15.9. Buchvorstellung

Herbert Witzel, geboren 1949 in Braunschweig, zog 1971 nach Berlin. Er besichtigte im Sommer 2000 das Gottliebin-Dittus-Haus in Möttlingen im Schwarzwald und entschloss sich, die Geschichte dieser jungen Frau eines Tages aufzuschreiben. Hier ist sie.

Natraj
Im „NATRAJ“, einen freundlichen Laden für Räucherstäbchen etc. in Berlin Kreuzberg,  lese ich am Montag, dem 15. September 2014, um 19 Uhr aus meiner Nacherzählung eines Exorzismus im Schwarzwald. Mit dabei sind Ingrid Elisabeth Sollors als Dame des Hauses und an der Gitarre Christian Rädisch.

NATRAJ

Das Buch gibt es entweder dort vor Ort, auf Wunsch mit Widmung, oder bei Amazon:

http://www.amazon.de/Die-Besessene-Gottliebin-M%C3%B6ttlingen-Lebensgeschichten-ebook/dp/B00KB3521I/ref=sr_1_5?ie=UTF8&qid=1410089318&sr=8-5&keywords=Die+Besessene

Bis Sonnabend, 13.9.2014 als Ebook KOSTENLOS !!!

 

 

 

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Sa=Sonnabend, 24. Mai 2014 – WiTzels Tagblatt Nr. 93

Sa=Sonnabend, 24. Mai 2014

  1. Tagesmusik Fritz Kalkbrenner (Berlin);
  2. Bild des Tages: Hokusai (Japan);
  3. Spruch zum Tage von Cindy Crawford;
  4. Kalendergeschichte, diesmal mit Kaiser Wilhelm I.;
  5. Vorlesung, Psalm 63;
  6. Fortsetzungsgeschichte CAFÉ FANTASY am Richardplatz, Folge 14.

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Nächsten MONTAG ist Tagblatts Ruhetag, übrigens.

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Ton ab für

 

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S;=)

Bild des Tages:

Hokusai.
Hokusai: Die große Welle vor Kanagawa (Farbholzschnitt, 1830).

Hier ein anderer Abzug, Wiedergabe drei Nummern größer:

Die große Welle
Die große Welle.

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S;=)

Spruch zum Tage:

 Wenn ich aufwache, sehe ich auch nicht aus wie Cindy Crawford.

CINDY CRAWFORD.

Cindy-Crawford-Deichmann.
Deichmann Geschäft in Ostrowiec Swietokrzyski, Polen
(Wiki, Urheber: Krugerr).

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S;=)

Kalendergeschichte:

Wenn in Berlin die Wache aufzog, dann trat Kaiser Wilhelm I. in seinem Palais Unter den Linden an das berühmte „Eckfenster“. Diese Tatsache war nicht nur in Deutschland, sondern europaweit bekannt. Tausende von Touristen warteten jedes Mal auf die Gelegenheit, den Mann zu sehen, der Kraft und Größe des deutschen Reiches verkörperte. In seinen letzten Lebensjahren wurde Wilhelm von diversen Krankheiten geplagt und seine Ärzte verordneten ihm Schonung. Aber der Kaiser hatte „keine Zeit, müde zu sein“.

Wilhelm-I.
Kaiser Wilhelm I. von Deutschland in Generalsuniform (Fotografie von Wilhelm Kuntzemüller 1884).

