis 1230).

= = =

S;=)

4. Kalendergeschichte vom Studenten aus Heidelberg:

Wo bleibt das Geld?

Student aus Heidelberg an seinen Vater.

Hier!

Antwort des Vaters.

= = =

5. Vorlesung http://volkslesen.tv/19-12-die-crew-der-ms-austria-monika-peetz/

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6. Fortsetzungsgeschichte: CAFÉ FANTASY – Folge 19.

Die Tür flog mal wieder auf wie schon so oft und herein trat aus seiner Zeit- und Warteschleife der Herrnhuter Diaspora-Prediger Weiz. „Grüß Gott!“, rief er und setzte sich an Tisch drei zu Frau Veronika Mewes-Fischer und dem Eismatscher und Aushilfskellner Urs Bergner.

„Wenn Sie jetzt nicht endlich die Geschichte der Gottliebin Dittus weitererzählen, Herr Diaspora-Prediger, dann werden Sie hier nicht bedient“, drohte Urs.

„Die Jugend von heute wird ja wirklich immer frecher“, murmelte Weiz und hub an zu erzählen, woraufhin Bergner ihm ein Käffchen servierte, schwarz mit Milch.

„Die Poltergeräusche in der Brunnengasse 3 lie­ßen sich nicht länger verheimlichen und wurden in Möttlingen zum öffentlichen Ärgernis.
Am Sonntag vormittag hatte Blumhardt singen lassen: ‚Ein feste Burg ist unser Gott‘, und tatsächlich wirkte das Pfarrhaus jetzt wie eine Burg.
Am Sonntag nachmittag kutschierte draußen Dr. Späth vorm offenen Fenster vorbei. Er rief so schal­lend laut, dass es auch die Nachbarn hörten ein­schließlich Schultheiß Kraushaar: ‚Gibt es in Möttlingen keinen Seelsorger, verdammt noch mal? Die kranke Gottliebin Dittus so allein liegen zu las­sen, das ist unmenschlich!‘
Doris schloss das Fenster. Blumhardt setzte sei­nen wetterfesten Pastorenhut aus schwarzem Filz auf.
‚Ich hab Angst um dich‘, seufzte Doris und legte ihm seinen ein Jahr alten Sohn Karl in den linken Arm, während das bald dreijährige Töchterchen Maria versuchte, den Papa am Hosenbein festzuhal­ten. Sie war das schönste Kind der Welt, wie Blum­hardt fand, obwohl ihm Karl genauso lieb war mit seinem klaren verständigen Blick und seiner see­lenvollen Heiterkeit. Aber Mädchen sind nun mal hübscher als Jungen. Er hielt Karl mit links an sei­nem Herzen fest und nahm mit der Rechten seinen dienstlichen Hut wieder ab. Das Privatleben hatte ihn wieder.
‚Vielleicht sollten wir von hier weggehen‘, schlug seine Frau vor.
‚Fragt sich nur, wohin, Doris‘, entgegnete Blumhardt, der auch schon daran gedacht hatte. ‚Amerika ist mir jedenfalls zu weit weg.‘
Bevor er nach Möttlingen kam, war er Pfarrgehil­fe in Iptingen gewesen, einem anderen Schwarz­walddorf. Hier hatte der Leineweber Johann Georg Rapp 1785 eine radikale Gemeinschaft ins Leben gerufen, die sich von der Landeskirche fern hielt und auf das Abendmahl bewusst verzichtete. Die ‚Rappisten‘ sahen die Gemeinschaft der Gläubigen in der Iptinger Kirche als eine Gemeinschaft der Lauen und Ungläubigen an, mit denen sie nichts zu tun haben wollten.
In Iptingen hatte Blumhardt es als Hilfsprediger sogar geschafft, dass sich viele der kirchenfernen Rappisten wieder zum Abendmahl in seinen Gottes­diensten versammelten. Er fühlte sich hier deshalb ausgesprochen wohl und angenommen und so sehr gebraucht, dass er zwischen Weiterkommen und Bleibenwollen hin und her gerissen war.
Schlussendlich wünschte er sich aber doch eine eigene Pfarrei, wollte mit seiner Verlobten Doris Köllner Hochzeit feiern und einen eigenen Haushalt gründen. Also bewarb er sich um offene Pfarrstel­len in den Gemeinden Aurich, Kocherstellten, Herbrechtingen, Balingen, Schwenningen, Franken­bach, Dürrenzimmern, Friolzheim, Simmozheim, und sammelte Absagebriefe von den zuständigen Dekanaten Vaihingen, Künzelsau, Heidenheim, Heil­bronn, Brackenheim, Leonberg und Calw: Nein und Nein und nochmals Nein.
In Möttlingen erwischte er dann endlich, endlich einen Tag der offenen Pfarrhaustür, denn die Mött­linger, die ihn aus Iptingen kannten, hatten Mitte des Jahres 1838 ihre Ratsältesten losgeschickt, mit Schultheiß Kraushaar vorneweg, und diese baten bei König Wil­helm I. von Württemberg persönlich um Blum­hardts Ernennung als Gemeindepfarrer, sozusagen über die Köpfe der Stuttgarter Kirchen­leitung hinweg. Diese Köpfe konnten dann des Kö­nigs Zustimmung Anfang Juli nur noch abnicken und vier Tage später eine Urkunde unterzeichnen, in der zu lesen stand:
