Liebes Tagebuch,

bei der Lesung gestern konnte ich immerhin zwei Bücher verkaufen – absolut ist das wenig, aber relativ ist das viel für einen unbekannten Autor und ein doch ziemlich heftiges Thema, ein Geschehen, das die Katholiken „Exorzismus“ nennen. Es ist nun mal wirklich passiert im Schwarzwald im 19. Jahrhundert, sogar Sigmund Freud hat sich mit der Besessenheit der Gottliebin Dittus auseinandergesetzt.

http://www.amazon.de/Die-Besessene-Gottliebin-Dittus-Moettlingen/dp/1496119681/ref=tmm_pap_title_0/280-2090346-1994150?ie=UTF8&qid=undefined&sr=8-2

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15.9. Buchvorstellung

Herbert Witzel, geboren 1949 in Braunschweig, zog 1971 nach Berlin. Er besichtigte im Sommer 2000 das Gottliebin-Dittus-Haus in Möttlingen im Schwarzwald und entschloss sich, die Geschichte dieser jungen Frau eines Tages aufzuschreiben. Hier ist sie.

Natraj
Im „NATRAJ“, einen freundlichen Laden für Räucherstäbchen etc. in Berlin Kreuzberg,  lese ich am Montag, dem 15. September 2014, um 19 Uhr aus meiner Nacherzählung eines Exorzismus im Schwarzwald. Mit dabei sind Ingrid Elisabeth Sollors als Dame des Hauses und an der Gitarre Christian Rädisch.

NATRAJ

Das Buch gibt es entweder dort vor Ort, auf Wunsch mit Widmung, oder bei Amazon:

http://www.amazon.de/Die-Besessene-Gottliebin-M%C3%B6ttlingen-Lebensgeschichten-ebook/dp/B00KB3521I/ref=sr_1_5?ie=UTF8&qid=1410089318&sr=8-5&keywords=Die+Besessene

Bis Sonnabend, 13.9.2014 als Ebook KOSTENLOS !!!

 

 

 

Sonntag, 8. Juni 2014 – WiTzels Tagblatt Nr. 105

Sonntag, 8. Juni 2014

Frohe Pfingsten erst mal!

  1. Tagesmusik ist ein Konzert zu Ehren des Altmeisters Johnny Cash;
  2. Bild des Tages: Schuldenturm;
  3. Spruch zum Tage von Abraham Lincoln;
  4. Kalendergeschichte, diesmal mit Schwester Käthe, Dr. Fummler und Opa Lindemann;
  5. Vorlesung, DAVID NICHOLLS;
  6. Fortsetzungsgeschichte CAFÉ FANTASY – Folge 20.
  7. Hallo Mädels, hübsche Fräuleins, verschärfte Bräute und elegante Damen! Besondere Schmakazie heute aus Blancas kleinekleinigkeitenBLOG:
Blancas-Stiftemäppchen.
Stiftemäppchen Marke DALLI! DALLI!

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PFINGSTMONTAG ist Tagblatts Ruhetag, übrigens.

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1. Ton ab für ein Konzert zu Ehren des Altmeisters Johnny Cash:

 

… und wer Johnny Cashs spannende Lebensgeschichte lesen will, dem sei dieses Buch als nächste Sonntagslektüre empfohlen:

http://www.amazon.de/gp/product/B00IMFXDT0?adid=1DZJCRPSQT1NG26144Y0&camp=1410&creative=6378&creativeASIN=B00IMFXDT0&linkCode=as1&tag=kreuzbergarch-21

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S;=)

2. Bild des Tages:

Bruegel
Pieter Bruegel d.Ä. (1560): Vision eines Schuldenturms für Mitteleuropa nach ISO-Norm, mitsamt Kinderzimmern für unsere Enkel und Urenkel.

 

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S;=)

3. Spruch zum Tage:

Gott liebt die einfachen Menschen, deshalb hat er so viele davon gemacht.

ABRAHAM LINCOLN.

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S;=)

4. Kalendergeschichte aus dem Alltag „unserer“ Gesundheitsindustrie:

Krankenschwester Käthe versucht einen Patienten wachzurütteln. Kommt Chefarzt Herr Dr. Fummler vorbei und fragt: „Was machen Sie denn da mit Opa Lindemann, Schwester Käthe?“

Seufzt sie: „Ach, Herr Dr., er muss unbedingt wach werden! Er hat vergessen, seine Schlaftabletten zu nehmen.“

S;=)

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5. Vorlesung http://volkslesen.tv/32-12-rathaus-liest-david-nicholls/

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6. Fortsetzungsgeschichte: CAFÉ FANTASY – Folge 20.

Wir erinnern uns an Frau Veronika Mewes-Fischer (82) und Herrn Urs Bergner (30), die an Tisch drei sitzen und auf den Herrnhuter Diaspora-Prediger Weiz warten, der mittels Zeitschleife aus dem 19. Jahrhundert an den Richardplatz ins CAFÉ FANTASY gekommen ist.

Weiz trat nun tatsächlich ein, rief „Grüß Gott!“ und setzte sich zu ihnen an den Tisch.

„Nun erzählen Sie uns aber, wie es weiterging mit der Besessenen“, brummte Urs und Frau Mewes-Fischer nickte ihre Zustimmung.

„Na gut“, sprach Weiz. „Pastor Blumhardt war zuletzt in Stuttgart beim Konsistorium, so heißt die Kirchenleitung in der evangelischen Kirche, und hat dort keine Unterstützung gefunden, sondern im Gegenteil etwas auf den Hut bekommen. In Möttlingen hab ich dann schon auf Blumhardt gewartet, um ihm ins Gewissen zu re­den. Ich kümmerte mich hier im Schwarzwald um die verstreuten Geschwister meiner Böhmischen Brüdergemeine. Von denen gab es auch in Möttlingen eine Handvoll.
Gemeinsam setzten Blumhardt und ich uns an ein verspätetes Mittagessen, das Doris für ihren Mann warmgehalten hatte,  gebratene Leber auf ge­dünsteten Zwiebelringen und Apfelscheiben neben einem Berg von Kartoffelbrei.
‚Ich hab die Geschichte von der Gottliebin Dittus gehört und will dir mal etwas sagen als dein Glau­bensbruder‘, holte ich dann aus zur ersten Runde um den heißen Brei. ‚Wir sind nicht zum Spaß hier in der Welt, sondern um das Evangelium weiterzusa­gen. Evangelium kommt von Eu-angelion im Sinne von Eu-reka!, von Siegesmeldung und Jubelruf.‘ Ich legte Messer und Gabel hin, griff in die Tasche und hielt ein Neues Testament hoch. ‚Ich hab das Buch hier zu Ende gelesen und ich weiß, dass wir gewin­nen!‘
‚Schmeckt es, Bruder Weiz?‘, fragte die Hausfrau fürsorglich.
‚Doch, doch, Schwester Doris‘, antwortete ich.
‚Mein Mann redet nicht mit vollem Mund‘, fuhr Doris fort, um dem Hausherrn Ruhe beim Essen zu verschaffen.
In den nächsten zehn Minuten herrschte kauen­des Schweigen am Tisch.
‚Ich hab dich schon verstanden, Prediger Weiz‘, sagte Blumhardt anschließend. ‚Meine Vorgesetz­ten in Stuttgart wollen jedenfalls, dass ich hier in Möttlingen Ruhe bewahre bezüglich der Angelegenheit Gottliebin Dittus.‘
‚>Deine Vorgesetzten in Stuttgart<‘, äffte ich seine Töne der Gehorsamkeit nach. ‚Und was ist mit dei­nem Vorgesetzten im Himmel?‘
‚Der Himmel über Möttlingen schimmert heute so schön blau‘, bremste Doris meinen Höhenflug, ‚dafür können wir gar nicht dankbar genug sein. Außerdem muss mein Mann noch seine Sonntags­predigt vorbereiten und hat gar keine Zeit für Pol­tergeister und solche Sperenzchen.‘
Am folgenden Sonntag fühlte Blumhardt sich groß und stark. Mit dem mächtigen Stuttgarter Konsistorium im Rücken stieg er auf die Kanzel und predigte über den reichen Mann und den armen La­zarus und dass man das alles nicht so verkniffen se­hen soll. Und in Jerusalem gibt es ein Tor, so schmal und eng, dass es ‚Nadelöhr‘ genannt wird. Da passt ein Kamel nur durch, wenn es vorher alle Las­ten abgelegt hat. Und an dieses Tor hat Jesus ge­dacht, als er sagte:  ‚Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.‘ Ganz bestimmt hat er so gedacht, Ihr Lie­ben.‘ Jedes seiner Worte klang wie raschelndes leeres Stroh. Die halbe Gemeinde schlief, als er mit seiner Predigt fertig war. Ziemlich kleinlaut und de­mütig stieg Blumhardt wieder von der Kanzel.“ Weiz trank seinen Kaffee aus. „Den Rest der Geschichte erzähle ich euch bei nächster Gelegenheit.“ Und er stand auf und verschwand in seiner Zeitschleife.

Wird fortgesetzt.

= = =

7. Hallo Mädels, hübsche Fräuleins, verschärfte Bräute und elegante Damen! Besondere Schmakazie heute aus Blancas kleinekleinigkeitenBLOG:

Mit einem KLICK seid Ihr, bist Du und sind Sie sofort da.

Blancas-Stiftemäppchen.
Stiftemäppchen Marke DALLI! DALLI!

Sonntag, 1. Juni 2014 – WiTzels Tagblatt Nr. 100

Sonntag, 1. Juni 2014

  1. Tagesmusik a) für Sonntag und b) Marke Eigenbau;
  2. Bild des Tages: das Konzert;
  3. Spruch zum Tage von WALTHER;
  4. Kalendergeschichte, diesmal aus Heidelberg und zurück;
  5. Vorlesung, diesmal LIVE von der MS Austria;
  6. Fortsetzungsgeschichte CAFÉ FANTASY.
  7. Hallo, Mädels! Heute mit besonderer Schmakazie: Müllbeutelbeutel von Blanca.
Müllbeutelbeutel.
Aus Blancas kleinekleinigkeitenBLOG.

