Emse Bremse und Olle Ihmchen (42)

Berlin ist zwar die Stadt mit den meisten Brücken, doch trotzdem gibt es solche Strecken wie hier am Landwehrkanal, wo weit und breit erst mal keine Brücke zu sehen ist, wenn man sich verlaufen hat, wie letzten Freitag drei Touristen aus Luxemburg.

Landwehrkanal.
Landwehrkanal, Bildquelle: Wiki.

(Damit es keinen Ärger gibt, sind die Gesichter der Touristen hier nicht mit drauf.) Sie befanden sich auf der von uns aus gesehen linken Seite des Kanals und entdeckten voller Freude Olle Ihmchen auf der rechten Seite, der dort gerade einen Nachmittags-Spaziergang machte. (Aus Gründen der Gleichbehandlung bilden wir ihn hier ebenfalls nicht ab.) – Überglücklich riefen die drei ihm zu:

HALLOO! Wir sind drei Touristen aus Luxemburg und haben uns verlaufen – können Sie uns bitte sagen, wie wir auf die andere Seite kommen?“

Verwundert schaut Olle Ihmchen sie an und ruft freundlich zurück:

Warum? Sie sind doch schon auf der anderen Seite!“

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Emse Bremse und Olle Ihmchen empfehlen übrigens WitZels Gute-Laune-Lieder

 

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Emse Bremse und Olle Ihmchen (06)

Olle Ihmchen trifft Emse Bremse am Fuß des Kreuzberges und wundert sich:

 

Hintze
Johann Heinrich Hintze: Berlin, Blick vom Kreuzberg (1829).

Wat denn, Emse Bremse, du hier und nich in Hollywood?

„Nä“, sagt Emse Bremse, „det is uns zu weit wech inhaltlich un überhaupt, det is mehr wat für Ganowereit und sein‘ Partyservice, wa. Meine Perle Erna un ick, wir jehn zum Bunten Rock’n’Read-Abend am Freitach, 27. März 2015, um 19:30 Uhr inne Wildenbruchstraße vier bei Raum B wie Bräute, Bücher & Berlin. Der Herbert WitZel soll da n Lied singen.“

„Wat?“, wundert sich Olle Ihmchen, „darf der det denn? Is der WitZel bei die GEZ oder GEMA oder wie det Finanzamt heute heißt?“

„Nee“, sagt Emse Bremse, „inne GEMA is der WitZel nich, aba inne SCHUFA.“

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Hallo, Tagebuch,

gestern war ich mit sechs Saiten und zwei Stimmbändern zum ersten Mal bei Heiners Open Micro im Lagari in Kreuzberg, wo sich die Erwachsenen so langsam „Gute Nacht“ sagen und den grünen Jungs und Mädels das Taschengeld von Mama und Papa Finanzamt ausgeht. Doch mal unabhängig vom Öko-Veggie-Geld und vom Bezirk, in dem ich über 30 Jahre gelebt hab, war es doch ein richtig guter Abend, mit der hübschen rothaarigen Berit als Tresenfee und u.a. Loreley Doris als Publikum.

Außerdem hat zu Füßen des mageren Kreuzbergs (Methfesselstraße 7) Konrad Zuse die Z3 zusammengebaut, die erste funktionierende programmierbare Rechenmaschine der Welt. Das Geld an dem Teil verdienen unsere amerikanischen Freunde, sie nennen es „Computer“ und wollen uns jetzt via EU nebst Merck und Gaukel eintrichtern, wir hätten keine Fachkräfte und müssten uns zuwandern lassen. Na, OK, den Fachkräftemangel gibt es tatsächlich, aber nicht bei uns draußen in der Bundesnacht, sondern drinnen im Bundestag zu Füßen der fetten Henne, die goldene Eier legt. 😉

Mal sehen, vielleicht sehen wir uns dort ja nächsten Dienstag – nein, nicht im Bundestag, sondern bei Heiner im Lagari!

Ort des Geschehens.
Lagari, Nansenstraße Ecke Pflügerstraße.

