Mittwoch, 11. Juni 2014 – WiTzels Tagblatt Nr. 107

Mittwoch, 11. Juni 2014

Zwei Termine dieser Woche sind WICHTIG! WICHTIG!! WICHTIG!!:

13-6-Neukölln_Abend.

Freitag in Schöneberg

und

Am_Schwarzen_Brett.

Sonnabend in Tempelhof.

So, das war die Werbung – und nun weiter im Text des redaktionellen Teils:

  1. Tagesmusik aus der Schweiz: „Oko Town“;
  2. Bild des Tages: „Die Erwartete“;
  3. Spruch zum Tage von FRIEDRICH NAUMANN;
  4. Kalendergeschichte, diesmal ein Gedicht von Johann Georg Fischer;
  5. Vorlesung, Joy Fielding;
  6. Fortsetzungsgeschichte CAFÉ FANTASY – Folge 21.
  7. Auflösung von gestern: Schachkomposition 002.

 

= = =

Nächsten MONTAG ist Tagblatts Ruhetag, übrigens.

= = =

1. Ton ab für die vier Schweizer Buchli-Brüder namens 77 Bombay Street und „Oko Town“:

 

= = =

S;=)

2. Bild des Tages:

Die Erwartete.
Ferdinand Georg Waldmüller: Die Erwartete (1860).

= = =

S;=)

3. Spruch zum Tage:

Der Kampf ums Dasein hat die Völker gelehrt, Panzertiere zu sein. Ohne schützenden Panzer sind sie wie Schalentiere ohne Schalen.

FRIEDRICH NAUMANN (1860 bis 1919), evangelischer Pfarrer und führender Demokrat in der Weimarer Nationalversammlung.

Naumann.
Max Liebermann: Friedrich Naumann.

= = =

S;=)

4. Kalendergeschichte:

 Wer weiß

Wer weiß, wenn ihm ein Glück geboren,
Wie reich der Himmel ihn begabt?
Erst wenn du alles hast verloren,
Dann weißt du, was du lieb gehabt.

Kein Herz mag seinen Schatz ermessen,
So lang er ihm gegeben ist,
Und du erfährst, was du besessen,
Wenn du ganz verlassen bist.

JOHANN GEORG FISCHER (1816 bis 1897).

= = =

5. Vorlesung http://volkslesen.tv/46-11-retter-und-helfer-in-coburg-joy-fielding/

 

= = =

6. Fortsetzungsgeschichte: CAFÉ FANTASY – Folge 21

Wir fangen diesmal an mit einem Zitat und schreiben dann frei von der Leber weg:

Mobilität ist zentrale Voraussetzung für wirtschaftliches Wachstum, Beschäftigung und Teilhabe des Einzelnen am gesellschaftlichen Leben.