Pünktlich zur Stunde, als die Wache aufzog, stand er wieder wie gehabt am Eckfenster und nahm mit gütigem Lächeln alle Ehrerbietung und alle Huldigungen entgegen. Sein Leibarzt trat neben den Kaiser und beschwor ihn eindringlich, diese Anstrengung seiner Gesundheit zuliebe ab sofort sein zu lassen. Den Kaiser hatte das Stehen tatsächlich sehr ermüdet, doch nichtsdestotrotz erwiderte er: „Lassen Sie mich nur – ich muss ans Fenster. Es ist Mittag und im Baedeker steht, dass man mich um diese Zeit von der Straße aus sehen kann.“

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Vorlesung

http://volkslesen.tv/14-08-d-psalme-zueritueuetsch-4/

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Fortsetzungsgeschichte: CAFÉ FANTASY – Folge 14

Wir erinnern uns: Der Herrnhuter Diaspora-Prediger Weiz erzählte davon, wie schlimm es Gottliebin Dittus nun in der Brunnengasse Nr. 3 erging, wie es um sie herum unerträglich polterte und alle möglichen Geräusche machte, wie ihr nachts die Hände gewaltsam übereinander gelegt wurden, Irrlichter um ihr Bett herumtanzten und seltsame geisterhafte Gestalten auftauchten. – Dann besuchte ihre Tante Kätter den neuen Möttlinger Pastor Johann Christoph Blumhardt und erzählte ihm davon.

Blumhardt.
Johann Christoph Blumhardt (1805 bis 1880) nach einem zeitgenössischen Bildnis.

[Abbildung entnommen aus meinem Buch: „Die Besessene – Gottliebin Dittus in Möttlingen.“]

“Und dann?”, fragte Frau Mewes-Fischer. “Was machte der Pastor? Ich hab diese Exorzismus-Filme aus Hollywood gesehen, also da geht ja echt die Post ab!”

„Blumhardt war bereit, Gottliebin zu besuchen“, erzählte Weiz. „Die Räume im Erdgeschoss der Brunnengasse 3 fand er noch niedriger, dunkler und enger vor als erwartet. Mit Mühe bewegte sich der Pastor dort in die Stube, ohne anzustoßen, und sank auf einen dreibeinigen Küchenhocker, von dem die meiste weiße Farbe schon abgeblättert war. Tante Kätter machte sich am Kochherd zu schaffen.
‚Ich bin Pfarrer Blumhardt’, stellte er sich den Geschwistern Dittus vor. Weil das jeder sagen konn­te, fütterte er nach: ‚Ich bin der Nachfolger von Pas­tor Dr. Christian Gottlob Barth, dem Verfasser mehrerer erfolgreicher Erbauungsbücher für die Jugend und Herausgeber des Calwer Missionsblattes.’
Gottliebin saß ihm gegenüber am Esstisch. Ihr Gesicht veränderte sich und ihre Augen wurden lauernd. ‚Was willst du hier, du blöder Pfaffe?’, zischte sie. ‚Mach, dass du rauskommst, helfen kannst du sowieso nicht — los, verschwinde und lass dich nie wieder blicken!’
Der Pastor schüttelte verständnislos den Kopf und machte, dass er hier rauskam.
Erschrocken fiel Tante Kätter die Suppenkelle aus der Hand. Sie lief dem Pastor hinterher. ‚Tut mir leid, Herr Pfarrer!’
‚Mir auch’, antwortete Blumhardt knapp und versuchte draußen seine Freundlichkeit und Ausge­glichenheit wiederzufinden. So etwas war ihm noch nie passiert in seiner bisherigen Laufbahn.“ Weiz räusperte sich und trank einen Schluck Kaffee.
„Und dann?“, fragte Aushilfskellner und Eismatscher Urs Bergner, der durch diese Anregungen  dazu gebracht wurde, über eine Bibelschule, eine Ausbildung zum Prediger oder sogar ein Theologiestudium nachzudenken. Neulich hatte er einen Spruch von Steve Jobs gelesen: „Diejenigen, die verrückt genug sind zu denken, sie könnten die Welt verändern, tun es auch.“ Urs Bergner wollte zumindest mitreden können, was die Weltveränderung betraf hier am Richardplatz in Neukölln. Als er neulich am Hermannplatz aus der U-Bahn kam und Richtung Kottbusser Damm ging, wanderte sein Blick an dem Eckhaus Weserstraße/Sonnenallee nach oben.