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MONTAG ist Tagblatts Ruhetag, übrigens, weil ich abends Geräusche mache mit Stimmband und Gitarre. Wir sehen uns dann um 19 Uhr in Lankwitz:

Mo_2-6-Lankwitz

Mit KLICK geht’s hier zum Wo und Wann.

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1. Ton ab

a) für ein starkes Stück zum Sonntag:

 

 

b) für mein Promotion-Video (pioniermäßiger Vierfarb-Tonfilm):

Erwin der Vampir. 

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S;=)

Dankeschön dafür an Frank Toebs:

Frank Toebs
entruemplung.de

2. Bild des Tages:

 

Abbate_Konzert.
Nicolò dell‘ Abbate: Konzert (1550), Fresko auf Leinwand.

Na, das gefällt mir. Mal sehen, wie es Montag abend in Lankwitz wird.

= = =

S;=)

3. Spruch zum Tage:

Wer gab dir, Minne, die Gewalt,
daß du so ganz allmächtig bist?
Du siegtest über jung und alt,
und gegen dich hilft keine List.

WALTHER VON DER VOGELWEIDE (1172 bis 1230).

= = =

S;=)

4. Kalendergeschichte vom Studenten aus Heidelberg:

Wo bleibt das Geld?

Student aus Heidelberg an seinen Vater.

Hier!

Antwort des Vaters.

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5. Vorlesung http://volkslesen.tv/19-12-die-crew-der-ms-austria-monika-peetz/

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6. Fortsetzungsgeschichte: CAFÉ FANTASY – Folge 19.

Die Tür flog mal wieder auf wie schon so oft und herein trat aus seiner Zeit- und Warteschleife der Herrnhuter Diaspora-Prediger Weiz. „Grüß Gott!“, rief er und setzte sich an Tisch drei zu Frau Veronika Mewes-Fischer und dem Eismatscher und Aushilfskellner Urs Bergner.

„Wenn Sie jetzt nicht endlich die Geschichte der Gottliebin Dittus weitererzählen, Herr Diaspora-Prediger, dann werden Sie hier nicht bedient“, drohte Urs.

„Die Jugend von heute wird ja wirklich immer frecher“, murmelte Weiz und hub an zu erzählen, woraufhin Bergner ihm ein Käffchen servierte, schwarz mit Milch.

„Die Poltergeräusche in der Brunnengasse 3 lie­ßen sich nicht länger verheimlichen und wurden in Möttlingen zum öffentlichen Ärgernis.
Am Sonntag vormittag hatte Blumhardt singen lassen: ‚Ein feste Burg ist unser Gott‘, und tatsächlich wirkte das Pfarrhaus jetzt wie eine Burg.
Am Sonntag nachmittag kutschierte draußen Dr. Späth vorm offenen Fenster vorbei. Er rief so schal­lend laut, dass es auch die Nachbarn hörten ein­schließlich Schultheiß Kraushaar: ‚Gibt es in Möttlingen keinen Seelsorger, verdammt noch mal? Die kranke Gottliebin Dittus so allein liegen zu las­sen, das ist unmenschlich!‘
Doris schloss das Fenster. Blumhardt setzte sei­nen wetterfesten Pastorenhut aus schwarzem Filz auf.
‚Ich hab Angst um dich‘, seufzte Doris und legte ihm seinen ein Jahr alten Sohn Karl in den linken Arm, während das bald dreijährige Töchterchen Maria versuchte, den Papa am Hosenbein festzuhal­ten. Sie war das schönste Kind der Welt, wie Blum­hardt fand, obwohl ihm Karl genauso lieb war mit seinem klaren verständigen Blick und seiner see­lenvollen Heiterkeit. Aber Mädchen sind nun mal hübscher als Jungen. Er hielt Karl mit links an sei­nem Herzen fest und nahm mit der Rechten seinen dienstlichen Hut wieder ab. Das Privatleben hatte ihn wieder.
‚Vielleicht sollten wir von hier weggehen‘, schlug seine Frau vor.
‚Fragt sich nur, wohin, Doris‘, entgegnete Blumhardt, der auch schon daran gedacht hatte. ‚Amerika ist mir jedenfalls zu weit weg.‘
Bevor er nach Möttlingen kam, war er Pfarrgehil­fe in Iptingen gewesen, einem anderen Schwarz­walddorf. Hier hatte der Leineweber Johann Georg Rapp 1785 eine radikale Gemeinschaft ins Leben gerufen, die sich von der Landeskirche fern hielt und auf das Abendmahl bewusst verzichtete. Die ‚Rappisten‘ sahen die Gemeinschaft der Gläubigen in der Iptinger Kirche als eine Gemeinschaft der Lauen und Ungläubigen an, mit denen sie nichts zu tun haben wollten.
In Iptingen hatte Blumhardt es als Hilfsprediger sogar geschafft, dass sich viele der kirchenfernen Rappisten wieder zum Abendmahl in seinen Gottes­diensten versammelten. Er fühlte sich hier deshalb ausgesprochen wohl und angenommen und so sehr gebraucht, dass er zwischen Weiterkommen und Bleibenwollen hin und her gerissen war.
Schlussendlich wünschte er sich aber doch eine eigene Pfarrei, wollte mit seiner Verlobten Doris Köllner Hochzeit feiern und einen eigenen Haushalt gründen. Also bewarb er sich um offene Pfarrstel­len in den Gemeinden Aurich, Kocherstellten, Herbrechtingen, Balingen, Schwenningen, Franken­bach, Dürrenzimmern, Friolzheim, Simmozheim, und sammelte Absagebriefe von den zuständigen Dekanaten Vaihingen, Künzelsau, Heidenheim, Heil­bronn, Brackenheim, Leonberg und Calw: Nein und Nein und nochmals Nein.
In Möttlingen erwischte er dann endlich, endlich einen Tag der offenen Pfarrhaustür, denn die Mött­linger, die ihn aus Iptingen kannten, hatten Mitte des Jahres 1838 ihre Ratsältesten losgeschickt, mit Schultheiß Kraushaar vorneweg, und diese baten bei König Wil­helm I. von Württemberg persönlich um Blum­hardts Ernennung als Gemeindepfarrer, sozusagen über die Köpfe der Stuttgarter Kirchen­leitung hinweg. Diese Köpfe konnten dann des Kö­nigs Zustimmung Anfang Juli nur noch abnicken und vier Tage später eine Urkunde unterzeichnen, in der zu lesen stand:
‚Seine Königliche Majestät haben vermöge höchs­ter Entschließung vom 2. dieses Monats die evangeli­sche Pfarrei Möttlingen, Dekanat Calw, dem Pfarrgehilfen Blumhardt in Iptingen, Dekanat Knitt­lingen, gnädigst übertragen.
Pfarrer Blumhardt hat seine neue Stelle am 2. Au­gust dieses Jahres anzutreten und bezieht ab demsel­ben Tage das mit jener Stelle verbundene Jahreseinkommen 744 Gulden 0 Kreuzer.
Stuttgart, den 6. Julius 1838.
Das Präsidium des evangelischen Consistoriums.‘
Es folgen alle zuständigen Unterschriften, von denen die des Herrn Möller heute noch am klarsten zu lesen ist.
Den Oberkonsistorialrat Martin Möller suchte Pfarrer Blumhardt denn auch auf in Sachen Gottlie­bin Dittus und schilderte ihm diesen Fall.
Da saß er nun klein und gedrückt in einem der Besuchersessel des Herzoglich und königlich würt­tembergischen Konsistoriums und wartete auf eine vollmächtige Antwort im Geist und in der Wahrheit.
Möller schüttelte seinen von einem silbergrauen Haarkranz gekrönten Charakterkopf. ‚Kennen Sie die Geschichte von dem Mann, der in die Hölle kommt?‘
Blumhardt dachte nach. Neben diesem großge­wachsenen Stuttgarter Kleiderschrank wirkte der Möttlinger Dorfpfarrer wie ein abgebrochener Zwerg neben Rübezahl. ‚Meinen Sie jetzt den armen Lazarus?‘
Wieder schüttelte der Oberkonsistorialrat sein weises Haupt. ‚Nein, mein bester Blumhardt, Laza­rus landete doch in Abrahams Schoß, während der arme Reiche in der Hölle gequält wurde. Das wollen wir übrigens nicht zu oft zum Predigtthema machen, sonst verstören wir die Leute, die viel Geld haben.‘
Blumhardt schluckte.
‚Nun schauen Sie mal nicht so entsetzt‘, fuhr Möller fort. ‚Glauben Sie vielleicht, Ihre 744 Gulden Jahreseinkommen wachsen auf den Bäumen? Aber nun hören Sie erst mal zu, Blumhardt: Also, ein Mann kommt in die Hölle und der Teufel veranstal­tet mit ihm am ersten Tag eine Ortsbesichtigung. In der Hölle sieht es aus wie überall, stellt der Mann fest. Schließlich kommen sie an eine Tür mit einem Guckloch und als der Mann durch das Loch guckt, da sieht er einen Folterkeller, in dem Menschen mit glühenden Zangen gekniffen und in heißen Koch­töpfen gesotten werden und so weiter und so fort. ‚Was ist das denn?‘, fragt er den Teufel. ― ‚Das ist für die Katholiken‘, antwortet der Teufel, ‚die wollen das so.‘ — Wir sind aber keine Katholiken, mein lie­ber Blumhardt, und wir glauben auch nicht an irgendwelche Märchen aus dem Mittel­alter.‘
‚Aber der Teufel hat doch von Martin Luther auf der Wartburg das Tintenfass an den Kopf geworfen bekommen‘, protestierte Blumhardt. Er hatte ei­gentlich gehofft, der Oberkonsistorialrat würde mit ihm gemeinsam für Gottliebin beten. Jedoch das einzige Gebet, nach dem Möller sich jetzt sehnte, war das Tischgebet. Er hatte einen rechtschaffenen Hunger.
‚Wir sind hier die Kirchenleitung in Stuttgart und kein Bibelkreis in irgendeinem Kuhdorf‘, knurrte er und sein Magen knurrte mit. ‚Kraft mei­nes Amtes als Mitglied des Präsidiums des Stuttgar­ter Konsistoriums untersage ich Ihnen alles, was auch nur im entferntesten mit Teufelsaustreibung zu tun hat und für Unruhe in Ihrem Kirchspiel Mött­lingen sorgen könnte.‘
Blumhardt bekam es nun tatsächlich mit der Angst. ‚Sie meinen, Sie verbieten mir das im Namen unse­res Königs?‘
‚Oder so‘, nickte Möller und bekam einen Schluckauf vor Begeisterung darüber, dass Blum­hardt weiß geworden war wie ein Tischtuch. Leut­selig fragte er: ‚Was ma-HUPPS-chen denn die HUPPS Kinder?‘
Blumhardt brauchte eine Weile, um sich zu fan­gen. Dann fing er an zu strahlen. ‚Hat man das Ma­riechen, dann vergißt man alles. Hat man den Buben, dann vergisst man wieder alles. Hat man beide, dann hat man gar nichts mehr zu vergessen.‘
Aber sowie er draußen war und vor dem Konsis­torium stand, erfasste den kleinen schwarzhaarigen furchtsamen Pfarrer eine bodenlose, nie ge­kannte Verzweiflung. In Möttlingen tobten die höllischen Fußvölker der Bosheit und der Finsternis und vom Stuttgarter Konsistorium wurde Blumhardt nun auch noch in den Rücken gefal­len.“