BUNDESMINISTERIUM FÜR VERKEHR UND DIGITALE INFRASTRUKTUR. (http://www.bmvi.de/SharedDocs/DE/Artikel/B/betriebskindertagesstaette-des-deutschen-bundestages.html; abgerufen am 31. März 2014.)
Die Mobilität boomt im Neuköllner Immobilienhandel, da kann keiner meckern! Unser Haus z.B., das früher der GAGFAH gehört hat, ist inzwischen schon drei Mal weiterverkauft worden, nachdem aus der „Gemeinnützigen Aktien-Gesellschaft für Angestellten-Heimstätten“ die „GAGFAH Invest Group GmbH & Co. KG“ wurde. Der neue mobile Eigentümer hat als „S.á.r.l.“ (Société à responsabilité limitée) einen Briefkasten in Luxemburg. Und eine Straße weiter das Eckhaus gehört jetzt einem griechischen Rechtsanwalt. Er mobilisiert sein Geld lieber in Neukölln als vor seiner Haustür in Griechenland, wo alles so unsicher geworden ist.
Die Michels über mir im vierten Stock und ich, wir sind Neukölln-Deutsche und eher unbeweglich. Als wir beim mobilen Häuser-Monopoly unsere Mietwohnungen zum Schnäppchenpreis als Eigentumswohnungen angeboten kriegten, konnten wir mangels Mobilität leider nicht zuschlagen.
Heute morgen kamen wir ins Gespräch über Gott und die Welt und das Wetter.
„Unsere Schöpfung wurde logistisch viel besser durchgeplant als sämtliche Revolutionen“, erklärte mir Vater Michel. „Gott ist grundsätzlich ein Revolutionär des Guten. Er schuf die Welt als Kugel, damit kein Mensch an den Rand gedrängt werden kann oder im Abseits steht wie beim Fußball.“
Ich nickte. Er dagegen schüttelte auf einmal den Kopf und widersprach sich dann selbst wie eine launische verwöhnte Frau: „Wer heute noch den Galileo-Galilei-Glauben hegt und pflegt, dass die Erde rund sei und sich um die Sonne drehe und dass der Mensch in Neukölln und anderswo das Maß aller Dinge wäre, der war noch nie auf jener anderen Seite der Scheibenwelt zu Besuch, wo die WWM in ihrer Parallelgesellschaft wohnen.“
„WWM?“, stellte ich etwas belämmert eine Verständnisfrage.
„Ich meine die Wirklich Wertvollen Menschen mit ihrer abgeschotteten Kindertagesstätte, deren Dach aussieht wie eine volle Mutterbrust im praktischen Zweierpack“, erklärte er mir. „Solche Leute bekommen nur Prädikat:-Wertvoll-Kinder und die bringt ihnen ihr Kollege Dr. Klapperstorch.“ (Anmerkung des Verfassers: Jedenfalls durfte er bei Redaktionsschluss seinen Doktortitel noch führen.)
Die Michels können sich das alles nicht leisten und sind so arm, dass sie ihre Kinder selber machen. Obwohl wir diese Beschäftigung doch den Zuwanderern überlassen sollen, damit wir endlich ein 100%ig „ausgedünntes Volk“ werden, von dem Joschka Fischer träumt im Grunewald in seiner Villa, die er der Kommunistischen Bausparkasse Westdeutschland (KBW) zu verdanken hat.
Weil Michels so frech sind und ihre Kinder sich die falschen Eltern herausgesucht haben, deshalb leben sie auch nicht im schwarzrotgoldgrünen A-Bereich, sondern auf der grauen B-Seite unserer schönen neuen Scheibenwelt. Immerhin gibt es einen heißen Verbindungsdraht zwischen A und B durch unsere Finanzämter, die ja tatsächlich eine ausgesprochen bürgernahe Einrichtung sind. Sie sammeln das Taschengeld für Papa Staat ein. Pardon, es muss natürlich Mama Staat heißen.
Vater Michel hat letzten Donnerstag einen auf „mobil“ gemacht, ist hingegangen zum gesellschaftlichen Lebensraum auf der A-Seite der Scheibenwelt und hat vorgeschlagen, die Steuern in „Schutzgeld“ umzubenennen, weil er und seine Frau das Geld berappen, damit sie und ihre selbstgemachten Kinder vor Gewalttätern, Räubern, Taschendieben und lüsternen Lehrern geschützt werden.
Da mussten die wirklich wertvollen Menschen aber so laut lachen, dass Norman Fosters Käseglocke wackelte, denn sie schützen ja keine „Steuerbürger“, sondern DEN EURO, oder sagen wir mal lieber DIE €uros, weil: Einige haben mehrere davon.
„Wir sind hier gegen jede Diskriminierung von Kriminellen”, sprach Mama Staat mit ernstem Gesicht, nachdem sich „unsere“ Diäten-Räte wieder beruhigt hatten. „Und diese Gewaltbereitschaft bestimmter Bevölkerungsgruppen müssen wir eben aushalten.“ Mit „wir“ meint sie allerdings nicht sich und ihre Kameradschaft, sondern uns als Handelsklasse Zwo auf der Halbwertseite der Demarkationslinie, zu doof für jede Volksabstimmung, wenn es ums Geld geht. Und um Geld geht es in der Politik schließlich immer.
„Sie meinen“, murmelte Michel verdattert, „mein Sohn soll sich im Zweifelsfall zertreten lassen wie Jonny K. und wir haben das dann hinzunehmen wie die Mauertoten am antifaschistischen Schutzwall?“
Mama Staat nickte. „Es sind Kollateralschäden des Schengen-Friedens“, sagte sie. „Und wenn Ihnen irgendwas nicht passt, dann wenden Sie sich bitte an den Petitionsausschuss. Ich muss jetzt dringend weg und in der Ukraine den neuen AMAZON-Intershop eröffnen, ich meine natürlich Internet-Shop. Guten Tag!“
„Petitionssausschuss“, echote Hempel, „ist das dieses Krähennest, von dem aus sie nur die unteren und mittleren Dienstgrade anscheißen und ansonsten alles abfangen, damit den andern Krähen in luftiger Höhe kein Auge ausgehackt wird?“
Aber bevor er noch das Tüpfelchen unterm Fragezeichen ausgesprochen hatte, war Mama Staat schon weg und zeigte als Geldschützerin den Russen erst mal, wo der deutsche Hammer hängt zur €urodollar-Sichel, die schon aufs Ernten wartet.
Nun müssen wir Missverständnisse vermeiden, liebe Leserinnen und Leser: Mama Staat schützt nicht „unser“ Geld, das wir zum Einkaufen brauchen, sondern Mama Staat schützt das Geld, das zum Wuchern benutzt wird. Unser Einkaufsgeld unterscheidet sich vom Wuchergeld wie Körperzellen von Krebszellen. Wuchernde Tumore gehen dabei in Mitteleuropa kein Risiko ein, denn wenn sie wirklich mal vor lauter Gier mit ihrem Geld daneben wuchern und vom Organismus runterfallen, dann werden sie mit unserem Geld wieder angenäht.
Seit Herrn Raiffeisen und seinen Genossenschafts-Banken brauchen wir diese Tumore eigentlich gar nicht mehr. Wir haben eine „Good Bank“, deshalb könnten uns „Bad Banks“ als Bedarfsgemeinschaften und HARTZ-4-Empfänger großen Stils gestohlen bleiben. Doch da sind die Lehman Brüssel Brothers vor und der deutsche Geldschutz will sich natürlich auch nicht lumpen lassen. Ob €URO, Halbmond oder Dollarzeichen – die Eierköpfe unter der fetten Henne nicken alles, was wuchert, ab wie ihre nächste Diätenerhöhung.
Während Vater Michel sich wieder auf den Heimweg machte von „unserem“ Bundestag in seine Bundesnacht, ertönte hinter ihm stressfreier Schunkelgesang:
“Wir verkaufen Michels Enkel sein klein Häuschen, sein klein Häuschen, sein klein Häuschen./Wir verkaufen Michels Enkel sein klein Häuschen,/Und die Zukunft und den Arbeitsplatz dazu!”
Er blieb stehen und fragte die Frau Wannek vom Wachschutz, was das nun wieder zu bedeuten habe.
„Heute ist Bunter Abend für Intensivbänker“, erklärte sie ihm. „Unsere Regierung will doch die kundenfreundlichste deutsche Regierung aller Zeiten werden.“
„Nun denn“, brummte Michel, „da kann ich ja wohl nur noch rufen: Toi, toi, toi!“

