EU-Tag

Für Carl Hatebur.

Vor 60 Jahren, am 25. März 1957,

wurden die Römischen Verträge unterzeichnet, die das Fundament der heutigen Europäischen Union bilden. Wenn wir dieses Jubiläum unserer gemeinsamen Geschichte feiern, dann gehört es auch dazu, nach vorn zu blicken und Fragen zur Zukunft dieser Union zu beantworten.

In den letzten Jahren konnten sich anscheinend immer weniger Bürger mit der Europäischen Union identifizieren. Nur verstärkte Völkerverständigung und eine weitere „Europäisierung“ ― die Verschiebung der nationalen zur kontinentalen Identität kann diese entstandene Kluft wieder überbrücken.

Europa nähert sich einem Wendepunkt und wir dürfen das Feld nicht den Schwarzsehern überlassen. „Ich habe noch nie einen Pessimisten nützliche Arbeit für die Welt tun sehen.“ Papst Johannes XXIII. (18811963.)

Alle Dinge sind leicht, wenn uns einer zeigt, wie es gemacht wird. Also haben Frankreichs Staatspräsident Charles de Gaulle und der deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer nach den Römischen Verträgen sichtbar Freundschaft geschlossen für ihre Völker.

Charles de Gaulle und Konrad Adenauer 1958.
Abbildung: Charles de Gaulle und Konrad Adenauer 1958 (Quelle: Bundesarchiv).

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Geschichte der Landesflaggen:

F+D

Weil de Gaulle länger war als Adenauer, bekam die Frankreichfahne Längsstreifen, und damit der schlanke Adenauer etwas breiter wirkte, wurde die bundesdeutsche Fahne im Breitbandver­fahren quer gestreift.

Mit diesem ersten Handschlag begannen geduldige Bemühungen und kleine Schritte in Richtung auf das gemeinsame Ziel: „Die Beschreibung der Realität ist die Beschreibung des Papiers.“

Einen weiteren Schritt unternahm Charles de Gaulle als französischer Staatspräsident durch seine ermutigende Ansprache bei der Kundgebung vor der deutschen Jugend in Schloss Ludwigsburg am 9. September 1962:

Sie alle beglückwünsche ich! Ich beglückwünsche Sie zunächst, jung zu sein. Man braucht ja nur die Flamme in Ihren Augen zu beobachten, die Kraft Ihrer Kundgebungen zu hören, bei einem jeden von Ihnen die persönliche Leidenschaftlichkeit und in Ihrer Gruppe den gemeinsamen Aufschwung mitzuerleben, um überzeugt zu sein, daß diese Begeisterung Sie zu den Meistern des Lebens und der Zukunft auserkoren hat.

Ich beglückwünsche Sie ferner, junge Deutsche zu sein, das heißt Kinder eines großen Volkes. Jawohl, eines großen Volkes, das manchmal, im Laufe seiner Geschichte, große Fehler begangen hat. Ein Volk, das aber auch der Welt fruchtbare geistige, wissenschaftliche, künstlerische und philosophische Wellen gespendet und sie um unzählige Erzeugnisse seiner Erfindungskraft, seiner Technik und seiner Arbeit bereichert hat; ein Volk, das in seinem friedlichen Werk, wie auch in den Leiden des Krieges, wahre Schätze an Mut, Disziplin und Organisation entfaltet hat. Das französische Volk weiß das voll zu würdigen, da es auch weiß, was es heißt, unternehmens- und schaffensfreudig zu sein, zu geben und zu leiden.