Foto: Lothar Schneeberger.

Dort entdeckte er einen aufmerksamen Betrachter der laufenden Ereignisse.

 

 

 

Foto: Lothar Schneeberger.
(Beide Fotos machte Lothar Schneeberger – Danke dafür.)

Dieser interessierte Blick von oben machte ihn sehr nachdenklich auf konstruktive Art. –

„Und dann?“, fragte Urs noch einmal, weil Weiz nicht antwortete.

„Ja“, stimmte Frau Mewes-Fischer seiner Frage zu, „wie geht die Geschichte nun weiter im Schwarzwald?“

Wird fortgesetzt. Morgen geht das Gespräch im CAFÉ FANTASY weiter.

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So, das war WiTzels Tagblatt Nr.:

 

Ludwig-Richter-93.
Illustration Ludwig Richter: Civitella (Der Abend), 1828.

 

 

 

 

 

 

Freitag, 23. Mai 2014 – WiTzels Tagblatt Nr. 92

Freitag, 23. Mai 2014

  1. Tagesmusik: „Vatta, aufstehn !!!“ (1970);
  2. Bild des Tages: Essen an der Ruhr;
  3. Spruch zum Tage von Jürgen von Manger;
  4. Kalendergeschichte, diesmal apokalyptisch;
  5. Vorlesung, Dschings Aitmatov (einer der stärksten Autoren des 20. Jahrhunderts für mich);
  6. Fortsetzungsgeschichte CAFÉ FANTASY am Richardplatz – Folge 13.
  7. Besondere Schmakazie mit Mr. Charlie zur Wirtschaftskrise nach dem Geld- und Goldrausch.
  • Charlie-Chaplin.
    Charlie Chaplin gibt uns einen Surf- und Lesetip für die Wirtschaftskrise bzw. für den Kater nach Geld- und Goldräuschen.

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Nächsten MONTAG ist Tagblatts Ruhetag, übrigens.

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Die Älteren unter uns, zu denen ich gehöre, kennen noch die Zeiten, als es keine EU und jede Menge Arbeit gab. Wenn Du einen Job loswurdest, dann bist Du einfach eine Tür weitergegangen, hast Dich vorgestellt und konntest morgen anfangen…

Ton ab für TANA SCHANZARA:

 

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S;=)

Bild des Tages:

J. Ohrmann
J. Ohrmann: Essen an der Ruhr (1860).

 

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S;=)

Spruch zum Tage:

Kegeln ist die Kunst, einen Umsturz zu machen, indem man eine ruhige Kugel schiebt.“

JÜRGEN VON MANGER.

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S;=)

Kalendergeschichte vom Ende der Menschheit:

Gott lässt sich nicht spotten und er macht nicht alles mit. Wir wissen nicht die einzelnen Gründe, doch hatte er „aus gegebenem Anlass“, wie es vom Himmel her hieß, eine zweite Sintflut auf seiner TO-DO-Liste. Maria und Jesus erinnerten ihn dann an die Verheißung, als er in seinem Herzen gesprochen hatte: „Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen willen; denn das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf. Und ich will hinfort nicht mehr schlagen alles, was lebt, wie ich es getan habe.

Solange die Erde besteht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.“

Das war natürlich ein Schlag ins Gesicht sämtlicher Klimawandels-Propheten. „Sie missbrauchen meinen Regenbogen, das Zeichen meines Bundes zwischen mir und ihnen und allem lebendigen Getier auf ewig“, sprach Gott der HERR und ließ sich nur eine neue Arche als Zugeständnis abringen.