‚Seine Königliche Majestät haben vermöge höchs­ter Entschließung vom 2. dieses Monats die evangeli­sche Pfarrei Möttlingen, Dekanat Calw, dem Pfarrgehilfen Blumhardt in Iptingen, Dekanat Knitt­lingen, gnädigst übertragen.
Pfarrer Blumhardt hat seine neue Stelle am 2. Au­gust dieses Jahres anzutreten und bezieht ab demsel­ben Tage das mit jener Stelle verbundene Jahreseinkommen 744 Gulden 0 Kreuzer.
Stuttgart, den 6. Julius 1838.
Das Präsidium des evangelischen Consistoriums.‘
Es folgen alle zuständigen Unterschriften, von denen die des Herrn Möller heute noch am klarsten zu lesen ist.
Den Oberkonsistorialrat Martin Möller suchte Pfarrer Blumhardt denn auch auf in Sachen Gottlie­bin Dittus und schilderte ihm diesen Fall.
Da saß er nun klein und gedrückt in einem der Besuchersessel des Herzoglich und königlich würt­tembergischen Konsistoriums und wartete auf eine vollmächtige Antwort im Geist und in der Wahrheit.
Möller schüttelte seinen von einem silbergrauen Haarkranz gekrönten Charakterkopf. ‚Kennen Sie die Geschichte von dem Mann, der in die Hölle kommt?‘
Blumhardt dachte nach. Neben diesem großge­wachsenen Stuttgarter Kleiderschrank wirkte der Möttlinger Dorfpfarrer wie ein abgebrochener Zwerg neben Rübezahl. ‚Meinen Sie jetzt den armen Lazarus?‘
Wieder schüttelte der Oberkonsistorialrat sein weises Haupt. ‚Nein, mein bester Blumhardt, Laza­rus landete doch in Abrahams Schoß, während der arme Reiche in der Hölle gequält wurde. Das wollen wir übrigens nicht zu oft zum Predigtthema machen, sonst verstören wir die Leute, die viel Geld haben.‘
Blumhardt schluckte.
‚Nun schauen Sie mal nicht so entsetzt‘, fuhr Möller fort. ‚Glauben Sie vielleicht, Ihre 744 Gulden Jahreseinkommen wachsen auf den Bäumen? Aber nun hören Sie erst mal zu, Blumhardt: Also, ein Mann kommt in die Hölle und der Teufel veranstal­tet mit ihm am ersten Tag eine Ortsbesichtigung. In der Hölle sieht es aus wie überall, stellt der Mann fest. Schließlich kommen sie an eine Tür mit einem Guckloch und als der Mann durch das Loch guckt, da sieht er einen Folterkeller, in dem Menschen mit glühenden Zangen gekniffen und in heißen Koch­töpfen gesotten werden und so weiter und so fort. ‚Was ist das denn?‘, fragt er den Teufel. ― ‚Das ist für die Katholiken‘, antwortet der Teufel, ‚die wollen das so.‘ — Wir sind aber keine Katholiken, mein lie­ber Blumhardt, und wir glauben auch nicht an irgendwelche Märchen aus dem Mittel­alter.‘
‚Aber der Teufel hat doch von Martin Luther auf der Wartburg das Tintenfass an den Kopf geworfen bekommen‘, protestierte Blumhardt. Er hatte ei­gentlich gehofft, der Oberkonsistorialrat würde mit ihm gemeinsam für Gottliebin beten. Jedoch das einzige Gebet, nach dem Möller sich jetzt sehnte, war das Tischgebet. Er hatte einen rechtschaffenen Hunger.
‚Wir sind hier die Kirchenleitung in Stuttgart und kein Bibelkreis in irgendeinem Kuhdorf‘, knurrte er und sein Magen knurrte mit. ‚Kraft mei­nes Amtes als Mitglied des Präsidiums des Stuttgar­ter Konsistoriums untersage ich Ihnen alles, was auch nur im entferntesten mit Teufelsaustreibung zu tun hat und für Unruhe in Ihrem Kirchspiel Mött­lingen sorgen könnte.‘
Blumhardt bekam es nun tatsächlich mit der Angst. ‚Sie meinen, Sie verbieten mir das im Namen unse­res Königs?‘
‚Oder so‘, nickte Möller und bekam einen Schluckauf vor Begeisterung darüber, dass Blum­hardt weiß geworden war wie ein Tischtuch. Leut­selig fragte er: ‚Was ma-HUPPS-chen denn die HUPPS Kinder?‘
Blumhardt brauchte eine Weile, um sich zu fan­gen. Dann fing er an zu strahlen. ‚Hat man das Ma­riechen, dann vergißt man alles. Hat man den Buben, dann vergisst man wieder alles. Hat man beide, dann hat man gar nichts mehr zu vergessen.‘
Aber sowie er draußen war und vor dem Konsis­torium stand, erfasste den kleinen schwarzhaarigen furchtsamen Pfarrer eine bodenlose, nie ge­kannte Verzweiflung. In Möttlingen tobten die höllischen Fußvölker der Bosheit und der Finsternis und vom Stuttgarter Konsistorium wurde Blumhardt nun auch noch in den Rücken gefal­len.“

Wird fortgesetzt. Bald geht die Sache weiter!
S;=)

 

= = =

7. HALLO, MÄDELS! Besondere Schmakazie:

Müllbeutelbeutel.
Aus Blancas kleinekleinigkeitenBLOG.

Anklicken und AB GEHT DIE POST!

 = = =

So, das war WiTzels Tagblatt zum ersten mal im dreistelligen Bereich: 100 (einhundert) !

DANKE, dass Sie da waren.

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