Schließlich beglückwünsche ich Sie, die Jugend von heute zu sein. Im Augenblick, wo Sie in das Berufsleben treten, beginnt für die Menschheit ein neues Leben. Angetrieben von einer dunklen Kraft, auf Grund eines unbekannten Gesetzes, unterliegen die materiellen Dinge dieses Lebens einer immer rascheren Umwandlung. Ihre Generation erlebt es und wird es noch weiter erleben, wie die Ergebnisse der wissenschaftlichen Entdeckungen und der maschinellen Entwicklung die physischen Lebensbedingungen der Menschen tief umwälzen. Dieses wunderbare Gebiet jedoch, das Ihnen offensteht, soll durch diejenigen, die heute in Ihrem Alter stehen, nicht einigen Auserwählten vorbehalten bleiben, sondern für alle unsere Mitmenschen erschlossen werden. Sie sollen danach streben, daß der Fortschritt ein gemeinsames Gut wird, an dem jeder seinen Anteil hat, so daß er zur Förderung des Schönen, des Gerechten und des Guten beiträgt, überall und insbesondere in Ländern wie den unseren, die die Zivilisation machen; somit soll den Milliarden der in den Entwicklungsländern Lebenden dazu verholfen werden, Hunger, Not und Unwissenheit zu besiegen und ihre volle Menschenwürde zu erlangen.

Das Leben in dieser Welt birgt jedoch Gefahren. Sie sind umso größer, als der Einsatz stets ethisch und sozial ist. Es geht darum zu wissen, ob im Laufe der Umwälzungen der Mensch zu einem Sklaven in der Kollektivität wird, oder nicht; ob es sein Los ist, von dem riesigen Ameisenhaufen angetrieben zu werden, oder nicht; oder ob er die materiellen Fortschritte völlig beherrschen kann und will, um damit freier, würdiger und besser zu werden.

Darum geht es bei der großen Auseinandersetzung in der Welt, die sie in zwei getrennte Lager aufspaltet und die von den Völkern Deutschlands und Frankreichs erheischt, dass sie Ihrem Ideal die Treue halten, es mit ihrer Politik unterstützen und es, gegebenenfalls, verteidigen und ihm kämpfend zum Sieg verhelfen.

Diese jetzt ganz natürliche Solidarität müssen wir selbstverständlich organisieren. Es ist dies Aufgabe der Regierungen. Vor allem müssen wir ihr aber einen lebensfähigen Inhalt geben, und das soll insbesondere das Werk der Jugend sein. Während unsere beiden Staaten die wirtschaftliche, politische und kulturelle Zusammenarbeit fördern werden, sollte es Ihnen und der französischen Jugend obliegen, alle Kreise bei Ihnen und bei uns dazu zu bewegen, einander immer näher zu kommen, sich besser kennenzulernen und engere Bande zu schließen.

Die Zukunft unserer beiden Länder, der Grundstein, auf dem die Einheit Europas errichtet werden kann und muß, und der höchste Trumpf für die Freiheit der Welt bleiben die gegenseitige Achtung, das Vertrauen und die Freundschaft zwischen dem französischen und dem deutschen Volk.“

[Quelle: Bulletin des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung Nr. 168 vom 11. September 1962, S. 1426f.]

Am 22. Januar 1963, unterzeichneten Konrad Adenauer und Charles de Gaulle den Élysée-Vertrag, mit dem die Freundschaft zwischen beiden Ländern und Völkern besiegelt wurde. Damit dieser Vertrag nicht rückgängig gemacht werden kann, setzte Adenauer, „der alte Fuchs“, die Form einer völkerrechtlich verbindlichen Übereinkunft durch. 

Es würde kein Europa geben, wenn nicht diese wirkliche Aussöhnung zwischen Frankreich und Deutschland vorangegangen wäre. Alle die europäischen Institutionen, die wir bisher schon geschaffen haben, wären undenkbar ohne eine Zusammenarbeit zwischen Frankreich und Deutschland. Ich bin fest davon überzeugt, daß dieser Vertrag später einmal von der Geschichtsschreibung als eines der wichtigsten und wertvollsten Vertragswerke der Nachkriegszeit bezeichnet werden wird.“ (Bundeskanzler Konrad Adenauer am nächsten Tag in einer Fernsehansprache [23. Januar 1963].)