Wird fortgesetzt. Bald geht die Sache weiter!
S;=)

 

= = =

7. HALLO, MÄDELS! Besondere Schmakazie:

Müllbeutelbeutel.
Aus Blancas kleinekleinigkeitenBLOG.

Anklicken und AB GEHT DIE POST!

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So, das war WiTzels Tagblatt zum ersten mal im dreistelligen Bereich: 100 (einhundert) !

DANKE, dass Sie da waren.

Donnerstag, 29. Mai 2014 – WiTzels Tagblatt Nr. 97

Donnerstag, 29. Mai 2014

Die wichtigste Nachricht vorneweg, first, but not least sozusagen:

Noch 5 (fünf) Tage bis zu WiTzels Lied- und Lesebühne in Lankwitz mit Ingrid Biermann-Volke, einem Gast und meiner Wenigkeit.

Bei dem eingeladenen Gast handelt es sich um Klaus Regel, über den ich einen guten Artikel in der taz gelesen hatte:
http://www.taz.de/!97331/

  1. Tagesmusik von den DUBLINERS: Lord Of The Dance;
  2. Bild des Tages von Pieter Bruegel Senior bzw. dem Älteren;
  3. Spruch zum Tage von Flavio Alborino aus Freiburg;
  4. Kalendergeschichte, diesmal zur Quäker-Hilfe Quäkerhilfe.;
  5. Vorlesung, Tintenherz;
  6. Fortsetzungsgeschichte CAFÉ FANTASY.
  7. Besondere Schmakazie für dieses langhaarige Volk vom andern Stern, das die Blumen lieb hat:

    aus Blancas Blog.
    Aus Blancas kleinekleinigkeiten-Blog.

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Nächsten MONTAG ist Tagblatts Ruhetag, übrigens.

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1.a) Ton ab für ein altes Lied, das Jesus Christus meint, den Party-Retter der Hochzeit zu Kana:

 

Auf den Seiten der Evangelischen Kirchengemeinde Weingarten fand ich einen guten Text dazu und übernehme diese Verse mit einem Dankeschön:

1.b) Der König des Tanzes

(altes Quäkerlied, in der Übersetzung von H.J. Hufeisen)

Tanz’ doch, wo immer du auch bist,
Ich bin der König des Tanzes, spricht Christ.
Ich tanzte durch des Todes Haus
in Gottes Welt hinaus.
Drum traue darauf, das Leben steht auf!

1.
Ich tanzte an dem Morgen beim Erwachen dieser Welt,
Ich drehte um die Sonne und in dem Sternenzelt.
Ich schwang mich auf die Erde
und schwebte gut auf ihr.
Ich tanze und singe das Leben zu dir.
Tanz’ doch, wo immer du auch bist….

2.
Ich tanzte meine Seele den hohen Herren vor,
doch wollten sie nicht tanzen,
denn das bringt Mut hervor.
So ging ich zu den Fischern, und rief sie aus dem Boot.
Sie tanzten mit Kraft und vergaßen die Not.
Tanz’ doch, wo immer du auch bist….

3.
Ich tanzte auch am Sonntag
trotz schärfstem Tanzverbot,
Ich tanzte mit den Schwachen, wir teilten Zeit und Brot.
Die Frommen starrten förmlich, weil ich so anders war, sie hassten mein Volk und ich starb wie ein Narr.
Tanz’ doch, wo immer du auch bist….

4.
Mein Tanzen war verloren, kein Leben regte sich.
Da grinsten stolz die Herren der Welten über mich.
Die Fischer weinten bitter und gingen auf Distanz.
Die Schwachen, sie hofften erneut auf den Tanz.
Tanz’ doch, wo immer du auch bist….

5.
Ich tanzte nach drei Tagen befreiend durch die Welt.
Selbst Steine rollten Wege trotz Mauern durch das Feld
Da traf ich meine Fischer und Schwachen traurig an.
Sie staunten und fühlten, das Tanzen begann…
Tanz’ doch, wo immer du auch bist….

= = =

S;=)

2. Bild des Tages:

Detail-1.
Teil (Detail) 1.
Detail-2.
Teil (Detail) 2.
Detail-3.
Teil (Detail) 3.
Bruegel d.Ä.
Pieter Bruegel der Ältere: Bauerntanz (1568).

 

= = =

S;=)

3. Spruch zum Tage:

Beim Tanzen gibt es keine Fehler, nur Variationen.

FLAVIO ALBORINO, Salsa-Lehrer in Freiburg.

= = =

S;=)

4. Kalendergeschichte:

Heute biete ich Euch, Ihnen und uns etwas Besonderes, nämlich die Vor-Veröffentlichung eines Beitrags, der erst am ersten Juli im „Brückenbauer Friedrichshain-Kreuzberg interkulturell“ erscheint. Darf ich das überhaupt? – Ja, denn den Text hab ich verfaßt. Bei meiner Schreibe bin ich der Kapitän und den Text dürfen alle lesen, die jetzt laut singen: „Nimm mich mit, Kapitän, auf die Reise…“

51 Jahre Quäker-Hilfe in Deutschland, seit April in Berlin

Quäkerhilfe.
Symbol bzw. Logo der Quäker-Hilfe.

Bis zu der Ausstellung „Stille Helfer — Quäker-Hilfe im Nachkriegsdeutschland“ 1996 im Deutschen Historischen Museum (Berlin) kannte ich Quäker nur aus Geschichten und dem Geschichtsbuch. Genau wie viele andere Deutsche verband ich durch Erzählungen meiner Eltern und Großeltern die Schulspeisung oder „Kinderspeisung“ (Rosinenbrötchen, Kakao, Haferbrei) mit dem Wort „Quäker“. Warum heißen sie überhaupt „Quaker“, zu Deutsch: „Zitterer“? George Fox, einer der Ur-Quäker, schreibt dazu in seiner Lebensgeschichte: „Es war Richter Bennet zu Derby, der uns zuerst Quäker genannt hat, weil ich ihnen sagte, sie müssten erzittern vor dem Wort Gottes. So geschehen 1650.“

George-Fox.
George Fox (1624 bis 1691).

In schlimmster Not nach dem Ersten Weltkrieg entwickelte sich die von US-amerikanischen und britischen Quäkern organisierte „Quäkerspeisung“ für Millionen deutscher Kinder zur rettenden humanitären Großtat und zum Aha-Erlebnis: Die ehemaligen Feinde kamen mit der Suppe.
Vor dem Ersten Weltkrieg waren Quäker in Deutschland praktisch ausgestorben. In Meyers Konversationslexikon von 1899 lesen wir unter „Quäker“: In Deutschland nur in der Gegend von Pyrmont vertreten, wegen Fleißes und häuslicher Tugend geachtet.
Kirchen und Religionen gab es reichlich. Alle Soldaten des Ersten Weltkriegs, die sich gegenseitig zusammenschossen, trugen Neue Testamente, New Testaments und Nouveaux Testaments in der Tasche oder, um niemandes Gefühle zu verletzen, Korane oder die Thora. Nach dieser mörderischen industriellen Revolution auf den Schlachtfeldern entstand in vielen Herzen eine brennende Sehnsucht nach Frieden, und diesen Frieden des Herzens brachten die Quäker mit für jedermann und genderneudeutsch jedefrau und jedenjedi, ohne sich erst das Parteibuch, den Ariernachweis, die rote Fahne oder sonstige politische Korrektheitszeugnisse vorlegen zu lassen. Die deutschen Quäker wuchsen wie Senfkörner und trafen sich 1925 in Eisenach zur ersten eigenständigen „Deutschen Jahresversammlung“ der „Religiösen Gesellschaft der Freunde“, denn so nennen sie sich nach dem 15. Vers im 15. Kapitel des Johannesevangeliums: „Ich werde euch nicht mehr Diener nennen; denn ein Diener weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr nenne ich euch Freunde; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe“ (O-Ton Jesus).
Im November 1925 zog das „Quäkerbüro“ in den linken Seitenflügel der Prinz-Louis-Ferdinand-Str. 5, heute Planckstraße 20, Berlin-Mitte. Dort befindet es sich heute noch.

 

Planckstraße_20.
Berlin Mitte, Planckstraße 20, Eingang.
Quäkerschild.
Schild des Quäkerbüros in der Planckstraße.

