Emse Bremse und Olle Ihmchen (24)

Olle Ihmchen hat inzwischen seinen P-Schein gemacht und verdient sich ein paar zusätzliche Schrippen als Taxifahrer. Neulich fährt er einen weißhaarigen alten Herren vom Flughafen Tegel aus durch die Stadt. Sein Fahrgast schaut sich unterwegs interessiert um und fragt: „Was ist denn das für eine lange Stange mit der Kugel dran, die gab’s doch früher nicht in Berlin – ist das eins von diesen neuen Minaretten oder Bajonetten oder wie diese Dinger heißen, die jetzt überall unterm EURO-Schutzschirm wie Morcheln aus dem Boden sprießen?“

Markenblock-Fernsehturm
© Christel von der Post.

– „Nee, noch nich“, antwortet Olle Ihmchen, „det is unsa Fernsehturm. Sie waren wohl lange nich hier, wa?“

– „Nein, stimmt“, gibt der Greis zu. „Ich bin Jude, wissen Sie, und 1933, als ich noch ein kleener Piepel war, da sind meine Eltern aus Berlin rüber in die USA nach Pennsylvania. Jetzt bin ich zum ersten Mal wieder hier in meiner Geburtsstadt.“

– „Na ja“, sagt Olle Ihmchen, „ville ham Se nich versäumt.“

😉

 

Emse Bremse und Olle Ihmchen (23)

Also neulich, als bei Emse Bremses Frau Erna die Wehen einsetzten, da brauchte er sie natürlich sofort zum sozialhydraulischen Gender Tender Arbeitskreis „Be Berlin“, … sollte ein Scherz sein – er brachte sie zum Kreißsaal vom Rudolf-Virchow-Krankenhaus und wanderte im Wartezimmer auf und ab wie eine Lawine, bis ihm endlich, endlich Lernschwester Käthe das Neugeborene brachte.

RVK
Rudolf-Virchow-Krankenhaus in Berlin Wedding. Foto: Wiki; Urh.: Lichtjäger.

– „Hipp Hop Hurra“, freut sich Emse Bremse, „es ist ein Junge!“

– „Nein, es ist ein Mädchen“, sagt die Schwester, „und jetzt lassen Sie bitte meinen kleinen Finger los.“

😉

Emse Bremse und Olle Ihmchen (22)

Olle Ihmchen nimmt die neue Flamme zum ersten Mal mit in seine Wohnung zum Abwarten und Tee trinken. Er legt die CD mit den heißen Love Songs auf, geht in die Küche von wegen Teewasser aufsetzen und schaltet den Tauchsieder ein. Funken sprühen. Plötzlich geht das Licht aus.

Dunkeltuten
– „Nanu?“, ruft sie aus dem Wohnzimmer, „Olle Ihmchen, was ist denn jetzt los?“
Er: „Ich hab einen Kurzen.“
Sie: „Aber deswegen brauchst du dich doch nicht zu schämen und das Licht auszumachen.“

😉

Emse Bremse und Olle Ihmchen (21)

Dem Leben auf der Spur – Olle Ihmchen trifft Emse Bremse in der durchaus sehenswerten Dauerausstellung des Berliner Medizinhistorischen Museums der Charité.

Charité
Berliner Charité um 1740: Nosocomium regium militare majus quod a charitate nomen habet = Das große königliche Militärhospital, das seinen Namen von der Barmherzigkeit („a c(h)aritate“) hat. Bild: Wikipedia.