Bismarck (1815―1898) als Schüler

Kreuzberg ist ein Durchgangsbezirk. Viele wohnen hier kurzzeitig als Studenten und ziehen nach dem Staatsexamen einen weißen Kittel über und um nach Wilmers- oder Zehlendorf. Andere haben hier das ABC und das große Einmaleins gelernt und später den ersten Sozialstaat der Welt gegründet wie Otto von Bismarck.

Bismarck als Schüler.
Otto Eduard Leopold Fürst von Bismarck-Schönhausen als Schüler. Zeitgenössisches Bildnis (Repro: Archiv Witzel.)

 

Er wurde 1822 als Siebenjähriger eingeschult in die jetzt verschwundene Plamannsche Erziehungsanstalt, die sich 1805 bis 1830 auf dem Gelände der heutigen Stresemannstraße Nr. 30 befand.

Sendker.
Stresemannstraße 30 (Bildquelle: Wikipedia; Urheber: Sendker).

Die Stresemannstraße ist mit ihren mehrfachen Straßenschilderwechseln eine typische Berliner Straße, denn im Umtaufen lassen wir uns hier in der Hauptstadt nichts vormachen. Hans Scholz schrieb in seinem Roman „Am grünen Strand der Spree“ (Hamburg 1955) zu den Namen dieser Straße: „Preußen nach 1866 – Königgrätzer Straße. Kaiserreich, Weltkrieg, Nibelungentreue – Budapester Straße. Weimarer Republik halbiert die Zeile in Friedrich Ebert und Saarland. Dieser Teil später Stresemannstraße. Drittes Reich – der Ebertteil in Hermann Göring, der Stresemann wieder in Saarland. Und Göring und Saarland?“ Nun denn, seit 1947 heißen beide Teile wieder Stresemann.
Der Pädagoge Johann Ernst Plamann (1771–1834) gründete dieses „Knabeninternat“ nach dem Vorbild Pestalozzis und beschäftigte hier unter anderem als Hilfslehrer auch Turnvater Friedrich Ludwig Jahn.
Bismarck erzählte später: „Die Plamannsche Anstalt lag so, dass man auf einer Seite ins freie Feld hinaussehen konnte. Am Südwestende der Wilhelmsstraße hörte damals die Stadt auf. Wenn ich aus dem Fenster ein Gespann Ochsen die Ackerfurche ziehen sah, musste ich immer weinen vor Sehnsucht nach Kniephof (heute: Konarzewo; ab 1816 verbrachte Bismarck im Dorf Kniephof die ersten Lebensjahre.). ― Meine Kindheit hat man mir in der Plamannschen Anstalt verdorben, die mir wie ein Zuchthaus vorkam. “
Als Anschieber der parlamentarisch abgesegneten „Sozialistengesetze“ hat Bismarck später reichlich Minuspunkte im linksdemokratischen Aktenschrank gesammelt. Allerdings ist er mit seinen politischen Gegnern Lassalle und Bebel wesentlich menschenfreundlicher umgegangen als später Stalin etwa mit Trotzki.
Die Linken wollen Revolution machen und konnten es noch nie richtig. Bismarck wollte erst nicht und konnte es dann aber doch. Dadurch hat er sich im Liliputanerverein der im Leben zu kurz Gekommenen auch keine Freundschaften geschaffen. Dennoch: Bismarcks Sozialstaat wird weltweit kopiert und nachgeahmt.

Repro: Archiv Witzel.
Repro: Archiv Witzel.

„Geben Sie dem Arbeiter Arbeit und das Recht auf Arbeit, solange er gesund ist, sichern Sie ihm Pflege, wenn er krank ist, sichern Sie ihm Versorgung, wenn er alt ist“, verlangte Bismarck vom Reichstag. Innerbetrieblich wurde das dort inzwischen ja auch schon sehr schön einhundertprozentig umgesetzt.