1965 gründete sich die „Deutsche Quäker-Hilfe“, sie zog jetzt am 10. April von Bielefeld nach Berlin und unterstützt Projekte wie „Fair Trade“ durch Zusammenarbeit. „Fair Trade“-Kaffee gibt es seit ein paar Wochen sogar bei Aldi, wie ich aus meinem Alltag weiß. Außerdem weiß ich, dass Ziele beim Gehen entstehen und Pfade beim Trampeln, aber was ich außerdem schon immer wissen wollte, ist: Wie geht eigentlich glückliches Gehen? — In den Infos der Quäker-Hilfe findet sich dazu einen Tipp: „Ich glaube, dass ich nur einmal durch dieses Leben gehe. Wenn ich daher irgendwo Güte zeigen oder einem Mitmenschen irgend etwas Gutes tun kann, dann will ich das nicht aufschieben oder sein lassen, sondern hier und jetzt tun. Denn diesen Weg werde ich nicht mehr entlang kommen.“ WILLIAM PENN (1644 bis 1718), Gründer Pennsylvanias. Er schloss den einzigen Vertrag zwischen Weißen und Indianern, der nie aufgeschrieben und nie gebrochen wurde.

http://www.quäker-hilfe.de/

 

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5. Vorlesung ― http://volkslesen.tv/06-13-tafelwerk-und-tintenherz-tintenherz/

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6. Fortsetzungsgeschichte: CAFÉ FANTASY – Folge 17

Wir erinnern uns an Veronika Mewes-Fischer (82), Urs Bergner (39) und den Herrnhuter Diaspora-Prediger Weiz (214), die sich in der Zeitschleife des CAFÉ FANTASY an Tisch drei getroffen haben zur Small Talk Show ohne Fernsehen.

Urs Bergner ergriff das Wort: “Erzählen Sie uns lieber weiter von 1841 und dieser Gottliebin Dittus im Schwarzwald, Herr Diaspora-Prediger.”

„Gute Idee“, nickte Frau Mewes-Fischer. Weiz schwieg nachdenklich so lange, dass es ihr zu lang und weilig wurde. „Wissen Sie eigentlich, Herr Weiz, warum wir Frauen immer das letzte Wort haben?“

Weiz schwieg weiter. „Warum denn, Veronika?“, fragte Urs an seiner statt. Er musste dabei verstärkt an Nadia denken.

„Weil Euch Männern immer so schnell nichts mehr einfällt“, antwortete Frau Mewes-Fischer.

Weiz räusperte sich. Auf einmal flog die Tür auf. Ein schwarz gekleideter Finstermann mit schwarzer Sturmhaube stürmte ins CAFÉ FANTASY und baute sich vor Tisch drei im allgemeinen und dem Diaspora-Prediger Weiz auf. „Wir haben gehört, du bist einer von diesen ewig Gestrigen und hast gedacht, wir kriegen dich nicht!“

Weiz räusperte sich immer noch. „Wer sind Sie denn?“, fragte Frau Mewes-Ritter streng.

„Ich bin Anton von der Antifa Neukölln“, sagte Anton zu ihr. Dann wandte er sich wieder Weiz zu. „Und ich hab gehört, du bist 214 Jahre alt und arbeitest als Diaspora-Pfaffe?“ Weiz nickte schweigend.

„Und was hast du in der Zeit von 1939 bis 1945 gemacht?“

„Da hatte ich Pause“, antwortete Weiz.

„DA HATTEST DU PAUSE? IM FASCHISMUS HATTEST DU PAUSE?“, brüllte Anton von der Antifa.

„Was ist das, Faschismus?“, fragte Weiz. Anton von der Antifa wusste es auch nicht so genau. Er wusste nur, dass er dagegen war, und nahm eine drohende Haltung ein. Weiz stand auf und nahm eine gerade Haltung ein. Veronika Mewes-Fischer stand auf und nahm eine gerade Haltung ein. Urs Bergner stand auf und nahm eine gerade Haltung ein.

Weiz betrachtete Anton in seiner schwarzen Vermummung. Wir geben hier eine kleine Sehhilfe diesbezüglich, für die wir uns bei BANKSY herzlich bedanken:

BANKSY
Anton von der Antifa noch ohne Sturmhaube und dafür mit Mutter.

„Gehören Sie zum gleichen Verein wie diese vermummten Finsterfrauen, denen ich unterwegs begegnet bin?“, fragte Weiz. „Oder ist gerade Karneval?“

Anton von der Antifa war aber nicht nach närrischen Tagen oder gar zum Lachen. „Wir sprechen uns noch“, knurrte er und machte, dass er wegkam. So janz alleene, det war ihm nix.