„Ick hab jehört, Emse Bremse“, sagt Olle Ihmchen, „du hast neulich so ’ne Nahtod-Erfahrung jehabt und selber inne Charité im Koma jelegen? Wie war denn det? Haste och ’n helles Licht jesehen oda so?“

– „Nee, kann ick nich sagen“, antwortet Emse Bremse. „Bei mir war det so: Als ich wieder zu Bewusstsein und zurück ins Leben kam, da hat Erna, was meine Frau ist, ihr schwarzes Kleid ausgezogen und gesagt: ‚Auf dich kann man sich aber auch nie verlassen.'“

😉

Emse Bremse und Olle Ihmchen (20)

Dieses Mal bleibt Olle Ihmchen außen vor, denn wir spielen Mäuschen beim Ehepaar Emse und Erna Bremse, aber nicht im Schlafzimmer, wie das gestern noch im Zeitalter der Obszönität modern war, sondern im Auto. Emse Bremse vergaß am Morgen Ernas Geburtstag, deswegen hängt heute der Haussegen schief. Zum Ausgleich hat er sie zu WitZels Buntem „Rock’n’Read“-Abend in RAUM B eingeladen und kurvt nun schon eine Viertelstunde lang um den Block, weil er keinen Parkplatz findet.

„Das sieht dir mal wieder ähnlich“, säuselt die immer noch etwas missgestimmte Erna. „Alle finden einen Parkplatz, nur du nicht.“

😉

PS: Das war natürlich alles nur ein Scherz zur allgemeinen neuköllnischen Bevölkerungsbelustigung – wer sich zu WitZels Gute-Laune-Veranstaltungen auf den Weg macht, der braucht höchstens einmal um den Block zu fahren und findet garantiert einen Parkplatz. Der Landwehrkanal ist auch nicht weit weg, wir sind also dito auf dem Wasserweg erreichbar, und wenn Flughafen Tempelhof erst wieder eröffnet ist, dann auch aus der Luft mit dem „Überflieger Marke Messerschmitt“, um hier mal aus meinem Lied „Hallo, Tänzerin durch die Galaxis!“ zu zitieren.

Tempelhof
Foto: Wiki; Beschriftung: WitZels Worttransport.

Emse Bremse und Olle Ihmchen (19.a)

(Emse Bremse und Olle Ihmchen Nr. 19 hab ich rausgeschmissen, weil: hat nix getaugt. – Das hab ich aber erst drei Tage später geblickt. HeWi.)

Ansichtskarte-Neukölln
Design: WitZels Worttransport. Fotos: Wiki (groß); Lothar Schneeberger (Detail). „Ansichtskarten sind Ansichtssache.“ OSCAR WILDE.

„Na, Olle Ihmchen, fragt Emse Bremse, als sie sich in Neukölln am Hermannplatz begegnen, „kommst du gerade vom Angeln, mit diesem Haken im Ohrläppchen?“

Olle Ihmchen schüttelt den Kopf. „Nein, ich war gerade Urban Gardening. Der Silberhaken ist mein neues Piercing.“

– „Urban Ga…ga?“ Emse Bremse wundert sich. „Was ist das denn?“

– „Gärtnern in der Stadt. Wir reden doch jetzt alle EUnglisch, das ist voll angesagt. Angeln geh ich heute nachmittag, Urban Fishing, das kannste dir schon mal ins Vokabelheft schreiben. Aber jetzt geh ich hier bei Karstadt erst mal Shopping. Und wenn ich Shopping gemacht hab, dann leg ich mich zu Hause in der Urbanstraße auf meine Terasse.“
– „Was denn“, staunt Emse Bremse, „deine Freundin Therese haste jetzt auch umbenannt?“

Emse Bremse und Olle Ihmchen (18)

Olle Ihmchen und Emse Bremse wollten sich das natürlich nicht entgehen lassen, als der Reichstag schon mal probehalber zwei Minarette aufgesetzt bekam.

Reichstag_mit_Probeminaretten
Reichs- bzw. Bundes- bzw. EU-Dienstbotentag mit Probeminaretten. Foto: Wikipedia.

„Schade eigentlich, dass unsere Volksvertreter nicht so richtig gut Fußball spielen, wa“, brummt Emse Bremse.

– „Warum det denn?“, will Olle Ihmchen wissen.