 

Wir bleiben dran.

 

 

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Emse Bremse und Olle Ihmchen (60)

Emse Bremse, seine Erna und Olle Ihmchen treffen sich diesmal in Schloss Britz bei der Rembrandt-Ausstellung.

Olle Ihmchen, du strahlst ja wie Osram – hattest du fünf Richtige im Lotto oder was?“, wundert sich Emse Bremse.

Ville, ville besser, wa“, lacht Olle Ihmchen, „ick hab jetzt einen Job bekommen als Umgrenzungsbewacher beim nächsten richtigen Sechser-Treffen der Gewinner, genannt G 6. So heißt G 8 jetzt, nachdem Putin ausgeladen und Merkel entmündigt wurde. Und genauso wie bei der G 7 auf Schloss Elmenau machen sie für den Schutz des Geländes mindestens 130 Millionen Euro locker bei der kommenden G 6.“

Elmenau

Hochsicherheitstbunker Schloss Elmenau, Dienstboteneingang für Angela Merkel und andere wirklich wertvolle Menschen; Foto lizenziert-unter-cc-by-sa-3-0-c3bcber-wikimedia-commons; Sicherheit finanziert von Steuergeldern (130.000.000 EUR für 7 Personen = über 18 Millionen Euro pro Pappnase, um es karnevalistisch zu formulieren.).

G Sex?“, wunderte sich Emse Bremse schon wieder.

Genau“, nickte Olle Ihmchen. „Die andern Länder wollen ihre Frauen und Mädchen vor sexuellen Übergriffen schützen, darum geht es.“

Wäre doch mal ganz schön, wenn wir auch so gut geschützt würden wie die Jungs und Mädels der G 6 bis 7″, seufzte Erna.

Aber du hast doch gehört, was Frau Merkel gesagt  hat“, mokierte sich Emse Bremse, Ernas Mann. „Für die einheimischen Jungs und Mädels und Frauen auf den billigen Plätzen des Staates ist es unmöglich, sie vor Übergriffen und Grenzüberschreitungen zu schützen. Das geht an der Staatsgrenze los und hört bei Leib und Leben und Privateigentum noch lange nicht auf.“

Genau so isses“, nickte Olle Ihmchen. „Der Juncker vom EU-Aufsichtsrat hat auch gesagt, wenn die Lkws und die Warenströme an den Grenzen wieder warten müssen, weil wieder wie früher kontrolliert wird, wer reinkommt, dann geht der Binnenmarkt kaputt und dann bräuchten wir ja gar keine EU und keinen Juncker mehr. Un det jeht einfach nich, wa.“

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Stimmt“, stimmte Erna zu, „det wäre zu schön, um wahr zu sein.“

Freitag, 23. Mai 2014 – WiTzels Tagblatt Nr. 92

Freitag, 23. Mai 2014

  1. Tagesmusik: „Vatta, aufstehn !!!“ (1970);
  2. Bild des Tages: Essen an der Ruhr;
  3. Spruch zum Tage von Jürgen von Manger;
  4. Kalendergeschichte, diesmal apokalyptisch;
  5. Vorlesung, Dschings Aitmatov (einer der stärksten Autoren des 20. Jahrhunderts für mich);
  6. Fortsetzungsgeschichte CAFÉ FANTASY am Richardplatz – Folge 13.
  7. Besondere Schmakazie mit Mr. Charlie zur Wirtschaftskrise nach dem Geld- und Goldrausch.
  • Charlie-Chaplin.
    Charlie Chaplin gibt uns einen Surf- und Lesetip für die Wirtschaftskrise bzw. für den Kater nach Geld- und Goldräuschen.

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Nächsten MONTAG ist Tagblatts Ruhetag, übrigens.