Weiz hatte sich nun genug geräuspert. Er blickte Anton von der Antifa etwas verblüfft nach, als der übern Richardplatz abmarschierte. Dann fuhr er fort mit seiner Geschichte, die er durch die Zeitschleife trug: “In der folgenden Adventszeit des Jahres 1841 be­kam Gottliebin Dittus eine so schlimme Gesichts­rose, dass deren gleichzeitiges Brennen und Jucken ihr gesamtes Nervenkostüm ergriff und sie krank ans Bett fesselte. Sie musste sich von ihren Ge­schwistern versorgen lassen.
Angst ist der Glaube des Teufels. Was die armen Dittus-Geschwister ängstigte und auch dem Leineweber Seitz im ersten Stock die Ruhe raubte, das war dieses vom Verstand her unerklärbare, ständig wiederkehrende Geschlurfe und Gepolter in Stube, Küche, Kammer des Erdgeschosses.
Für den Pfarrer Blumhardt empfand Gottliebin eine merkwürdige Hassliebe. Während sie sonntags in der Kirchenbank saß und seiner Predigt lauschte, wuchs in ihr auf einmal der Wunsch, ihm die Augen auszukratzen. — Andererseits konnte der Pastor und Seelenhirte Blumhardt sicher sein, Gemeindeschaf Gottliebin überall dort anzutreffen, wo es auch nur irgendein Erbauungswort von ihm zu hören gab ― obwohl ihr das Gehen schwerfiel mit ihrer schiefen Hüfte und dem zu kurzen Hinkefuß. Wenn sie nach diesen Ausflügen wieder in die Dittus-Wohnung zurückgehumpelt kam, wurde sie dort empfangen von einer seltsamen Eiseskälte, die ihr durch Mark und Knochen ging und minutenlang das Herz abdrückte, bis sie wieder zu sich kam.
Ihre Persönlichkeit veränderte sich. Gottliebin entwickelte eine abstoßende, ablehnende Art, die den Möttlingern zusehends widerlich wurde, wenn sie nicht gerade selber ungeschlachte grobe Klötze waren.
Weil Gottliebin ihre Erfahrungen und Erlebnisse eisern für sich behielt und mit ihren drei Geschwistern als arme Waisenfamilie Dittus keinen besonderen gesellschaftlichen Stellenwert am Ort hatte, fragte niemand weiter nach ihr — außer dem jungen Landarzt Dr. Späth, der sie seit dem Tod ihrer Eltern als Armendoktor betreute. Er war auch der einzige Mensch, dem sie manches von ihren Plagen im Vertrauen auf seine ärztliche Schweigepflicht mitgeteilt hatte.
Dieser Dr. Späth blieb zwei Mal über Nacht in der Stube der Dittus-Wohnung. Was er dort in der ersten Nacht erlebte, übertraf alle seine Erwartungen und Befürchtungen. In der zweiten Nacht lud er noch drei wissbegierige Personen ein, mit ihm dort die Zeit zu verbringen und Zeugen des geisterhaften Polterns und Schlurfens zu werden. In dieser Nacht sträubten sich allen Anwesenden die Haare. — Danach wurden diese Ereignisse zum Ge­sprächs­stoff, und zwar weit über Möttlingen hinaus. Die Nachricht dieser seltsamen Ereignisse verbreitete sich rasch in der ganzen Umgegend, so dass inzwi­schen sogar schon aus Calw und Stuttgart Anreisen­de gesichtet wurden, die neugierig um das Haus Brunnengasse 3 herumschlichen und Fragen stell­ten, die niemand beantworten konnte oder wollte. Allerdings erzählte Gottliebin auch dem Dr. Späth nichts von der wahren Ursache ihres Blutverlustes, von diesen vampirischen Geistern, die sie jede Wo­che heimsuchten. Der Arzt sah nur hilflos mit wach­sendem Entsetzen zu, wie sie immer schwächer wurde.
Anfang Februar 1842 brach über den Schwarz­wald eine derartige Kältewelle herein, dass die Vö­gel tot wie Holzstücke vom Himmel fielen. Wege und Straßen lagen so verschneit, dass keine Kut­sche mehr durchkam. Auf der zugefrorenen Nagold liefen dick eingemummelte Familien fröhlich Arm in Arm Schlittschuh und freuten sich auf die Bratäp­fel, die schon zu Hause im Kachelofen warteten.
Dr. Späth hatte über zwei Stunden bei seiner Patientin in Möttlingen verbracht und wusste zum erstem Mal in seinem Ärzteleben nicht mehr weiter. Deshalb borgte er vom Schultheiß, dem Wolldecken- und Teppichhersteller Kraushaar, dessen Pferdeschlitten. Im Schwarzwald hießen die Bürgermeister ‚Schultheiß‘ bis ins 20. Jahrhundert hinein. Von Kraushaars zwei schweren Haflingern ließ sich Dr. Späth über die schneeweißen Wege zum Arzt Dr. Körner in Altburg bei Calw ziehen.
‚Sie haben doch Gottliebin Dittus damals behandelt, Herr Kollege‘, begann er dort das Gespräch mit Dr. Körner ohne Umschweife, wie es seine Art war.
‚Ich erinnere mich‘, murmelte Körner zurückhal­tend, ein hagerer grauhaariger Mann mit vielen Falten in einem schmalen Gesicht. ‚Was gibt es denn?‘
‚Krämpfe gibt es ohne erkennbare Ursache‘, sprach Dr. Späth, ‚Krämpfe und Blutverluste, die gar nicht mehr aufhören.‘
‚Seit wann?‘
‚Seit…‘, Dr. Späth dachte nach, ‚seit sie in Möttlin­gen mit ihren drei Geschwistern eine Wohnung be­zogen hat.‘
‚Und sonst?‘ Besonders redselig schien der Kol­lege nicht zu sein.
‚Sie ist dort beim ersten Tischgebet ohnmächtig vom Stuhl gefallen‘, sagte Späth. ‚Eine solche Ohn­macht hat sie vorher noch nie erlebt.‘
‚Was sagt denn der Pfarrer dazu?‘
‚Der Pfarrer?‘ Späth starrte seinen Kollegen ver­blüfft an. ‚Der hat doch von Medizin gar keine Ah­nung.‘
Pause.
‚Er ist immerhin Seelsorger‘, sprach der Altburger Arzt. ‚Vielleicht ist ihre Seele krank oder …‘, er zögerte.
‚Oder was?‘, wollte Späth wissen.
Körner antworte: ‚Zwischen Himmel und Erde gibt es einen Bereich, den unsere Schulmedizin nicht kennt, weil dort die Finsternis herrscht.‘ Nun bekam Körner zu den vielen Längsfalten im Gesicht auch noch auf der Stirn drei tiefe Querfalten. Er klatschte entschlossen in die Hände. ‚Guten Tag und vielen Dank für Ihren Besuch, aber ich muss jetzt weitermachen.‘ Mit der rechten Hand griff er zu seiner Arzttasche und mit der linken hielt er dem Kollegen die Tür auf.
Als Dr. Späth nach Möttlingen zurückkehrte, hat­te schon die Dämmerung eingesetzt. Im Pfarrhaus sah er Licht und klopfte an. Pastor Johann Chri­stoph Blumhardt saß mit seiner Frau Doris am Ess­tisch beim Abendbrot. Dr. Späth sollte sich mit an den Tisch setzen. Er hatte zum Leidewesen der Hausfrau aber keinen Appetit auf das Abendbrot und blieb stehen, was auf sie ausgesprochen un­freundlich und ungemütlich wirkte.
‚Gottliebin Dittus ist sehr krank, Herr Pfarrer‘, sagte der Arzt.
‚Davon haben wir gehört, Herr Dr.‘, sagte Doris Blumhardt, weil ihr Mann gerade am Kauen war und den Mund voll hatte mit Graubrot, Butter und Schwarzwälder Schinken. ‚Hoffentlich wird das arme Ding bald wieder gesund.‘ Als Blumhardt ausgekaut und herunterge­schluckt hatte, wischte er sich mit einer blau ge­musterten Leinentuchserviette den Mund ab.
‚So viel ich weiß, Herr Dr., wird sie von Ihnen gut und anteilnehmend medizinisch versorgt‘, ergänzte er die Rede seiner Frau.
‚Ich habe Medizin studiert und bin Arzt, das ist richtig‘, sagte Dr. Späth.
‚Die Kranken brauchen den Arzt, nicht die Ge­sunden‘, sprach Blumhardt und seine Frau nickte. Es störte Doris sehr, dass dieser Doktor sich be­nahm wie zwischen Tür und Angel. Jetzt schlug er sogar noch seinen Mantelkragen hoch, als ob es ihn hier fror.
‚Das geht so nicht weiter mit Gottliebin‘, brumm­te Späth. ‚Hier kann kein Arzt mehr helfen, da muss ein Mann Gottes ran.‘
Blumhardt bekam vor Schreck einen Hustenan­fall.
‚Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, Herr Pastor, als unsere Schulmedizin sich träumen lässt‘, wiederholte Späth die Rede seines Altburger Kollegen und verfertigte allmählich den Gedanken, dass für die Schultheologie das gleiche galt.
‚Was hat das arme Ding denn Wundersames?‘, fragte Doris und beobachtete besorgt ihren husten­den Gatten.
‚Gottliebin Dittus bekommt grundlose Krampf­anfälle‘, erklärte Späth aufgebracht. ‚Sie verliert Blut und wird von Tag zu Tag schwächer. Außerdem poltert und schlurft irgend etwas Unsichtbares um sie herum, und zwar so laut, dass inzwischen halb Möttlingen jede Nacht davon wach und unruhig wird.‘
Doris lauschte aufmerksam und besorgt auf die Geräusche ihres hustenden Mannes und sprach: ‚Wir haben hier noch nichts ge­hört im Pfarrhaus.
‚Das ist ja das Schlimme‘, seufzte Späth.
Die Hausfrau wollte den ungebetenen Gast gern auf fromme, liebenswürdige Art loswerden und wusste nicht wie.
Blumhardt beruhigte sich langsam wieder und fragte mit viel Freundlichkeit im Tonfall: ‚Warum arbeitet sie eigentlich nicht mehr?‘
‚Weil Gottliebin rechts einen verkürzten Fuß und dadurch links eine hohe Seite bekommen hat. Sie kann jetzt nur noch humpeln‘, antwortete Dr. Späth. ‚Außerdem wird sie gequält von Magen­schmerzen, Unterleibsleiden und kaputten Nieren, seit sie 13 ist.‘
Der Pfarrer dachte nach. ‚Die unerklärlichen Dinge zwischen Himmel und Erde entstammen ei­ner überkandidelten fehlgeleiteten Einbildungs­kraft‘, sagte Blumhardt dann ruhig und entschieden. ‚Man kennt doch die Frau­enzimmer, wie sie sind, wenn sie hysterisch wer­den. Meistens hilft schon eine Tasse Melissentee in solchen Fäl­len.‘
Dr. Späth nickte verärgert und wischte sich die Haare aus der Stirn. ‚Ja, ich kenne die Weiber und eben drum kann ich Einbildung ganz klar unter­scheiden von Geschehnissen, die über unsere fünf menschlichen Sinne und unseren Verstand weit hinaus gehen.‘ Er zog ein ganz neues Neues Testa­ment aus der Jackentasche und blätterte es zielstre­big bei einem eingeknickten Eselsohr auf. ‚Hier heißt es ausdrücklich: ‚Als aber Jesus auferstanden war am ersten Tag der Woche, erschien er zuerst Maria Magdalena, von der er sieben böse Geister ausgetrieben hatte.‘ Sie kennen doch die Bibel, Herr Pastor, oder?‘
Blumhardt fand die Frage reichlich unverschämt, Doris auch. ‚Natürlich kenne ich die Bibel, Sie…‘, ihm fiel kein treffendes frommes Wort ein für den Arzt. ‚An die Heilige Schrift können Sie aber nicht herangehen wie an einen Steinbruch und sich das herausbrechen, was Ihnen gerade in den Kram passt. Maria stammte aus Magdala und nicht aus Möttlingen. Sie lebte vor über eintausendachthun­dert Jahren. Damals herrschte eine ganz andere Weltsicht.‘
Der Arzt sprang auf und steckte sein Neues Tes­tament wieder ein. ‚Es hat keinen Zweck, weiter mit Ihnen zu reden, Pastor Blumhardt. Sie wollen nicht verstehen, wovon ich rede.‘
‚Ich will nicht? Nein, ich kann es nicht verstehen, Herr Dr. Späth.‘ Blumhardt legte sein Besteck hin, dass es klirrte. ‚Ich predige jeden Sonntag in der Marienkirche, taufe neugeborene Kinder, kümmere mich um die Konfirmanden, um die Paare, die hei­raten wollen, und um die Toten, die beerdigt wer­den wollen, und bin ansonsten im Pfarrhaus zu christlichen Zeiten immer erreichbar. Was glauben Sie denn, wer ich bin und was mir möglich ist? Ich kann weder zu Fuß übers Wasser laufen noch sonst irgendwelche Wunder tun.‘
‚Wollen Sie nicht wenigstens eine Tasse Melis­sentee mit uns trinken?‘, fragte Frau Blumhardt.
‚Nein, danke‘, sagte Dr. Späth.
‚Ich bin Pastor und Hirte‘, fuhr Blumhardt fort, ‚aber kein Wundermann und kein Geisterjäger.‘
‚Wenn Sie Pastor und Hirte sind, warum küm­mern Sie sich dann nicht um Ihr krankes Gemeinde­kind Gottliebin Dittus?‘, fragte Dr. Späth kämpferisch.
‚Weil sie einen guten Arzt hat und mich gar nicht sehen will‘, antwortete Blumhardt friedlich.
‚Sie haben doch bloß Angst um Ihren Ruf als auf­geklärter evangelischer Pfarrer, der in Tübingen Theologie studiert hat‘, fing der Arzt nun an zu schimpfen. ‚Deshalb wollen Sie sich hier auf keinen Kampf mit den Geistern einlassen, die Gottliebin kaputt machen.‘
‚Schreien Sie uns nicht so an‘, sagte Doris.
‚Mein Ruf ist mir egal‘, behauptete Blumhardt. ‚Aber wie auch immer, wir leben heute im moder­nen neunzehnten Jahrhundert und nicht im Mär­chenland des Mittelalters mit seinen Feen, Zwergen, Riesen und sonstigen Spukgestalten. Das müssten Sie als Arzt und Naturwissenschaftler doch am bes­ten wissen.‘
‚Ich weiß jedenfalls, dass der Medizin und mir als Arzt Grenzen gesetzt sind‘, sagte Späth. ‚Und hinter diesen Grenzen geht es unsichtbar wei­ter.‘
‚Warum wollen Sie meinen Mann unbedingt mit hineinziehen in diese unerfreuliche Sache, Herr Dr. ?‘, fragte Doris Blumhardt.
‚Unbedingt mit hineinziehen?‘, wiederholte der Dr. Späth erstaunt. ‚Sie haben doch beide keinen blas­sen Schimmer, wie schlimm es um die Kranke wirk­lich steht.‘ Er blickte Doris so durchdringend an, dass sie den Blick senkte. ‚Frau Blumhardt, was tun Sie, wenn es hier im Pfarrhaus brennt?‘
‚Dann versuche ich zu löschen und mein Mann ruft die Feuerwehr‘, antwortete sie.
‚Und was tun Sie, wenn die Flammen aus dem Haus Ihres Nächsten schlagen?‘, fragte der Dr. aufgebracht weiter. ‚Sehen Sie zu, wie ein Mensch lichterloh verbrennt?‘
‚Nein, natürlich nicht‘, rief Doris empört. ‚Wir rufen ge­nauso die Feuerwehr und versuchen zu retten, was zu retten ist.‘
‚Etwas anderes tue ich hier für Gottliebin Dittus auch nicht.‘ Späth riss zornig die Tür auf. ‚Gute Nacht und schlafen Sie gut weiter!‘ Er verließ das Pfarrhaus.“

Weiz verließ das CAFÉ FANTASY nun dito. Veronika und Urs blieben etwas ratlos zurück. Das heißt, Urs Bergner blieb ratlos. Frau Mewes-Ritter dagegen zuppelte ihren Ebook-Reader aus der Handtasche und fing an zu lesen.