Bismarcklinde.
Schild in der Stresemannstraße 30 – siehe Foto oben, Nebenhaus links unterm dritten Fenster. (Bildquelle: Wiki.)

Außenbords freuen wir uns heute erst mal darüber, dass in Kreuzberg wenigstens diese Tafel noch an Bismarck erinnert.

Herbert Witzel

Buchung als Stadtteilführer Kreuzberg: 030-693 16 46.

Die Ukulele – das unbekannte Wesen

Im neuen Berliner „BrückenBauer Friedrichshain-Kreuzberg interkulturell“ ist mein Artikel über das Kreuzberger LELELAND erschienen, mit einem Foto von Lothar Schneeberger (Danke dafür!). Ich hoffe, Ihr könnt den Text lesen:

Brückenbauer-Seite-4
Mein Artikel im „BrückenBauer Friedrichshain-Kreuzberg interkulturell“, Ausgabe 5-2014, Seite 4.

Der „BrückenBauer“, Redaktion: Michael Rebien, wird herausgegeben von der Volkssolidarität. Da stehen natürlich noch mehr Beiträge drin, die alle lesenswert sind. Das ganze Blatt mit sämtlichen acht Seiten gibt es hier: http://volkssolidaritaet-berlin.de/wir/content/pdf/pub/bbauer/bbauer_2014-05.pdf

Link zum LELELAND: http://www.leleland.eu/

Donnerstag, 27. März 2014 – WiTzels Tagblatt Nr. 48

Donnerstag, 27. März 2014

  1. Tagesmusik von „Engelsgleich“;
  2. Bild des Tages nach den heißen Bräuten zum Abkühlen jetzt aus 66 Meter Höhe über Normal Null: Blick vom Kreuzberg;
  3. Spruch zum Tage von Gevatter Volksmund;
  4. Kalendergeschichte aus Berlin vom City Guide;
  5. Vorlesung über bissige Vampire.

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Ton ab für diese knackige Kapelle:

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S;=)

Wenn Sie ENGELSGLEICH gern sofort für Berlin buchen würden, aber als Messi keinen Platz in Ihrer Buchte haben für einen so charmanten Auftritt, dann empfiehlt es sich, vorher die Wohnung zu entrümpeln. Wir empfehlen diesbezüglich Herrn Frank Toebs:

Frank Toebs
entruemplung.de

 

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S;=)

Bild des Tages:

 

Hintze
Johann Heinrich Hintze: Berlin, Blick vom Kreuzberg (1829).

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S;=)

Spruch zum Tage:

Man hat’s nicht leicht, aber leicht hat’s einen.

VOLKSMUND.

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S;=)

Kalendergeschichte aus Berlin:

Kreuzberg hat ein von der Straße aus einsehbares „gläsernes Rathaus“, das der Nachkriegs-Bürgermeister „Texas-Willi“ Kressmann so durchsichtig hingestellt hat. Nun sind die Rot-Grünen doch lieber nach Friedrichshain gezogen in ein 08/15-Rathaus, wo sie ihre Dunkelkammern haben wie andere Berliner Politiker auch.

Als ich aus diesem „gläsernen Rathaus“ komme, begegne ich der hübschen Ita mit ihren Hochglanzaugen, die so schwarz sind wie ihre hüftlangen Haare. Ita ist überzeugt, daß Gott sie aus Indonesien, dem Land der 15.000 Inseln, nach Berlin gerufen und berufen hat.

Weil sie als Diplom-Informatikerin ihre Schrippen verdient, wandern wir zur Methfesselstraße 7, wo Konrad Zuse damals seine Z3 zusammenbaute, die erste funktionierende programmierbare Rechenmaschine der Welt. Heute heißen solche Teile Computer. – Wer mehr zu Konrad Zuse wissen will, der gehe ins Technikmuseum am U-Bhf Gleisdreieck, dito in Kreuzberg gelegen. Dort gibt es ein extra Zusezimmer.