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Die Älteren unter uns, zu denen ich gehöre, kennen noch die Zeiten, als es keine EU und jede Menge Arbeit gab. Wenn Du einen Job loswurdest, dann bist Du einfach eine Tür weitergegangen, hast Dich vorgestellt und konntest morgen anfangen…

Ton ab für TANA SCHANZARA:

 

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S;=)

Bild des Tages:

J. Ohrmann
J. Ohrmann: Essen an der Ruhr (1860).

 

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S;=)

Spruch zum Tage:

Kegeln ist die Kunst, einen Umsturz zu machen, indem man eine ruhige Kugel schiebt.“

JÜRGEN VON MANGER.

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S;=)

Kalendergeschichte vom Ende der Menschheit:

Gott lässt sich nicht spotten und er macht nicht alles mit. Wir wissen nicht die einzelnen Gründe, doch hatte er „aus gegebenem Anlass“, wie es vom Himmel her hieß, eine zweite Sintflut auf seiner TO-DO-Liste. Maria und Jesus erinnerten ihn dann an die Verheißung, als er in seinem Herzen gesprochen hatte: „Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen willen; denn das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf. Und ich will hinfort nicht mehr schlagen alles, was lebt, wie ich es getan habe.

Solange die Erde besteht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.“

Das war natürlich ein Schlag ins Gesicht sämtlicher Klimawandels-Propheten. „Sie missbrauchen meinen Regenbogen, das Zeichen meines Bundes zwischen mir und ihnen und allem lebendigen Getier auf ewig“, sprach Gott der HERR und ließ sich nur eine neue Arche als Zugeständnis abringen.

Wir wissen nicht, warum, aber jedenfalls entschloss sich der liebe Gott, die Arche diesmal nicht von Noa, sondern von der EU bauen zu lassen. – Tja, und als es dann zu regnen anfing, gab es in Brüssel 50.000 Sesselfurzer, die sich mit der korrekten ISO-Norm für Affen und Bananen beschäftigten, und die Menschen wie Du und ich in Mitteleuropa hatten zwar nix bestellt, durften aber alles bezahlen nach der alten Freibierregel: „Wir spielen jetzt Wiedergutmachung und Deutschland gibt einen aus!“

Dazu fällt mir zwischendurch noch die Geschichte von Konrad Adenauer ein, weil nach dem Krieg ja nun wirklich alle die hohle Hand nach Deutschland ausstreckten, Österreich eingeschlossen. Adenauer sagte dazu: „Wenn die Österreicher Wiedergutmachung wollen, dann können sie die Knochen von Adolf Hitler zurückhaben.“

Bonn Appetit! - Kagähr Meyähr!
Konrad und Charles, Gott hab sie selig! Mit der heutigen EU haben sie so viel zu tun wie Deutschland mit dem Islam.

So, wir kommen nun zum Schluss unserer apokalyptischen Geschichte: Die Regenbogenfraktion einigte sich mit Wowereit auf eine gemeinsame Einweihungsparty für den Willy-Brandt-Flughafen und die Barak-Obama-Arche. Und was soll ich Euch sagen: Wir sind alle jämmerlich ersoffen, jedenfalls im Westen. Im Osten hatten sie immerhin eine Schwarzmeerflotte, aber wir hatten nur kubikmeterweise heiße Luft, die nach ISO-Norm 40 Minuten erhitzt werden darf, aber nicht länger, und anschließend mit spiralförmigen Bewegungen vom Wedelbefugten im Raum verwedelt werden muss wie die ISO-Tomatensoße vom ISO-Italiener auf der ISO-Pizza.

Gelbes-U-Boot.
Regierungs-Arche.

Es gab welche, die wollten sich ins Gelbe U-Boot retten, das noch von John, George, Paul und Ringo übriggeblieben war. Da saßen aber schon „unsere“ Politiker schön warm und trocken drin und flüchteten vor der Verantwortung für ihr eigenes Tun und Lassen wie sonst auch.