„Was lesen Sie denn da?“, fragte Urs.

„Ach, ich lese einen historischen Krimi über die bekannteste deutsche Serienmörderin, Garçon“, antwortete sie freundlich. „Das Ebook gibt es nämlich ein paar Stunden lang kostenlos, weil Herbert-Friedrich WiTzel alias Hermann Syzygos heute seinen sozialen Tag hat.“

Der Engel von Bremen.
Zum sozialen Sonderangebot hier aufs Bild klicken bitte. FROHES SCHMÖKERN!

 Wird fortgesetzt – morgen geht die Sache weiter.

  • Wird Dr. Späth den Pastor Blumhardt rumkriegen, dass der sich doch noch mit diesem Menschenkind abgibt?
  •  Bald wissen wir mehr!

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7. Besondere Schmakazie aus Blancas kleinekleinigkeiten-Blog:

 

Anello meraviglioso

aus Blancas Blog.
Aus Blancas kleinekleinigkeiten-Blog.

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Sa=Sonnabend, 24. Mai 2014 – WiTzels Tagblatt Nr. 93

Sa=Sonnabend, 24. Mai 2014

  1. Tagesmusik Fritz Kalkbrenner (Berlin);
  2. Bild des Tages: Hokusai (Japan);
  3. Spruch zum Tage von Cindy Crawford;
  4. Kalendergeschichte, diesmal mit Kaiser Wilhelm I.;
  5. Vorlesung, Psalm 63;
  6. Fortsetzungsgeschichte CAFÉ FANTASY am Richardplatz, Folge 14.

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Nächsten MONTAG ist Tagblatts Ruhetag, übrigens.

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Ton ab für

 

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S;=)

Bild des Tages:

Hokusai.
Hokusai: Die große Welle vor Kanagawa (Farbholzschnitt, 1830).

Hier ein anderer Abzug, Wiedergabe drei Nummern größer:

Die große Welle
Die große Welle.

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S;=)

Spruch zum Tage:

 Wenn ich aufwache, sehe ich auch nicht aus wie Cindy Crawford.

CINDY CRAWFORD.

Cindy-Crawford-Deichmann.
Deichmann Geschäft in Ostrowiec Swietokrzyski, Polen
(Wiki, Urheber: Krugerr).

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S;=)

Kalendergeschichte:

Wenn in Berlin die Wache aufzog, dann trat Kaiser Wilhelm I. in seinem Palais Unter den Linden an das berühmte „Eckfenster“. Diese Tatsache war nicht nur in Deutschland, sondern europaweit bekannt. Tausende von Touristen warteten jedes Mal auf die Gelegenheit, den Mann zu sehen, der Kraft und Größe des deutschen Reiches verkörperte. In seinen letzten Lebensjahren wurde Wilhelm von diversen Krankheiten geplagt und seine Ärzte verordneten ihm Schonung. Aber der Kaiser hatte „keine Zeit, müde zu sein“.

Wilhelm-I.
Kaiser Wilhelm I. von Deutschland in Generalsuniform (Fotografie von Wilhelm Kuntzemüller 1884).

Pünktlich zur Stunde, als die Wache aufzog, stand er wieder wie gehabt am Eckfenster und nahm mit gütigem Lächeln alle Ehrerbietung und alle Huldigungen entgegen. Sein Leibarzt trat neben den Kaiser und beschwor ihn eindringlich, diese Anstrengung seiner Gesundheit zuliebe ab sofort sein zu lassen. Den Kaiser hatte das Stehen tatsächlich sehr ermüdet, doch nichtsdestotrotz erwiderte er: „Lassen Sie mich nur – ich muss ans Fenster. Es ist Mittag und im Baedeker steht, dass man mich um diese Zeit von der Straße aus sehen kann.“

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Vorlesung

http://volkslesen.tv/14-08-d-psalme-zueritueuetsch-4/

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Fortsetzungsgeschichte: CAFÉ FANTASY – Folge 14

Wir erinnern uns: Der Herrnhuter Diaspora-Prediger Weiz erzählte davon, wie schlimm es Gottliebin Dittus nun in der Brunnengasse Nr. 3 erging, wie es um sie herum unerträglich polterte und alle möglichen Geräusche machte, wie ihr nachts die Hände gewaltsam übereinander gelegt wurden, Irrlichter um ihr Bett herumtanzten und seltsame geisterhafte Gestalten auftauchten. – Dann besuchte ihre Tante Kätter den neuen Möttlinger Pastor Johann Christoph Blumhardt und erzählte ihm davon.

Blumhardt.
Johann Christoph Blumhardt (1805 bis 1880) nach einem zeitgenössischen Bildnis.

[Abbildung entnommen aus meinem Buch: „Die Besessene – Gottliebin Dittus in Möttlingen.“]

“Und dann?”, fragte Frau Mewes-Fischer. “Was machte der Pastor? Ich hab diese Exorzismus-Filme aus Hollywood gesehen, also da geht ja echt die Post ab!”

„Blumhardt war bereit, Gottliebin zu besuchen“, erzählte Weiz. „Die Räume im Erdgeschoss der Brunnengasse 3 fand er noch niedriger, dunkler und enger vor als erwartet. Mit Mühe bewegte sich der Pastor dort in die Stube, ohne anzustoßen, und sank auf einen dreibeinigen Küchenhocker, von dem die meiste weiße Farbe schon abgeblättert war. Tante Kätter machte sich am Kochherd zu schaffen.
‚Ich bin Pfarrer Blumhardt’, stellte er sich den Geschwistern Dittus vor. Weil das jeder sagen konn­te, fütterte er nach: ‚Ich bin der Nachfolger von Pas­tor Dr. Christian Gottlob Barth, dem Verfasser mehrerer erfolgreicher Erbauungsbücher für die Jugend und Herausgeber des Calwer Missionsblattes.’
Gottliebin saß ihm gegenüber am Esstisch. Ihr Gesicht veränderte sich und ihre Augen wurden lauernd. ‚Was willst du hier, du blöder Pfaffe?’, zischte sie. ‚Mach, dass du rauskommst, helfen kannst du sowieso nicht — los, verschwinde und lass dich nie wieder blicken!’
Der Pastor schüttelte verständnislos den Kopf und machte, dass er hier rauskam.
Erschrocken fiel Tante Kätter die Suppenkelle aus der Hand. Sie lief dem Pastor hinterher. ‚Tut mir leid, Herr Pfarrer!’
‚Mir auch’, antwortete Blumhardt knapp und versuchte draußen seine Freundlichkeit und Ausge­glichenheit wiederzufinden. So etwas war ihm noch nie passiert in seiner bisherigen Laufbahn.“ Weiz räusperte sich und trank einen Schluck Kaffee.
„Und dann?“, fragte Aushilfskellner und Eismatscher Urs Bergner, der durch diese Anregungen  dazu gebracht wurde, über eine Bibelschule, eine Ausbildung zum Prediger oder sogar ein Theologiestudium nachzudenken. Neulich hatte er einen Spruch von Steve Jobs gelesen: „Diejenigen, die verrückt genug sind zu denken, sie könnten die Welt verändern, tun es auch.“ Urs Bergner wollte zumindest mitreden können, was die Weltveränderung betraf hier am Richardplatz in Neukölln. Als er neulich am Hermannplatz aus der U-Bahn kam und Richtung Kottbusser Damm ging, wanderte sein Blick an dem Eckhaus Weserstraße/Sonnenallee nach oben.

Foto: Lothar Schneeberger.

Dort entdeckte er einen aufmerksamen Betrachter der laufenden Ereignisse.

 

 

 

Foto: Lothar Schneeberger.
(Beide Fotos machte Lothar Schneeberger – Danke dafür.)

Dieser interessierte Blick von oben machte ihn sehr nachdenklich auf konstruktive Art. –

„Und dann?“, fragte Urs noch einmal, weil Weiz nicht antwortete.

„Ja“, stimmte Frau Mewes-Fischer seiner Frage zu, „wie geht die Geschichte nun weiter im Schwarzwald?“

Wird fortgesetzt. Morgen geht das Gespräch im CAFÉ FANTASY weiter.

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So, das war WiTzels Tagblatt Nr.:

 

Ludwig-Richter-93.
Illustration Ludwig Richter: Civitella (Der Abend), 1828.

 

 

 

 

 

 

Freitag, 23. Mai 2014 – WiTzels Tagblatt Nr. 92

Freitag, 23. Mai 2014

  1. Tagesmusik: „Vatta, aufstehn !!!“ (1970);
  2. Bild des Tages: Essen an der Ruhr;
  3. Spruch zum Tage von Jürgen von Manger;
  4. Kalendergeschichte, diesmal apokalyptisch;
  5. Vorlesung, Dschings Aitmatov (einer der stärksten Autoren des 20. Jahrhunderts für mich);
  6. Fortsetzungsgeschichte CAFÉ FANTASY am Richardplatz – Folge 13.
  7. Besondere Schmakazie mit Mr. Charlie zur Wirtschaftskrise nach dem Geld- und Goldrausch.
  • Charlie-Chaplin.
    Charlie Chaplin gibt uns einen Surf- und Lesetip für die Wirtschaftskrise bzw. für den Kater nach Geld- und Goldräuschen.

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Nächsten MONTAG ist Tagblatts Ruhetag, übrigens.