S;=)

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7. Auflösung des Schachproblems von gestern

Schachkomposition 002
Veröffentlicht 1849; der Autor war ein Autor im wahrsten Sinne des Wortes: Alfred de Musset. Er gehörte zu den leidenschaftlichsten Pariser Kaffeehaus-Schachspielern.

-002-
Weiß ist dran – Matt in drei Zügen.

Übrigens besagt die Theorie, dass mit zwei Springern kein Matt auf dieser Erde erzwingbar ist. Doch der Praktiker Musset hat sich nicht darum gekümmert.
Sind Sie ein Theoretiker oder ein Praktiker?
===
Auflösung:
Ein turmgroßes Opfer macht den Weg frei: 1.Td7! Sxd7. 2.Sc6 ~ Schwarz kann es jetzt halten wie die Witwe Bolte, denn die machte, was sie wollte. Die schwarze Show ist gelaufen und der Vorhang fällt mit 3.Sf6#.

(Quelle: Ehn/Kastner, „Schachkompositionen“, Hannover 2013. – Redaktionell bearbeitet von Herbert-Friedrich Witzel.)

= = =

PS: EMPFEHLUNG – Falls Sie irgendwo in Berlin irgendwas abholen lassen und loswerden wollen, das macht Frank Toebs.

Frank Toebs
entruemplung.de
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