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Vorlesung ― http://volkslesen.tv/27-08-werkstatt-der-kulturen-liest-tschingis-aitmatow/

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Fortsetzungsgeschichte: CAFÉ FANTASY am Richardplatz – Folge 13

Wir erinnern uns an den Herrnhuter Diaspora-Prediger Weiz, der uns von Gottliebin Dittus erzählt hat, wie sie in der Möttlinger Brunnengasse Nr. 3 sofort das Gefühl hatte: „Hier ist es nicht richtig…“ Die Dittus-Geschwister setzten sich zum Mittagessen und Gottliebin sollte das Tischgebet sprechen. Sie begann: „Komm, Herr Jesus, sei unser Gast …“ Dann verdrehte sie plötzlich die Augen und fiel vom Stuhl wie ein Stück Holz.”

“War sie tot?”, fragte Frau Mewes-Fischer entsetzt. Auch dem Aushilfskellner und Eismatscher Urs Bergner lief eine Gänsehaut den Rücken rauf vom Hintern bis zum Nacken.

„Erst mal wusste niemand, was mit ihr los ist“, antwortete Weiz. „Sie lag da auf den blanken Dielenbrettern, zum Schrecken ihrer Geschwister, und rührte sich nicht. Dort am Boden kam sie dann zu sich. Wegen ihrer seltsam widerlich ge­wordenen und abstoßend zuckenden Gesichtszüge hatte niemand von den Geschwistern es gewagt, die Bewusstlose zu berühren.
Fünf Minuten nach dieser unerklärlichen Be­wusstlosigkeit sah Gottliebin aus wie vorher.
Heute früh hatte der Armenpfleger der Gemein­de Möttlingen für 150 Gulden diese Stube-Kammer-Küche-Wohnung in der Brunnengasse 3 gekauft, um sie als Unterkunft den verwaisten Dittus-Kin­dern zur Verfügung zu stellen. Nachdem Vater und Mutter gestorben waren, mussten sie notgedrungen umziehen, denn das Elternhaus gehörte der Calwer Hypotheken-Kredit-Bank.
Fünf Geschwister waren übriggeblieben: Andre­as Dittus ― zu dieser Zeit auswärts als Holzfäller und Forstgehilfe ―, sein halbblinder Bruder Jörg und die Schwestern Katharina, Annamaria und Gottliebin.
Gottliebin, geboren am 13. Oktober 1815, hatte ebenfalls andernorts ihre Dienste getan, bis sie ar­beitsunfähig wurde durch ihren verwachsenen Rücken, eine schiefe, zu hohe Hüfte, ein zu kurzes Bein und einen schlimmen Unterleib.“

Übrigens war Prediger Weiz so freundlich, uns eine Daguerrotypie der Gottliebin Dittus zur Verfügung zu stellen, allerdings aus einer späteren Lebensphase:

 

[Abbildung entnommen aus meinem Buch: „Die Besessene – Gottliebin Dittus in Möttlingen.“]

Dittus-Daguerrotypie.
Gottliebin Dittus (1815 bis 1872). 

Weiz weiter: „Am zweiten Tag gab es Spätzle mit Linsen bei den Dittus-Kindern. Die Linsen hatten sie von ihrer mitleidigen Tante Maria Kätter geschenkt bekom­men.
Am dritten Tag wurde Gottliebin eng ums Herz, denn sie wusste nicht mehr, was sie machen sollte, um hier alle hungrigen Mäuler satt zu bekommen. Es war nichts im Haus, kein Mehl mehr und Geld schon gar nicht, außer einem einzigen Notgroschen unterm Kopfkissen ihres Bettes nebenan in der Kammer. Den Groschen nahm sie nun und hielt ihn mit ihrer kleinen linken Faust umklammert.
Gottliebin dachte an ihre Geschwister, für die sie Verantwortung trug. Es war ihr, als würden alle Wände der Wohnung über ihrem Kopf zusammen­stürzen. Sie schloss hinter sich die Tür der Kammer und trat in die Stube.
‚Wenn ich doch wenigstens mehr Geld zum Ein­kaufen hätte’, murmelte sie verzweifelt vor sich hin, ‚wenigstens noch einen einzigen Groschen mehr…’ Plötzlich spürte sie ein Zucken in ihrer lin­ken Hand. Als sie die Faust öffnete, sah sie tatsäch­lich zwei Groschen statt einem in ihrer Hand.
Sofort bekam sie wieder eine Gänsehaut und dieses unheimliche Gefühl überfiel sie mit aller Macht: HIER IST ES NICHT RICHTIG. Hier will irgend etwas sich einmischen und mitmachen in ihrem Leben. Ent­setzt warf sie beide Groschen in den Abtritt und ihre Gänsehaut verschwand.“