Schräg gegenüber von Zuses Werkstatt, am Fuße des Kreuzbergs, nach dem der Bezirk
1921 benannt wurde, wachsen die Trauben vom Kreuzberger Neroberger, dem Bezirkswein.
„Hier wächst Wein?“ wundert sich Ita.
„Hier wuchs im Mittelalter richtig viel Wein“, sage ich. „Im zwölften Jahrhundert bestand unsere heutige Hauptstadt aus den drei Weichbildern Cölln, Berlin und Tempelhof. Der Kreuzberg ist einer von sieben Bergen, an deren Hängen damals die Templer und Johanniter ihren Wein anbauten, den sie kelterten und dann im >Dustern Keller< lagerten, einer natürlichen Höhle, in der noch Knochen von Säbelzahntigern vor sich hin bleichen. Sie lag nahe am Chamissoplatz.“

Noch weiter den Berg hinauf liegt die ehemalige Schultheiß Brauerei, ein modernisierter
Wohnkomplex für Leute, die es sich leisten können.
„Mal sehen“, sagt Ita, „vielleicht ziehe ich eines Tages auch nach Kreuzberg. Es muss ja nicht gleich fiirs ganze Leben sein.“ Sie hat Recht, der Bezirk ist eher ein abenteuerliches Durchgangslager. Viele ziehen hier später wieder weg, in einen anderen Bezirk oder nach Amerika oder zurück in die Heimat wie die türkischen Gastarbeiter damals mit ihren zehn- bis fünfzehntausend DM Heimkehrprämie, die Norbert Blüm für sie lockergemacht hatte. Dann haben sie das Geld in Anatolien verbraten oder versucht, sich selbständig zu machen, was aber im wirtschaftlichen Chaos der Türkei nur wenigen gelingt. Die Versager kehrten zurück. Das durften sie offiziell zwar nicht laut unterschriebenem Vertrag, doch wer kontrolliert schon unsere Grenzen?

Ita verabschiedet sich, sie will zu ihrer Gemeinde. Da singen heute „Engelsgleich“ bei der Trauung des Pastorensohns mit einem Polenmädchen, und zwar mit dem allerschönsten Kind, das man in Polen find’t.

Jetzt hat der BÜCHERTISCH geöffnet. Meine Bekannte ist nicht da, sie muss sich heute um ihre beiden Kinder kümmern. Also statte ich dem ersten großen Altemativprojekt noch einen Besuch ab, dem Mehringhof, wo ruhiges Leben herrscht.

Dann gehe ich auch gleich weiter die Gneisenaustraße lang, die eine repräsentative „Gürtelstraße“ um ganz Berlin herum werden sollte. So hatte sie James Hobrecht damals geplant, nach Pariser Vorbild, und deshalb ist sie nur zwei Meter schmaler ist als die 60 Meter breite Prachtstraße Unter den Linden.
Parallel dazu verläuft die Bergmannstraße, heute Kreuzbergs interessanteste Geschäftsstraße, die an der Marheineke-Markthalle vorbeiführt. Dort ist gut Mittag essen und Leute treffen. Nur meine bekannte typische Kreuzbergerin treffe ich nicht, die hier früher sonnabends auf dem Flohmarkt mit dem Bücherverkaufen anfing und inzwischen mit anderen zusammen selber ein Buch herausgebracht hat, „Kreuzberg kocht“, in dem über 50 Projekte vorgestellt werden mit Porträts und ihren Lieblingsrezepten. Wer hier wohnt, der muss nicht hungern und frieren und kann abends noch Live-Musik hören im Yorckschlößchen, in der Junction Bar oder im SO 36.

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Gern führe ich Sie als City Guide durch Kreuzberg und/oder andere Berliner Gegenden. Reden Sie mit uns oder erst mal mit mir: Herbert Witzel, Tel.: 030-693 16 49. <herbert_f_witzel@web.de>

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Vorlesung ― diesmal zum Thema BLUTSAUGER bzw. VAMPIRE:

http://volkslesen.tv/19-11-coburger-medienpreis-liest-stephanie-meyer/

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