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Die Älteren unter uns, zu denen ich gehöre, kennen noch die Zeiten, als es keine EU und jede Menge Arbeit gab. Wenn Du einen Job loswurdest, dann bist Du einfach eine Tür weitergegangen, hast Dich vorgestellt und konntest morgen anfangen…

Ton ab für TANA SCHANZARA:

 

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S;=)

Bild des Tages:

J. Ohrmann
J. Ohrmann: Essen an der Ruhr (1860).

 

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S;=)

Spruch zum Tage:

Kegeln ist die Kunst, einen Umsturz zu machen, indem man eine ruhige Kugel schiebt.“

JÜRGEN VON MANGER.

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S;=)

Kalendergeschichte vom Ende der Menschheit:

Gott lässt sich nicht spotten und er macht nicht alles mit. Wir wissen nicht die einzelnen Gründe, doch hatte er „aus gegebenem Anlass“, wie es vom Himmel her hieß, eine zweite Sintflut auf seiner TO-DO-Liste. Maria und Jesus erinnerten ihn dann an die Verheißung, als er in seinem Herzen gesprochen hatte: „Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen willen; denn das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf. Und ich will hinfort nicht mehr schlagen alles, was lebt, wie ich es getan habe.

Solange die Erde besteht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.“

Das war natürlich ein Schlag ins Gesicht sämtlicher Klimawandels-Propheten. „Sie missbrauchen meinen Regenbogen, das Zeichen meines Bundes zwischen mir und ihnen und allem lebendigen Getier auf ewig“, sprach Gott der HERR und ließ sich nur eine neue Arche als Zugeständnis abringen.

Wir wissen nicht, warum, aber jedenfalls entschloss sich der liebe Gott, die Arche diesmal nicht von Noa, sondern von der EU bauen zu lassen. – Tja, und als es dann zu regnen anfing, gab es in Brüssel 50.000 Sesselfurzer, die sich mit der korrekten ISO-Norm für Affen und Bananen beschäftigten, und die Menschen wie Du und ich in Mitteleuropa hatten zwar nix bestellt, durften aber alles bezahlen nach der alten Freibierregel: „Wir spielen jetzt Wiedergutmachung und Deutschland gibt einen aus!“

Dazu fällt mir zwischendurch noch die Geschichte von Konrad Adenauer ein, weil nach dem Krieg ja nun wirklich alle die hohle Hand nach Deutschland ausstreckten, Österreich eingeschlossen. Adenauer sagte dazu: „Wenn die Österreicher Wiedergutmachung wollen, dann können sie die Knochen von Adolf Hitler zurückhaben.“

Bonn Appetit! - Kagähr Meyähr!
Konrad und Charles, Gott hab sie selig! Mit der heutigen EU haben sie so viel zu tun wie Deutschland mit dem Islam.

So, wir kommen nun zum Schluss unserer apokalyptischen Geschichte: Die Regenbogenfraktion einigte sich mit Wowereit auf eine gemeinsame Einweihungsparty für den Willy-Brandt-Flughafen und die Barak-Obama-Arche. Und was soll ich Euch sagen: Wir sind alle jämmerlich ersoffen, jedenfalls im Westen. Im Osten hatten sie immerhin eine Schwarzmeerflotte, aber wir hatten nur kubikmeterweise heiße Luft, die nach ISO-Norm 40 Minuten erhitzt werden darf, aber nicht länger, und anschließend mit spiralförmigen Bewegungen vom Wedelbefugten im Raum verwedelt werden muss wie die ISO-Tomatensoße vom ISO-Italiener auf der ISO-Pizza.

Gelbes-U-Boot.
Regierungs-Arche.

Es gab welche, die wollten sich ins Gelbe U-Boot retten, das noch von John, George, Paul und Ringo übriggeblieben war. Da saßen aber schon „unsere“ Politiker schön warm und trocken drin und flüchteten vor der Verantwortung für ihr eigenes Tun und Lassen wie sonst auch.

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Vorlesung ― http://volkslesen.tv/27-08-werkstatt-der-kulturen-liest-tschingis-aitmatow/

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Fortsetzungsgeschichte: CAFÉ FANTASY am Richardplatz – Folge 13

Wir erinnern uns an den Herrnhuter Diaspora-Prediger Weiz, der uns von Gottliebin Dittus erzählt hat, wie sie in der Möttlinger Brunnengasse Nr. 3 sofort das Gefühl hatte: „Hier ist es nicht richtig…“ Die Dittus-Geschwister setzten sich zum Mittagessen und Gottliebin sollte das Tischgebet sprechen. Sie begann: „Komm, Herr Jesus, sei unser Gast …“ Dann verdrehte sie plötzlich die Augen und fiel vom Stuhl wie ein Stück Holz.”

“War sie tot?”, fragte Frau Mewes-Fischer entsetzt. Auch dem Aushilfskellner und Eismatscher Urs Bergner lief eine Gänsehaut den Rücken rauf vom Hintern bis zum Nacken.

„Erst mal wusste niemand, was mit ihr los ist“, antwortete Weiz. „Sie lag da auf den blanken Dielenbrettern, zum Schrecken ihrer Geschwister, und rührte sich nicht. Dort am Boden kam sie dann zu sich. Wegen ihrer seltsam widerlich ge­wordenen und abstoßend zuckenden Gesichtszüge hatte niemand von den Geschwistern es gewagt, die Bewusstlose zu berühren.
Fünf Minuten nach dieser unerklärlichen Be­wusstlosigkeit sah Gottliebin aus wie vorher.
Heute früh hatte der Armenpfleger der Gemein­de Möttlingen für 150 Gulden diese Stube-Kammer-Küche-Wohnung in der Brunnengasse 3 gekauft, um sie als Unterkunft den verwaisten Dittus-Kin­dern zur Verfügung zu stellen. Nachdem Vater und Mutter gestorben waren, mussten sie notgedrungen umziehen, denn das Elternhaus gehörte der Calwer Hypotheken-Kredit-Bank.
Fünf Geschwister waren übriggeblieben: Andre­as Dittus ― zu dieser Zeit auswärts als Holzfäller und Forstgehilfe ―, sein halbblinder Bruder Jörg und die Schwestern Katharina, Annamaria und Gottliebin.
Gottliebin, geboren am 13. Oktober 1815, hatte ebenfalls andernorts ihre Dienste getan, bis sie ar­beitsunfähig wurde durch ihren verwachsenen Rücken, eine schiefe, zu hohe Hüfte, ein zu kurzes Bein und einen schlimmen Unterleib.“

Übrigens war Prediger Weiz so freundlich, uns eine Daguerrotypie der Gottliebin Dittus zur Verfügung zu stellen, allerdings aus einer späteren Lebensphase:

 

[Abbildung entnommen aus meinem Buch: „Die Besessene – Gottliebin Dittus in Möttlingen.“]

Dittus-Daguerrotypie.
Gottliebin Dittus (1815 bis 1872). 

Weiz weiter: „Am zweiten Tag gab es Spätzle mit Linsen bei den Dittus-Kindern. Die Linsen hatten sie von ihrer mitleidigen Tante Maria Kätter geschenkt bekom­men.
Am dritten Tag wurde Gottliebin eng ums Herz, denn sie wusste nicht mehr, was sie machen sollte, um hier alle hungrigen Mäuler satt zu bekommen. Es war nichts im Haus, kein Mehl mehr und Geld schon gar nicht, außer einem einzigen Notgroschen unterm Kopfkissen ihres Bettes nebenan in der Kammer. Den Groschen nahm sie nun und hielt ihn mit ihrer kleinen linken Faust umklammert.
Gottliebin dachte an ihre Geschwister, für die sie Verantwortung trug. Es war ihr, als würden alle Wände der Wohnung über ihrem Kopf zusammen­stürzen. Sie schloss hinter sich die Tür der Kammer und trat in die Stube.
‚Wenn ich doch wenigstens mehr Geld zum Ein­kaufen hätte’, murmelte sie verzweifelt vor sich hin, ‚wenigstens noch einen einzigen Groschen mehr…’ Plötzlich spürte sie ein Zucken in ihrer lin­ken Hand. Als sie die Faust öffnete, sah sie tatsäch­lich zwei Groschen statt einem in ihrer Hand.
Sofort bekam sie wieder eine Gänsehaut und dieses unheimliche Gefühl überfiel sie mit aller Macht: HIER IST ES NICHT RICHTIG. Hier will irgend etwas sich einmischen und mitmachen in ihrem Leben. Ent­setzt warf sie beide Groschen in den Abtritt und ihre Gänsehaut verschwand.“

„Abtritt?“, wunderte sich Urs Bergner, „was ist ein Abtritt?“

„Heute würden wir es ein Plumpsklo nennen, Garçon“, erläuterte Frau Mewes-Fischer. Er nickte verständig.