„Abtritt?“, wunderte sich Urs Bergner, „was ist ein Abtritt?“

„Heute würden wir es ein Plumpsklo nennen, Garçon“, erläuterte Frau Mewes-Fischer. Er nickte verständig.

Weiz fuhr fort. „Nun hatte Gottliebin gar nichts mehr außer der festen Überzeugung, dass diese Hilfe nicht vom Himmel geschickt worden war. Gott kommt mit Ruhe. Sie wischte sich den kalten Schweiß von der Stirn und kehrte zurück in ihre Kammer, wollte sich aufs Bett legen zum Ausruhen. Einkaufen konnte sie ja nun doch nicht mehr. ABER WAS IST DAS? Auf dem Bett findet sie jetzt den abgetrennten Ärmel eines Männerhemdes, auf einer Seite zuge­bunden und prall mit Mehl gefüllt wie eine Wurst. Oben drauf liegt ein Silbertaler und unter dem Sil­bertaler ein beschrifteter Zettel. Sie liest: ‚Christi Blut und Gerechtigkeit, das ist mein Schmuck und Ehrenkleid.’
Trotz des frommen Spruches wird ihr Gesicht so weiß wie das Mehl. Eins hat sie durch Erfahrung schon gelernt im Lauf ihrer bald 25 Lebensjahre: Wo JESUS draufsteht, muss nicht Jesus drin sein. Der Teufel ist da für seine höllische Partei der beste Wahlkämpfer des Universums. — Doch weil es den Geschwistern Dittus jetzt wirklich am Allernötigsten mangelt, be­hält sie diesen Hemdsärmel, oder jedenfalls seinen Inhalt, und den Taler. Noch am gleichen Tag nimmt sie das Mehl zum Backen und den Silbertaler zum Einkaufen. Beim Abendbrot haben sie satt zu essen, doch so richtig lecker schmecken will es Gottliebin nicht. Im ganzen Haus entstand nach Einbruch der Dun­kelheit eine Unruhe, die auch den Bewohner des ersten Stockes mit einbezog, den allein leben­den Leineweber Michael Seitz. Das war völlig neu für ihn, was er hier miterlebte. Er konnte es nicht ein­sortieren in seinen bisherigen Erfahrungsschatz. Durch Kammer, Stube und Küche des Erdgeschos­ses bewegte sich ein Schlurfen wie von unsichtba­ren Füßen hin und her durch alle drei Räume. Bald erhob sich auch noch ein lautstarkes, unerklärbares Gepolter. Alle, die das hörten, bekamen einen heillo­sen Schrecken, sowohl die Dittus-Geschwister als auch Nachbar Seitz sowie drei zufällige Passanten auf der Brunnengasse. Aber niemand tat einen Mucks und man vermied es, anderntags überhaupt von diesem entsetzlichen Radau zu sprechen. In der nächsten, der dritten Nacht wurden Gottliebin auf einmal mit Gewalt die Hände übereinander gelegt, während sie friedlich im Bett lag.
In der vierten Nacht tanzten schwebende Irrlich­ter um sie herum, die plötzlich auftauchten und ge­nauso plötzlich wieder verschwanden.
In der fünften Nacht erblickte sie unbekannte Gestalten an ihrem Bett.
Anderntags kam Tante Kätter zu Besuch und brachte wieder Linsen mit. Gottliebin sagte nichts, doch ihre Geschwister erzählten der Tante von den unheimlichen Vorgängen.
Maria Kätter berichtete es dem neuen Pastor Jo­hann Christoph Blumhardt.“ Weiz trank einen Schluck Kaffee, weil er einen trockenen Mund vom vielen Erzählen bekommen hatte.