– „Na, denk bloß mal, wir könnten die von Berlin weg außer Haus vakoofen, jede Nase unter Norman Fosters Käseglocke fürn paar Millionen an Juventus Turin oda VfL Wolfsburg zum Mitnehmen oda alle 631 zusamm‘ als Komplettpaket an die Katar Kickers oda wie die heißen“, sagt Emse Bremse. „Det wär doch wat, un denn könnten wa von det Jeld och ma wieda paar andere Schulen sanieren als bloß imma die Gerhart Haupmann Schule.“

Olle Ihmchen schüttelt den Kopf. „Mit Gerhard Schröder nach Russland ging det Vakoofen ja noch, aba uff die Euro-Schutztruppe von heute wern wa wohl sitzen bleiben …“

😉

Emse Bremse und Olle Ihmchen (17)

Neulich waren Olle Ihmchen und Emse Bremse beim Neuköllner Kegelabend im EU-Treff „Alle Neune“. Der heißt so, weil unsere Heimat das große Glück hat, von neun EU-Ländern umgeben zu sein, die alle nur unser Bestes wollen, nicht wahr, z.B. unsere Autos, unsere Arbeitsplätze und unsere Immobilien. Nur unsere Volksvertreter, diese Fachkräfte dürfen wir behalten. Na, schönen Dank auch!

Kegelnde_Europäer

Illustration: Europäische Landschaft mit kegelnden Einheimischen.  Copyright: David Teniers d. J., 17. Jh.; Repro: (c) 2007 The Yorck Project.

Aber wie auch immer, Olle Ihmchen hat jedenfalls einen schlechten Tag und landet einen Nullwurf nach zwei andern, es war schon fast wie im Vorstand vom Berlin-Brandenburger Großflughafen Willy Wowereit.

Was in der Pulletik „BER“ heißt, nennen die Kegler „Pudel“ oder „Ratte“, je nach Gegend und Gebräuchen.

– „Ach, ick jloobe, es gibt auf der janzen Welt keenen, der noch schlechter kegelt als icke, wa“, seufzt er schließlich.

– „Kopf hoch, Olle Ihmchen“, tröstet ihn Emse Bremse. „Natürlich gibt es Leute, die noch schlechter kegeln als du, bloß die kegeln eben nicht.“

😉

 

Emse Bremse und Olle Ihmchen (16)

„Nun is die Abschlussprüfung ja bestanden, wa“, sagt Emse Bremse als Weisungsbefugter zu seinem Azubi Fritze Krawallsky, „und nu is das Lehrlingsdasein endgültig vorbei. Ab heute sag ich nich mehr Du zu dir, Fritze, sondern Sie. Und die Werkstatt brauchste nu auch nich mehr auszufegen und sauberzuhalten, Fritze. Das machen jetzt Sie, Herr Krawallsky.“

Lehrling
Illustration: Der neue Lehrling. Copyright: Ferdinand Georg Waldmüller 1854, Öl auf Holz, 48 × 61 cm [Repro: (c) 2007 The Yorck Project].
PS und Anmerkung HeWi: Hierzu fällt mir eine Geschichte aus meiner eigenen Zeit als Berufsausbilder ein. Damals hieß der dafür zuständige Senator in Berlin Klaus Böger (SPD) und verkündete in einer Rede, dass die türkischen Azubis heute gesellschaftspolitisch gesehen genauso eine soziale Neuheit seien wie kurz vor 1900 katholische Arbeitertöchter, wenn sie einen Beruf lernten. – Daraufhin hab ich ihm einen Brief geschrieben und nachgefragt, ob er mir eine katholische Arbeitertochter nennen könne, die kurz vor 1900 wegen Gewalttätigkeit von der Berufsschule geflogen ist. Der Brief ging wohl auf dem Dienstweg verschütt, deshalb hab ich nach drei Monaten noch einen zweiten hinterhergeschickt.

Eine Antwort hab ich nie bekommen. Humor ist, wenn man trotzdem lacht über SchwarzRotGelbGrün in der kopflosen Hauptstadt. 😉