Weiz fuhr fort. „Nun hatte Gottliebin gar nichts mehr außer der festen Überzeugung, dass diese Hilfe nicht vom Himmel geschickt worden war. Gott kommt mit Ruhe. Sie wischte sich den kalten Schweiß von der Stirn und kehrte zurück in ihre Kammer, wollte sich aufs Bett legen zum Ausruhen. Einkaufen konnte sie ja nun doch nicht mehr. ABER WAS IST DAS? Auf dem Bett findet sie jetzt den abgetrennten Ärmel eines Männerhemdes, auf einer Seite zuge­bunden und prall mit Mehl gefüllt wie eine Wurst. Oben drauf liegt ein Silbertaler und unter dem Sil­bertaler ein beschrifteter Zettel. Sie liest: ‚Christi Blut und Gerechtigkeit, das ist mein Schmuck und Ehrenkleid.’
Trotz des frommen Spruches wird ihr Gesicht so weiß wie das Mehl. Eins hat sie durch Erfahrung schon gelernt im Lauf ihrer bald 25 Lebensjahre: Wo JESUS draufsteht, muss nicht Jesus drin sein. Der Teufel ist da für seine höllische Partei der beste Wahlkämpfer des Universums. — Doch weil es den Geschwistern Dittus jetzt wirklich am Allernötigsten mangelt, be­hält sie diesen Hemdsärmel, oder jedenfalls seinen Inhalt, und den Taler. Noch am gleichen Tag nimmt sie das Mehl zum Backen und den Silbertaler zum Einkaufen. Beim Abendbrot haben sie satt zu essen, doch so richtig lecker schmecken will es Gottliebin nicht. Im ganzen Haus entstand nach Einbruch der Dun­kelheit eine Unruhe, die auch den Bewohner des ersten Stockes mit einbezog, den allein leben­den Leineweber Michael Seitz. Das war völlig neu für ihn, was er hier miterlebte. Er konnte es nicht ein­sortieren in seinen bisherigen Erfahrungsschatz. Durch Kammer, Stube und Küche des Erdgeschos­ses bewegte sich ein Schlurfen wie von unsichtba­ren Füßen hin und her durch alle drei Räume. Bald erhob sich auch noch ein lautstarkes, unerklärbares Gepolter. Alle, die das hörten, bekamen einen heillo­sen Schrecken, sowohl die Dittus-Geschwister als auch Nachbar Seitz sowie drei zufällige Passanten auf der Brunnengasse. Aber niemand tat einen Mucks und man vermied es, anderntags überhaupt von diesem entsetzlichen Radau zu sprechen. In der nächsten, der dritten Nacht wurden Gottliebin auf einmal mit Gewalt die Hände übereinander gelegt, während sie friedlich im Bett lag.
In der vierten Nacht tanzten schwebende Irrlich­ter um sie herum, die plötzlich auftauchten und ge­nauso plötzlich wieder verschwanden.
In der fünften Nacht erblickte sie unbekannte Gestalten an ihrem Bett.
Anderntags kam Tante Kätter zu Besuch und brachte wieder Linsen mit. Gottliebin sagte nichts, doch ihre Geschwister erzählten der Tante von den unheimlichen Vorgängen.
Maria Kätter berichtete es dem neuen Pastor Jo­hann Christoph Blumhardt.“ Weiz trank einen Schluck Kaffee, weil er einen trockenen Mund vom vielen Erzählen bekommen hatte.

„Und dann?“, fragte Frau Mewes-Fischer. „Was machte der Pastor? Ich hab diese Exorzismus-Filme aus Hollywood gesehen, also da geht ja echt die Post ab!“

Wird fortgesetzt.

 

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7. Mr. Chaplin, wie lautet Ihre Surf- und Lese-Empfehlung für heute?

Charlie-Chaplin.
Charlie Chaplin gibt uns einen Surf- und Lesetip für die Wirtschaftskrise bzw. die Zeiten nach dem Geld- und Goldrausch:
NEUKÖLLNER-DSCHUNGEL.
Titelbild Mai/Juni 2014.

Ich empfehle den neuen NEUKÖLLNER DSCHUNGEL. Mit den kostenlosen NEUKÖLLNER DSCHUNGEL kommt man besser durch die Zeiten ohne Geld als mit Geld durch die Zeiten ohne NEUKÖLLNER DSCHUNGEL.

Mr. Chaplin, wir danken Ihnen für dieses höchst informative Gespräch.

PS: Übrigens sind im neuen NEUKÖLLNER DSCHUNGEL auch Beiträge von meiner Wenigkeit zu finden, und zwar auf den Seiten 10f. und 24.

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So, das war WiTzels Tagblatt Nr.:

-92-
[Benutzt fürs Design: 92 – HAUTS DE SEINE – 92 -.]

Donnerstag, 22. Mai 2014 – WiTzels Tagblatt Nr. 91

Donnerstag, 22. Mai 2014

  1. Tagesmusik mit Willie Nelson und Norah Jones;
  2. Bild des Tages: Natascha Ungeheuer;
  3. Spruch zum Tage von Wilhelm Raabe;
  4. Kalendergeschichte, diesmal Herbert-Friedrich Witzel;
  5. Vorlesung, Der kleine Prinz;
  6. Fortsetzungsgeschichte CAFÉ FANTASY.

 

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Ton ab für eine entspannte, besinnliche Kostbarkeit mit Country-Legende Willie Nelson, Bues-Lady Norah Jones und eine phantastischen Begleitband:

 

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Bild des Tages:

Natascha-Ungeheuer.
Natascha Ungeheuer: Fathma (1985).

 

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S;=)

Spruch zum Tage:

Oh, versteht es nur, Blumen zwischen die öden Blätter des Lebens zu legen; fürchtet euch nicht, kindisch zu heißen bei zu klugen Köpfen; ihr werdet keine Reue empfinden, wenn ihr zurückblättert und auf die vergilbten Andenken trefft!“

WILHELM RAABE.

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S;=)

Kalendergeschichte:

Vorhin hab ich mich mit meinem Neffen getroffen, der in Potsdam einen Vortrag gehalten hat. Wir waren für 11:30 Uhr in der Kantine im 10. Stock vom Rathaus Kreuzberg verabredet – kann ich sehr empfehlen wegen Panoramablick, freundlicher Bedienung und preiswertem guten Essen. Problem war nur, dass er dabei an Mittwoch dachte und ich an Donnerstag.

Na, wir haben uns dann doch noch so gegen 14 Uhr erwischt und eine kurzweilige gesprächige Zeit Yorckstraße/Ecke Mehringdamm verbracht, wo ich ihm das Eckhaus zeigte, in dem Gottfried Benn 18 Jahre lang seine Praxis über der Belle-Alliance-Apotheke hatte, und dann besuchten wir noch den Friedhof und die Gräber von E.T.A. Hoffmann und Felix Mendelssohn-Bartholdy. Am Grabe des Autors Johannes Schenk war zufällig seine Lebensgefährtin da und am Blumengießen, die Malerin Natascha Ungeheuer. Wenn sie in Berlin ist, dann geht sie jeden Tag hin und pflegt das Grab. Man sieht es. Sie wird mir eine Einladung zu ihrer nächsten Ausstellung schicken.

Ich freu mich drauf.

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Vorlesung

http://volkslesen.tv/33-09-sozialer-buecherladen-liest-antoine-de-saint-exupery/

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Fortsetzungsgeschichte: CAFÉ FANTASY – Folge 12

Wir erinnern uns dunkel an den Herrnhuter Diaspora-Prediger Weiz und an Urs Bergner, der Veronika Mewes-Fischer an Tisch drei gerade seine Erlebnisse vom Erlebnis-Shopping im RingCenter berichtet hat.

„Hört sich nach Mammoniten an“, murmelte Prediger Weiz.

„Wer oder was?“, fragte Urs Bergner.

„Wieviel, sagten Sie?“, fragte Frau Mewes-Fischer, die ehemalige Geschäftsführerin.

„Ich sagte, das erinnert mich an Mammoniten, diese Sekte, die sich den Mammon zum Oberhaupt gewählt hat und ihm nun Tempel baut, Banken, Kaufhäuser und Einkaufszentren. Diese Tempel, so wünschen es sich die Mammoniten, diese Tempel sollen alle Kirchen, Dome und Kathedralen unserer Vorfahren in den Schatten stellen. Wir werden zu Kaufberauschten erzogen.“

„Ja, geht das denn?“, wunderte sich Urs.

„Natürlich geht das, Garçon“, sprach Frau Mewes-Fischer. „Sie müssen nur dafür sorgen, dass die Menschen nicht zu glücklich werden, denn unglückliche Menschen geben mehr Geld aus, hat die Marktforschung herausgefunden.“

„Na, für die Unglücksbeschaffung haben Sie ja jetzt die EU, soviel ich weiß“, sagte Weiz. „Wegen der Mammoniten bin ich aber nicht hergekommen, sondern wäre eher weggeblieben. Nein, ich wollte Ihnen die Geschichte der Gottliebin Dittus erzählen. Gottliebin Dittus lebte in Möttlingen…“

„Dem sogenannten Tor zum Schwarzwald“, nickte Urs, der gut aufgepasst hatte, „und sie wohnte ab sofort mit ihren Geschwistern im Erdgeschoss des Hauses Brunnengasse Nr. 3. Schon beim ersten Schritt über die Schwelle der neuen Räume hatte sie gespürt: ‚Hier ist es nicht richtig …‘

„Richtig“, nickte Weiz, „so war das. Ich zeig Ihnen hier mal ein Bild von dem Haus, damit Sie wissen, wovon ich rede.“

Foto aus Möttlingen.
Das Gottliebin-Dittus-Haus in Möttlingen (2012).

„Moment mal“, begehrte Frau Mewes-Fischer auf, „wer hat diese Geschichte denn herausgesucht? Der Google-News-Roboter oder wer?“

Weiz schüttelte den Kopf. „Ich und der Autor, wir haben diese Geschichte herausgesucht fürs CAFÉ FANTASY. Wenn Ihnen das nicht passt, dann können Sie ja den Blog wechseln oder am Großflughafen WILLY BRANDT ins nächste Flugzeug steigen und auf den Sankt-Wowereit-Tag warten.“

Frau Mewes-Fischer schwieg verärgert.

„Wie geht es denn jetzt weiter?“, fragte Urs. „Nun lassen Sie sich doch nicht alles aus der Nase ziehen, Herr Diaspora-Prediger!“

„Die Dittus-Geschwister setzten sich zum Mittagessen und Gottliebin sollte das Tischgebet sprechen. Sie begann: ‚Komm, Herr Jesus, sei unser Gast …‘ Dann verdrehte sie plötzlich die Augen und fiel vom Stuhl wie ein Stück Holz.“

„War sie tot?“, fragte Frau Mewes-Fischer entsetzt und vergaß ihre Verärgerung über Sankt Wowereit.

Wird fortgesetzt.

  • Da hat Frau Mewes-Fischer eine sehr gute Frage gestellt:
  • War Gottliebin tot, als sie zu Boden fiel?

Morgen wissen wir mehr. – Sie können die Geschichte aber auch von SOFORT auf GLEICH lesen, nämlich hier:
http://www.amazon.de/Die-Besessene-Gottliebin-Dittus-Moettlingen/dp/1496119681/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1400694245&sr=8-1&keywords=Witzel+Die+Besessene

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So, das war WiTzels Tagblatt Nr.

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