„Und dann?“, fragte Frau Mewes-Fischer. „Was machte der Pastor? Ich hab diese Exorzismus-Filme aus Hollywood gesehen, also da geht ja echt die Post ab!“

Wird fortgesetzt.

 

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7. Mr. Chaplin, wie lautet Ihre Surf- und Lese-Empfehlung für heute?

Charlie-Chaplin.
Charlie Chaplin gibt uns einen Surf- und Lesetip für die Wirtschaftskrise bzw. die Zeiten nach dem Geld- und Goldrausch:
NEUKÖLLNER-DSCHUNGEL.
Titelbild Mai/Juni 2014.

Ich empfehle den neuen NEUKÖLLNER DSCHUNGEL. Mit den kostenlosen NEUKÖLLNER DSCHUNGEL kommt man besser durch die Zeiten ohne Geld als mit Geld durch die Zeiten ohne NEUKÖLLNER DSCHUNGEL.

Mr. Chaplin, wir danken Ihnen für dieses höchst informative Gespräch.

PS: Übrigens sind im neuen NEUKÖLLNER DSCHUNGEL auch Beiträge von meiner Wenigkeit zu finden, und zwar auf den Seiten 10f. und 24.

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So, das war WiTzels Tagblatt Nr.:

-92-
[Benutzt fürs Design: 92 – HAUTS DE SEINE – 92 -.]

Sa=Sonnabend, 17. Mai 2014 – WiTzels Tagblatt Nr. 87

Sa=Sonnabend, 17. Mai 2014

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Nächsten MONTAG ist Tagblatts Ruhetag, übrigens.

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Den Song schrieben sie vor einem halben Jahrhundert, als es noch ohne EU und ohne Moscheen und ohne Regenbogenfahnen ging, aber uns dafür unsere Frauen und Mädchen noch jeden Tag 24 Stunden lang was wert waren – Ton ab für die KINKS: „All Day And All Of The Night“:

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S;=)

Bild des Tages:

Die neue AU – 50.000 EUler und EUlinnen und EUlen haben sich bereit erklärt, aus Brüssel hinüberzuwechseln in die Heimatgegend der Lampedusa-„Flüchtlinge“, um dort den Verordnungsmangel zu lindern.

Afrikanische Union.
Erste Hilfe für Lampedusa: AU statt EU.

Allerdings muss ich gestehen, dass ich schon grundsätzlich an die Asylberechtigung z.B. der schwarzafrikanischen Dealer im ehemaligen Volkspark Hasenheide glaube. Sie würden bestimmt in jedem anderen Land der Welt verfolgt und sofort in den Knast gesteckt.

Wir dürfen auch nicht die Argumentation vergessen, dass sie oft Arbeiten leisten, die die Deutschen gar nicht machen wollen, z.B. Heroin an Schulkinder verkaufen. – Oder würden Sie das machen wollen? Ich jedenfalls nicht.

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S;=)

Spruch zum Tage:

Männer sind unbestechlich.
Die meisten nehmen noch nicht einmal Vernunft an.