Wir wissen nicht, warum, aber jedenfalls entschloss sich der liebe Gott, die Arche diesmal nicht von Noa, sondern von der EU bauen zu lassen. – Tja, und als es dann zu regnen anfing, gab es in Brüssel 50.000 Sesselfurzer, die sich mit der korrekten ISO-Norm für Affen und Bananen beschäftigten, und die Menschen wie Du und ich in Mitteleuropa hatten zwar nix bestellt, durften aber alles bezahlen nach der alten Freibierregel: „Wir spielen jetzt Wiedergutmachung und Deutschland gibt einen aus!“

Dazu fällt mir zwischendurch noch die Geschichte von Konrad Adenauer ein, weil nach dem Krieg ja nun wirklich alle die hohle Hand nach Deutschland ausstreckten, Österreich eingeschlossen. Adenauer sagte dazu: „Wenn die Österreicher Wiedergutmachung wollen, dann können sie die Knochen von Adolf Hitler zurückhaben.“

Bonn Appetit! - Kagähr Meyähr!
Konrad und Charles, Gott hab sie selig! Mit der heutigen EU haben sie so viel zu tun wie Deutschland mit dem Islam.

So, wir kommen nun zum Schluss unserer apokalyptischen Geschichte: Die Regenbogenfraktion einigte sich mit Wowereit auf eine gemeinsame Einweihungsparty für den Willy-Brandt-Flughafen und die Barak-Obama-Arche. Und was soll ich Euch sagen: Wir sind alle jämmerlich ersoffen, jedenfalls im Westen. Im Osten hatten sie immerhin eine Schwarzmeerflotte, aber wir hatten nur kubikmeterweise heiße Luft, die nach ISO-Norm 40 Minuten erhitzt werden darf, aber nicht länger, und anschließend mit spiralförmigen Bewegungen vom Wedelbefugten im Raum verwedelt werden muss wie die ISO-Tomatensoße vom ISO-Italiener auf der ISO-Pizza.

Gelbes-U-Boot.
Regierungs-Arche.

Es gab welche, die wollten sich ins Gelbe U-Boot retten, das noch von John, George, Paul und Ringo übriggeblieben war. Da saßen aber schon „unsere“ Politiker schön warm und trocken drin und flüchteten vor der Verantwortung für ihr eigenes Tun und Lassen wie sonst auch.

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Vorlesung ― http://volkslesen.tv/27-08-werkstatt-der-kulturen-liest-tschingis-aitmatow/

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Fortsetzungsgeschichte: CAFÉ FANTASY am Richardplatz – Folge 13

Wir erinnern uns an den Herrnhuter Diaspora-Prediger Weiz, der uns von Gottliebin Dittus erzählt hat, wie sie in der Möttlinger Brunnengasse Nr. 3 sofort das Gefühl hatte: „Hier ist es nicht richtig…“ Die Dittus-Geschwister setzten sich zum Mittagessen und Gottliebin sollte das Tischgebet sprechen. Sie begann: „Komm, Herr Jesus, sei unser Gast …“ Dann verdrehte sie plötzlich die Augen und fiel vom Stuhl wie ein Stück Holz.”

“War sie tot?”, fragte Frau Mewes-Fischer entsetzt. Auch dem Aushilfskellner und Eismatscher Urs Bergner lief eine Gänsehaut den Rücken rauf vom Hintern bis zum Nacken.

„Erst mal wusste niemand, was mit ihr los ist“, antwortete Weiz. „Sie lag da auf den blanken Dielenbrettern, zum Schrecken ihrer Geschwister, und rührte sich nicht. Dort am Boden kam sie dann zu sich. Wegen ihrer seltsam widerlich ge­wordenen und abstoßend zuckenden Gesichtszüge hatte niemand von den Geschwistern es gewagt, die Bewusstlose zu berühren.
Fünf Minuten nach dieser unerklärlichen Be­wusstlosigkeit sah Gottliebin aus wie vorher.
Heute früh hatte der Armenpfleger der Gemein­de Möttlingen für 150 Gulden diese Stube-Kammer-Küche-Wohnung in der Brunnengasse 3 gekauft, um sie als Unterkunft den verwaisten Dittus-Kin­dern zur Verfügung zu stellen. Nachdem Vater und Mutter gestorben waren, mussten sie notgedrungen umziehen, denn das Elternhaus gehörte der Calwer Hypotheken-Kredit-Bank.
Fünf Geschwister waren übriggeblieben: Andre­as Dittus ― zu dieser Zeit auswärts als Holzfäller und Forstgehilfe ―, sein halbblinder Bruder Jörg und die Schwestern Katharina, Annamaria und Gottliebin.
Gottliebin, geboren am 13. Oktober 1815, hatte ebenfalls andernorts ihre Dienste getan, bis sie ar­beitsunfähig wurde durch ihren verwachsenen Rücken, eine schiefe, zu hohe Hüfte, ein zu kurzes Bein und einen schlimmen Unterleib.“

