Lese(vor)zeichen zum 13.4. [=Gründonnerstag]

Sie verliebte sich beim Tanzen in den Weinvertreter Michael Gottfried – so wurde aus Gesina die berüchtigte Gesche Gottfried, verwitwete Miltenberg, geborene Timm …

Lesezeichen ENGEL VON BREMEN
Hermann Syzygos: DER ENGEL VON BREMEN. – Das Buch zum Thema Gesche Gottfried erscheint am Gründonnerstag, 13.4.2017, denn bei Grün denken wir auch an Giftgrün, das arsenhaltige Schweinfurter Grün. Das ist die schlechte Nachricht – nun die gute: Am Gründonnerstag wird traditionell noch heute grünes Gemüse und Kräuter zum Essen gereicht. Dies verbindet das Fasten in der Karwoche und die Erinnerung an das letzte Abendmahl mit der Vorstellung, dass dadurch die Kraft des Frühlings und eine Heilwirkung für das ganze Jahr aufgenommen wird, die vor Krankheiten und Vergiftungen schützen soll.
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Sa., 22.4., 19 Uhr in Steglitz, Primobuch

Herzliche Einladung

zum Samstag abend, 22.4., 19 Uhr in Steglitz,

 Primobuch

Herderstr. 24 / Ecke Gritznerstr.
12163 Berlin (U-Bhf. Schloßstraße)
Tel. 030 70 17 87 15

– An dem Abend stelle ich zwei Autoren vor:

Zvonko Plepelić mit „Fakt ist – Gedichte zum Schunkeln“ und

Hans-Albert Wulf
Hans-Albert Wulf (Foto: Lothar Schneeberger).

Hans-Albert Wulf mit „FAUL! – Der lange Marsch in die kapitalistische Arbeitsgesellschaft“.

Das Ganze wird musikalisch begleitet von Joachim Gies: Mit seinem Saxophonspiel erschließt er differenzierte Klangstrukturen – zart, farbenreich, fragil. Auf seinem experimentellen Weg zum Horchen und Lauschen begegnen den Hörern überraschende Klangschichtungen.

KOMMT ALLE!

www.worttransport.de

EU-Tag

Für Carl Hatebur.

Vor 60 Jahren, am 25. März 1957,

wurden die Römischen Verträge unterzeichnet, die das Fundament der heutigen Europäischen Union bilden. Wenn wir dieses Jubiläum unserer gemeinsamen Geschichte feiern, dann gehört es auch dazu, nach vorn zu blicken und Fragen zur Zukunft dieser Union zu beantworten.

In den letzten Jahren konnten sich anscheinend immer weniger Bürger mit der Europäischen Union identifizieren. Nur verstärkte Völkerverständigung und eine weitere „Europäisierung“ ― die Verschiebung der nationalen zur kontinentalen Identität kann diese entstandene Kluft wieder überbrücken.

Europa nähert sich einem Wendepunkt und wir dürfen das Feld nicht den Schwarzsehern überlassen. „Ich habe noch nie einen Pessimisten nützliche Arbeit für die Welt tun sehen.“ Papst Johannes XXIII. (18811963.)

Alle Dinge sind leicht, wenn uns einer zeigt, wie es gemacht wird. Also haben Frankreichs Staatspräsident Charles de Gaulle und der deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer nach den Römischen Verträgen sichtbar Freundschaft geschlossen für ihre Völker.

Charles de Gaulle und Konrad Adenauer 1958.
Abbildung: Charles de Gaulle und Konrad Adenauer 1958 (Quelle: Bundesarchiv).

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Geschichte der Landesflaggen:

F+D

Weil de Gaulle länger war als Adenauer, bekam die Frankreichfahne Längsstreifen, und damit der schlanke Adenauer etwas breiter wirkte, wurde die bundesdeutsche Fahne im Breitbandver­fahren quer gestreift.

Mit diesem ersten Handschlag begannen geduldige Bemühungen und kleine Schritte in Richtung auf das gemeinsame Ziel: „Die Beschreibung der Realität ist die Beschreibung des Papiers.“

Einen weiteren Schritt unternahm Charles de Gaulle als französischer Staatspräsident durch seine ermutigende Ansprache bei der Kundgebung vor der deutschen Jugend in Schloss Ludwigsburg am 9. September 1962:

Sie alle beglückwünsche ich! Ich beglückwünsche Sie zunächst, jung zu sein. Man braucht ja nur die Flamme in Ihren Augen zu beobachten, die Kraft Ihrer Kundgebungen zu hören, bei einem jeden von Ihnen die persönliche Leidenschaftlichkeit und in Ihrer Gruppe den gemeinsamen Aufschwung mitzuerleben, um überzeugt zu sein, daß diese Begeisterung Sie zu den Meistern des Lebens und der Zukunft auserkoren hat.