JOAN COLLINS

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S;=)

Kalendergeschichte:

Ich will ja gar nicht behaupten, dass früher alles besser war. Früher hatten wir die oberen Zehntausend, die „Upper Ten“, von denen wir als kleine Leute ganz weit weg waren, und heute haben wir die oberen 50.000 in Brüssel. Durch den EU-Wahlkampf wird ja nun dauernd und überall verstärkt mit leerem Stroh dermaßen auf uns eingedroschen, dass es langsam Schmerzensgeld geben müsste für die glücklichen Wenigen, „The Happy Few“, die sich weitab von Brüssel noch ein Gehirn zwischen den Ohren und ein Herz in der Brust bewahrt haben.

Je älter ich werde, desto besser verstehe ich meine Eltern und bin stolz auf sie, diese beiden kleinen Leute, die zusammengehalten haben, bis dass der Tod sie trennte. Ich bin nicht größer als mein Vater, der beim Finanzamt Braunschweig Land anfing und dort als Beamter blieb bis zu seiner Pensionierung. – Er hat von einem Kollegen erzählt, mit dem er das Büro teilte. Dieser Kollege konnte stundenlang mit gefalteten Händen aus dem Fenster gucken. Eines Tages sagte er währenddessen zu meinem Vater: „Sie dürfen nicht denken, dass ich nichts tue, Kollege Witzel. Ich denke nach.“

Das kriegen wir ja nun auch verschärft aufs Brot geschmiert von den EUlern oder EUlen oder EUlinnen oder wie auch immer. Deshalb fällt es mir ein. Andererseits, um es zu einem Happy-end zu bringen, erwähne ich zur Ergänzung noch Sir Winston Churchill: „Schlimm sind nicht die, die dumm und faul sind – schlimm sind die, die dumm und fleißig sind.“

S;-)

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Vorlesung ― „Zusammen ist man weniger allein“:

http://volkslesen.tv/41-10-robert-koch-institut-liest-anna-gavalda/

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Fortsetzungsgeschichte:

CAFÉ FANTASY

Es stellte sich dann übrigens heraus, wie Urs Bergner den einschlägigen Medien entnahm, dass nicht nur „unsere“ Berliner Stadt-Politiker bis auf die drei Selbstmord-Senatoren wie vom Erdboden verschluckt waren, sondern sogar „unsere“ Politiker im Regierungsviertel. Man hatte es nur nicht gleich gemerkt, denn das Leben ging einfach weiter. Um Unruhe zu vermeiden, hatte man außerdem eine Deutsch sprechende polnische Schauspieltruppe engagiert, die im Bundestag „Partei schlägt sich, Partei verträgt sich“ spielte und übrigens erheblich preiswerter war als die verschwundene Original-Besetzung.

Aber wie gesagt, es kam dann doch heraus, dass „unsere“ Politiker weg waren und keiner wusste warum und wohin und wieso eigentlich. – Bis, ja, bis sich herausstellte, dass alles auf einen Schuljungen-Streich zurückzuführen war: Zwei Schüler des Goethe-Gymnasiums hatten sich sämtliche Politiker-Mail-Adressen von Berlin und vom Regierungsviertel herausgesucht und dann eine Mail verschickt, die in der BETREFF-Zeile den Satz enthielt: „Es ist alles herausgekommen.“

Tja.

Also seien Sie bitte zurückhaltend mit solchen Äußerungen gegenüber Berufspolitikern, meine lieben Leserinnen und Leser daheim an den Internet-Surfbrettern. „Unsere“ Regierung kann uns ja sowieso schon nicht leiden und redet lieber mit dem Ausland als mit dem Inland. Da brauchen wir jetzt nicht noch eins drauf zu setzen als Bevölkerung.

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 Falls Sie sich mal was Gutes antun wollen, empfehle ich Ihnen dieses Bilderbuch:

http://www.amazon.de/BANKSY-Book-Pictures-Wieland-Kraut-ebook/dp/B0096CFUSU/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1400312633&sr=8-1&keywords=Kraut+Banksy

Das Schaufenster befindet sich übrigens in meiner Straße, Warthestraße 64, und war zur Zeit der Aufnahme das „Kunstfenster W64“.