Übrigens war Prediger Weiz so freundlich, uns eine Daguerrotypie der Gottliebin Dittus zur Verfügung zu stellen, allerdings aus einer späteren Lebensphase:

 

[Abbildung entnommen aus meinem Buch: „Die Besessene – Gottliebin Dittus in Möttlingen.“]

Dittus-Daguerrotypie.
Gottliebin Dittus (1815 bis 1872). 

Weiz weiter: „Am zweiten Tag gab es Spätzle mit Linsen bei den Dittus-Kindern. Die Linsen hatten sie von ihrer mitleidigen Tante Maria Kätter geschenkt bekom­men.
Am dritten Tag wurde Gottliebin eng ums Herz, denn sie wusste nicht mehr, was sie machen sollte, um hier alle hungrigen Mäuler satt zu bekommen. Es war nichts im Haus, kein Mehl mehr und Geld schon gar nicht, außer einem einzigen Notgroschen unterm Kopfkissen ihres Bettes nebenan in der Kammer. Den Groschen nahm sie nun und hielt ihn mit ihrer kleinen linken Faust umklammert.
Gottliebin dachte an ihre Geschwister, für die sie Verantwortung trug. Es war ihr, als würden alle Wände der Wohnung über ihrem Kopf zusammen­stürzen. Sie schloss hinter sich die Tür der Kammer und trat in die Stube.
‚Wenn ich doch wenigstens mehr Geld zum Ein­kaufen hätte’, murmelte sie verzweifelt vor sich hin, ‚wenigstens noch einen einzigen Groschen mehr…’ Plötzlich spürte sie ein Zucken in ihrer lin­ken Hand. Als sie die Faust öffnete, sah sie tatsäch­lich zwei Groschen statt einem in ihrer Hand.
Sofort bekam sie wieder eine Gänsehaut und dieses unheimliche Gefühl überfiel sie mit aller Macht: HIER IST ES NICHT RICHTIG. Hier will irgend etwas sich einmischen und mitmachen in ihrem Leben. Ent­setzt warf sie beide Groschen in den Abtritt und ihre Gänsehaut verschwand.“

„Abtritt?“, wunderte sich Urs Bergner, „was ist ein Abtritt?“

„Heute würden wir es ein Plumpsklo nennen, Garçon“, erläuterte Frau Mewes-Fischer. Er nickte verständig.