Ich beglückwünsche Sie ferner, junge Deutsche zu sein, das heißt Kinder eines großen Volkes. Jawohl, eines großen Volkes, das manchmal, im Laufe seiner Geschichte, große Fehler begangen hat. Ein Volk, das aber auch der Welt fruchtbare geistige, wissenschaftliche, künstlerische und philosophische Wellen gespendet und sie um unzählige Erzeugnisse seiner Erfindungskraft, seiner Technik und seiner Arbeit bereichert hat; ein Volk, das in seinem friedlichen Werk, wie auch in den Leiden des Krieges, wahre Schätze an Mut, Disziplin und Organisation entfaltet hat. Das französische Volk weiß das voll zu würdigen, da es auch weiß, was es heißt, unternehmens- und schaffensfreudig zu sein, zu geben und zu leiden.

Schließlich beglückwünsche ich Sie, die Jugend von heute zu sein. Im Augenblick, wo Sie in das Berufsleben treten, beginnt für die Menschheit ein neues Leben. Angetrieben von einer dunklen Kraft, auf Grund eines unbekannten Gesetzes, unterliegen die materiellen Dinge dieses Lebens einer immer rascheren Umwandlung. Ihre Generation erlebt es und wird es noch weiter erleben, wie die Ergebnisse der wissenschaftlichen Entdeckungen und der maschinellen Entwicklung die physischen Lebensbedingungen der Menschen tief umwälzen. Dieses wunderbare Gebiet jedoch, das Ihnen offensteht, soll durch diejenigen, die heute in Ihrem Alter stehen, nicht einigen Auserwählten vorbehalten bleiben, sondern für alle unsere Mitmenschen erschlossen werden. Sie sollen danach streben, daß der Fortschritt ein gemeinsames Gut wird, an dem jeder seinen Anteil hat, so daß er zur Förderung des Schönen, des Gerechten und des Guten beiträgt, überall und insbesondere in Ländern wie den unseren, die die Zivilisation machen; somit soll den Milliarden der in den Entwicklungsländern Lebenden dazu verholfen werden, Hunger, Not und Unwissenheit zu besiegen und ihre volle Menschenwürde zu erlangen.

Das Leben in dieser Welt birgt jedoch Gefahren. Sie sind umso größer, als der Einsatz stets ethisch und sozial ist. Es geht darum zu wissen, ob im Laufe der Umwälzungen der Mensch zu einem Sklaven in der Kollektivität wird, oder nicht; ob es sein Los ist, von dem riesigen Ameisenhaufen angetrieben zu werden, oder nicht; oder ob er die materiellen Fortschritte völlig beherrschen kann und will, um damit freier, würdiger und besser zu werden.

Darum geht es bei der großen Auseinandersetzung in der Welt, die sie in zwei getrennte Lager aufspaltet und die von den Völkern Deutschlands und Frankreichs erheischt, dass sie Ihrem Ideal die Treue halten, es mit ihrer Politik unterstützen und es, gegebenenfalls, verteidigen und ihm kämpfend zum Sieg verhelfen.

Diese jetzt ganz natürliche Solidarität müssen wir selbstverständlich organisieren. Es ist dies Aufgabe der Regierungen. Vor allem müssen wir ihr aber einen lebensfähigen Inhalt geben, und das soll insbesondere das Werk der Jugend sein. Während unsere beiden Staaten die wirtschaftliche, politische und kulturelle Zusammenarbeit fördern werden, sollte es Ihnen und der französischen Jugend obliegen, alle Kreise bei Ihnen und bei uns dazu zu bewegen, einander immer näher zu kommen, sich besser kennenzulernen und engere Bande zu schließen.

Die Zukunft unserer beiden Länder, der Grundstein, auf dem die Einheit Europas errichtet werden kann und muß, und der höchste Trumpf für die Freiheit der Welt bleiben die gegenseitige Achtung, das Vertrauen und die Freundschaft zwischen dem französischen und dem deutschen Volk.“

[Quelle: Bulletin des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung Nr. 168 vom 11. September 1962, S. 1426f.]

Am 22. Januar 1963, unterzeichneten Konrad Adenauer und Charles de Gaulle den Élysée-Vertrag, mit dem die Freundschaft zwischen beiden Ländern und Völkern besiegelt wurde. Damit dieser Vertrag nicht rückgängig gemacht werden kann, setzte Adenauer, „der alte Fuchs“, die Form einer völkerrechtlich verbindlichen Übereinkunft durch. 

Es würde kein Europa geben, wenn nicht diese wirkliche Aussöhnung zwischen Frankreich und Deutschland vorangegangen wäre. Alle die europäischen Institutionen, die wir bisher schon geschaffen haben, wären undenkbar ohne eine Zusammenarbeit zwischen Frankreich und Deutschland. Ich bin fest davon überzeugt, daß dieser Vertrag später einmal von der Geschichtsschreibung als eines der wichtigsten und wertvollsten Vertragswerke der Nachkriegszeit bezeichnet werden wird.“ (Bundeskanzler Konrad Adenauer am nächsten Tag in einer Fernsehansprache [23. Januar 1963].)

 

Wir bleiben dran.