Weiz fuhr fort. „Nun hatte Gottliebin gar nichts mehr außer der festen Überzeugung, dass diese Hilfe nicht vom Himmel geschickt worden war. Gott kommt mit Ruhe. Sie wischte sich den kalten Schweiß von der Stirn und kehrte zurück in ihre Kammer, wollte sich aufs Bett legen zum Ausruhen. Einkaufen konnte sie ja nun doch nicht mehr. ABER WAS IST DAS? Auf dem Bett findet sie jetzt den abgetrennten Ärmel eines Männerhemdes, auf einer Seite zuge­bunden und prall mit Mehl gefüllt wie eine Wurst. Oben drauf liegt ein Silbertaler und unter dem Sil­bertaler ein beschrifteter Zettel. Sie liest: ‚Christi Blut und Gerechtigkeit, das ist mein Schmuck und Ehrenkleid.’
Trotz des frommen Spruches wird ihr Gesicht so weiß wie das Mehl. Eins hat sie durch Erfahrung schon gelernt im Lauf ihrer bald 25 Lebensjahre: Wo JESUS draufsteht, muss nicht Jesus drin sein. Der Teufel ist da für seine höllische Partei der beste Wahlkämpfer des Universums. — Doch weil es den Geschwistern Dittus jetzt wirklich am Allernötigsten mangelt, be­hält sie diesen Hemdsärmel, oder jedenfalls seinen Inhalt, und den Taler. Noch am gleichen Tag nimmt sie das Mehl zum Backen und den Silbertaler zum Einkaufen. Beim Abendbrot haben sie satt zu essen, doch so richtig lecker schmecken will es Gottliebin nicht. Im ganzen Haus entstand nach Einbruch der Dun­kelheit eine Unruhe, die auch den Bewohner des ersten Stockes mit einbezog, den allein leben­den Leineweber Michael Seitz. Das war völlig neu für ihn, was er hier miterlebte. Er konnte es nicht ein­sortieren in seinen bisherigen Erfahrungsschatz. Durch Kammer, Stube und Küche des Erdgeschos­ses bewegte sich ein Schlurfen wie von unsichtba­ren Füßen hin und her durch alle drei Räume. Bald erhob sich auch noch ein lautstarkes, unerklärbares Gepolter. Alle, die das hörten, bekamen einen heillo­sen Schrecken, sowohl die Dittus-Geschwister als auch Nachbar Seitz sowie drei zufällige Passanten auf der Brunnengasse. Aber niemand tat einen Mucks und man vermied es, anderntags überhaupt von diesem entsetzlichen Radau zu sprechen. In der nächsten, der dritten Nacht wurden Gottliebin auf einmal mit Gewalt die Hände übereinander gelegt, während sie friedlich im Bett lag.
In der vierten Nacht tanzten schwebende Irrlich­ter um sie herum, die plötzlich auftauchten und ge­nauso plötzlich wieder verschwanden.
In der fünften Nacht erblickte sie unbekannte Gestalten an ihrem Bett.
Anderntags kam Tante Kätter zu Besuch und brachte wieder Linsen mit. Gottliebin sagte nichts, doch ihre Geschwister erzählten der Tante von den unheimlichen Vorgängen.
Maria Kätter berichtete es dem neuen Pastor Jo­hann Christoph Blumhardt.“ Weiz trank einen Schluck Kaffee, weil er einen trockenen Mund vom vielen Erzählen bekommen hatte.

„Und dann?“, fragte Frau Mewes-Fischer. „Was machte der Pastor? Ich hab diese Exorzismus-Filme aus Hollywood gesehen, also da geht ja echt die Post ab!“

Wird fortgesetzt.

 

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7. Mr. Chaplin, wie lautet Ihre Surf- und Lese-Empfehlung für heute?

Charlie-Chaplin.
Charlie Chaplin gibt uns einen Surf- und Lesetip für die Wirtschaftskrise bzw. die Zeiten nach dem Geld- und Goldrausch:
NEUKÖLLNER-DSCHUNGEL.
Titelbild Mai/Juni 2014.

Ich empfehle den neuen NEUKÖLLNER DSCHUNGEL. Mit den kostenlosen NEUKÖLLNER DSCHUNGEL kommt man besser durch die Zeiten ohne Geld als mit Geld durch die Zeiten ohne NEUKÖLLNER DSCHUNGEL.

Mr. Chaplin, wir danken Ihnen für dieses höchst informative Gespräch.

PS: Übrigens sind im neuen NEUKÖLLNER DSCHUNGEL auch Beiträge von meiner Wenigkeit zu finden, und zwar auf den Seiten 10f. und 24.

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So, das war WiTzels Tagblatt Nr.:

-92-
[Benutzt fürs Design: 92 – HAUTS DE SEINE – 92 -.]